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Autorin: Andrea Weber
Oben am Wiesenhügel, nahe dem Eurasburger Ortsteil Happerg, steht schon eine Weile ein kapitaler Gorilla, über den sich nicht nur das einheimische Rindvieh wundert. Kraftstrotzend wirkt der Menschenaffe im Gegenlicht mit seiner gebückten Haltung, als wäre er jederzeit zum Sprung bereit. Seit kurzem achtet er sorgsam auf den Wiesenweg unterhalb seiner Anhöhe, denn dort haben sich ein paar merkwürdige Wesen versammelt. Es sind die künstlerischen Kreaturen des Bildhauers Hans Kastler.
Kastler lebt und arbeite seit gut vierzig Jahren in Happerg, nahe dem Starnberger See. Seine imposanten Skulpturen und Plastiken aus Gips, Bronze und Stein sind international bekannt. Zu den zahlreichen Auftraggebern gehören der Scheich von Kuwait sowie das Bayerische Landwirtschaftsministerium.
Ein wahrer Künstler und ein einfacher Mensch
Nun hat sich der Künstler im Heimatort Happerg selbst ein Denkmal gesetzt und entlang eines derben Ackers seine Skulpturen positioniert. Viele Besucher kamen am Eröffnungstag Ende September. Freilich auch der Bürgermeister von Eurasburg, Michael Bromberger, der in seiner kurzen Ansprache betonte, dass Kastler als ein „wahrer Künstler immer auch ein einfacher Mensch geblieben ist“ und das sei schon etwas Ungewöhnliches in Künstlerkreisen. Dass Eurasburg je eine eigene „Kunstmeile“ haben wird, daran hat der Gemeinde-Chef im Leben nie gedacht. Als „Erstbegeher“ sah sich Peter Grassinger, ein langjähriger Freund Hans Kastlers und der Ehrenpräsident des Münchner Künstlerhauses: „Der Skulpturenweg ist keine Vernissage auf Zeit, sondern wird als feste Kulturinstitution fortan hier verbleiben.“
Nun hat Hans Kastler wieder Platz in seinem Atelier, denn der Künstler ist fleißig. Feuchtfrisch musste der „Florettfechter“ aus Gips auf die Wiese hinaus, der, so gesteht Kastler leise, noch gar nicht fertig sei. Eigentümlich winden sich Arme um den Hals des Fechters, ohne das ihm die typische Angriffshaltung verloren geht. Weniger Schnörkel sind mehr, bei Kastlers Kunst ist das wirklich so. Weiche Rundungen wechseln abrupt in harte Kanten über: „Ich überlasse nichts dem Zufall, alles ist mit viel Gefühl gemacht.“
Seltsame Wesen auf dem Wiesenacker
Wenn der Künstler von seinen jüngsten Arbeiten spricht, nennt er sie drollig seine „Stabimobis“, weil ein Teil starr ist und ein anderer sich bewegen lässt. Kastler geht hier einen Schritt weiter und fügt der räumlichen Bildhauerei noch die Beweglichkeit hinzu. Es gefällt ihm, wie sich „tausende von Ansichten auftun“. So lässt sich die Körpermitte, quasi das Herzstück des „Flurwächters“, ein geometrischer Bursche aus Kuben und Quadern, in alle Richtungen verdrehen. Er verweilt nun hier im Ackergelände in Gesellschaft der weiblich-voluminösen „Venus“ und einer Reihe anderer kunstvoller Wesen. Sie werden Wind und Wetter standhalten, „so lange ich jedenfalls lebe“, verspricht der Künstler. Und der Bronze-Gorilla oben auf der Anhöhe wird sorgsam wachen. Er ist schon lange das Markenzeichen des Eurasburger Bildhauers geworden.
Mehr Informationen zu Hans Kastler