Oberland.de  Das Online-Medium für die Region Bayerisches Oberland

Sprachauswahl
Inhaltsbereich

TOP-PERFORMER IM OBERLAND

Energie-Unternehmer Franz Sporer erklärt seine Biogasanlage
Kreislauf Biogas – Fachverband Biogas e. V.
Grassilage als Gärsubstrat
Fermenter
Franz Sporer prüft täglich die Fermenter
Es blubbert und brodelt – hier entsteht Biogas: Oberfläche des Gärsubstrats im Fermenter
Franz Sporer, Fenny Rosemann (Oberland.de) gehen der Frage nach: „Wie riecht eigentlich Biogas?“
Die Motoren im Blockheizkraftwerk
Der „alte“ Bauernhof von Franz Sporer

Strom kommt aus dem Ackerbau

von Andrea Weber

Wielenbach, 11.8.2011 – Franz Sporer fasste einen mutigen Entschluss und wurde vom Milchbauern zum Energie-Unternehmer. Er macht mit seiner Biogasanlage am Zartacker 1 in Wielenbach vor, woher die regenerative Energie in der Zukunft kommt. Sein Betrieb ist zum Vorzeigeprojekt geworden.

Informieren, Aufklären und vor allem Vorurteile beseitigen, das ist ein wichtiges Anliegen von Landwirt Franz Sporer. Deshalb lädt er gerne zu einem Rundgang durch seine hochmoderne Biogasanlage ein, die nicht weit vom alten Hof oben auf einer Anhöhe steht. Für sein Vorhaben hat er anfangs viel Kritik aus den eigenen Reihen einstecken müssen und harten Gegenwind aus der Gemeinde erfahren. Trotzdem wagte der ehemalige Milchbauer einen mutigen Schritt und investierte viel Eigenkapital in sein Zukunftsprojekt. 2006 ging die Biogasanlage ans Netz. Heute sind die Stimmen der Gegner leise geworden, dafür kommen andere, die sich nun am Kreislauf erneuerbarer Energiegewinnung beteiligen.

Vom Familienbetrieb zum modernen Unternehmen

Aus familiären Gründen stand Franz Sporer vor der Entscheidung: Will er wie bisher als Milchbauer mit 80 Kühen im Stall, 500.000 Liter Michproduktion im Jahr und 100 Hektar bewirtschaftetem Land weitermachen – ein harter Job im reinen Familienbetrieb – oder soll er den Schritt zu einem innovativen Unternehmen im Sektor erneuerbarer Energiegewinnung wagen? Zwei Jahre hatte er sich mit anderen Landwirten und dem Maschinenring Oberland intensiv mit dem Bau einer Biogasanlage befasst. „Doch wir waren naiv, was die Standortbestimmung betraf. Unser Vorhaben einer Großanlage scheiterte bei den Gemeinden bereits bei der Bauvoranfrage.“ Im November 2008 entschied sich Franz Sporer dann zum Alleingang auf dem eigenen Grund und Boden. Im April 2009 zogen seine Kühe aus dem Stall, mit ihnen ging die letzte Milchlieferung raus und ab Mai 2009 fing für den heute 60-Jährigen ein neuer Lebens- und Arbeitsabschnitt an. Sporers Biogasanlage ging mit einer Leistung von 190 KW erstmals ans Netz. Sein Projekt wurde von Beginn an zum Selbstläufer.

Jährliche Stromkapazität für rund 750 Haushalte

Heute ist Franz Sporer täglich auf seiner Anlage unterwegs, notiert Stromwerte, prüft die Anzeigen. Überzeugt von seiner Arbeit führt er Gruppen übers Gelände. Sogar internationale Delegationen empfängt er mittlerweile, wie kürzlich eine aus Dänemark. Heute leistet sein Kraftwerk 380 Kilowatt Strom, das ergibt eine Energiemenge von 9.120 Kilowattstunden am Tag. Ein Durchschnittshaushalt braucht zirka 5.000 Kilowattstunden im Jahr. Das bedeutet, dass Sporers Anlage den Stromverbrauch für rund 750 Haushalte jährlich erzeugt – mehr als für seinen Heimatort Wielenbach notwendig wären. Theoretisch, denn seinen Strom verkauft er ans öffentliche Netz von EON.

Als Abfallprodukt entsteht wertvoller Dünger

Wichtig ist dem Landwirt auch ein Umdenken, da häufig falsche Vorstellungen über Biogasanlagen existieren. Deshalb informiert er en detáil auf seinen Führungen. „Biogas stinkt nicht, und das Abfallprodukt ist sogar ein wertvoller Dünger“, sagt er. Ein regenerativer Kreislauf also. Zudem sei es ein Irrglaube, dass durch Biogasanlagen nur noch Maismonokulturen entstünden. „Wir verwenden auch Grassilage aus Gartenabfällen, Triticale, eine Kreuzung aus Roggen und Weizen, sowie verhagelte Ganzpflanzen, wie Getreide mit Halmen, die als Ernte nicht mehr zu gebrauchen sind.“

Die Biogasanlage auf der Anhöhe sieht geradezu unspektakulär aus. Nur wenige Rohrleitungen sind zwischen Holz-Ports zu sehen und kreisrunde Betonplatten lassen vermuten, dass es unterirdisch in den sogenannten Fermentern – den Bioreaktoren – blubbert und brodelt. Alle halbe Stunde wird im Reaktor gerührt. „Sonst könnten die Gase, die bei einer Temperatur von 47 Grad entstehen, die Bodenplatte sprengen“, erklärt er. Sie aber sind schließlich die Energie, die am Ende über Motoren im Blockheizkraftwerk zu Strom umgewandelt werden. Auch an den Anschluss ans Wärmenetz denkt Franz Sporer und plant bereits, wie die Wärme ins Heimatdorf Wielenbach kommt. Noch ist das Zukunftsmusik – aber mit der Energie, mit der der Landwirt bisher seine Vorhaben vorangetrieben hat, wird er sicher ein wichtiger Partner im Ausbau regenerativer Energie im Oberland bleiben.

Biogasanlagen haben eine erstaunliche Entwicklung gemacht, es sind heute fast 7.000 Anlagen in Betrieb in Deutschland, so der Fachverband Biogas e. V. Zwischen den ersten „Daniel-Düsentrieb“-Anlagen Anfang der 90'er Jahre und den heutigen hochmodernen Betrieben, wie die von Franz Sporer, liegen Welten. In den kommenden Jahren sollen voraussichtlich 800–1.000 neue Anlagen pro Jahr gebaut werden.

Fotos von Andrea Weber
Illustration „Biogas – die Energie aus der Natur“ vom Fachverband Biogas e. V.

Diverse Seitentools, RSS-Feed, Social Bookmarking
Tagcloud Werbung
Werbung
Content Technologies GmbH. Professionelle Website-Erstellung mit Typo3 und Wordpress Content-Management-Systemen