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THEATERKRITIK

Aus dem Leben eines Taugenichts

von Claudia Mohrherr

Icking-Dorfen, 14. November 2010 – Mit der letzten Vorstellung des Icking Abo 2010 präsentiert Wolfgang Ramadan den Schauspieler Gerd Lohmeyer. Vielen bekannt aus zahlreichen Filmen und Fernsehsendungen hat er mit dem Stück „Aus dem Leben eines Taugenichts“ sein schauspielerisches Talent schon auf vielen Bühnen unter Beweis gestellt. Am 14. November war er zu Gast im Vereinsheim in Dorfen.

Im Saal ist bereits Ruhe eingekehrt und das Publikum schaut gespannt auf die Bühne. Ein unerwarteter und lauter Schrei erfüllt den Theaterraum: „Ich ein Taugenichts“ ärgerte sich Lohmeyer lautstark. In Gehrock, Ärmelschonern und einem Stoß Akten in der Hand stürmt er durch den Zuschauerraum auf die Bühne. Rums - die Akten knallen auf den Tisch. Nachdenklich und zu tiefst gekränkt blickt er in das Publikum, bevor er sich erneut echoviert über die üble Verunglimpfung. Joseph von Eichendorff hat mit der Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ den Text für diesen fulminanten Auftritt geliefert, Wolfgang Bauschmid hat das Bühnenstück inszeniert und Lohmeyer gibt dem Stück die Seele.

Die Geschichte ist gleich erzählt: Ein Vater, von Beruf Müller, ist des Müssiggangs seins Sohnes überdrüssig und beschimpft ihn als „Du Taugenichts“, als dieser sich mal wieder von nicht getaner Arbeit ausruhte. Er schickt ihn in die Welt hinaus, damit er sein Brot selbst verdiene. Der Sohn, pragmatisch, liebt die Musik, zieht mit seiner Geige im Gepäck los, doch er kommt nicht weit und läßt sich in einem nahe gelegenen Schloss anstellen. Einzig, die unglückliche Liebe zur „schöne, gnäd'ge Frau“ läßt ihn weiterziehen nach Italien. Nach allerlei Erkundungen, Irrungen und Wirrungen, findet er den Weg zurück zum Schloß und zu seiner „schöne, gnäd'ge Frau“.

Nur wenige Requisiten genügen Lohmeyer um das Publikum das Lebensgefühl einer vergangenen Epoche nahe zu bringen. Da genügt ein Blatt Papier, aus dem flugs eine Blume wird, die der Müllerssohn seiner geliebten Aurélie vor die Türe legt. Aurélie, die Angebetete, gespielt von Berta Rieger, schwebt hin und wieder feenhaft durch das Bühnenbild. Auf einem einfachen Stuhl, der ihm als Kutschbock dient, schwankt Lohmeyer hin und her auf steinigen Straßen auf dem Weg nach Italien. Der Tisch wird kurzerhand zum Hügel und er klettert hinauf und hält Ausschau. Lohmeyer spielt Eichendorfs Taugenichts mit einer unglaublichen Dynamik ohne dem Stück der wunderbaren Poesie zu berauben.

Mit jeder Szene schafft er es die Sehnsucht, die Hoffnungslosigkeit und das Glück des namenlosen Helden dem Publikum näher zu bringen. Spontanität und Lebendigkeit bestimmt das Spiel. Sie zieht sich durch den ganzen Abend und da verwundert es niemanden mehr, wenn Lohmeyer von der Bühne stürmt, die Türe aufreißt und „Sie liebt mich“in die dunkle Nacht hinaus schreit. Denn zu guter Letzt bekommt der Müllersohn natürlich seine Aurélie und „es war alles, alles gut“.



Die Zuschauer belohnen das großartige Schauspiel von Lohmeyer und seiner Partnerin mit viel Applaus. Ein schöner Abend und ein würdiger Abschluss des Icking Abo 2010. Wir freuen uns auf viele wunderbare Künstler in 2011.

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