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Mit Viktoria Rebensburg sprach Andrea Weber
Viktoria Rebensburg ist als Nachwuchstalent zur Winterolympiade 2010 nach Vancouver geflogen und als die Schnellste der Welt im Riesenslalom zurückgekehrt.
Rebensburg: Eigentlich schon, in meinem persönlichen Umfeld auf jeden Fall. Bei meiner Familie und bei meinen Freunden kann ich so sein wie ich bin. Als Mensch habe ich mich nicht verändert. Es ist normal, dass mich auf der Straße jetzt mehr Menschen erkennen, vor allem im Tegernseer Tal. In München ist das noch anderes. Dort kann ich einkaufen gehen, ohne dass ich erkannt werde. In München kennt mein Gesicht in der Öffentlichkeit kaum jemand.
Was kann die Goldmedaille eigentlich noch toppen?Das ist eine Frage, die alle stellen. Natürlich ist ein Olympiasieg das Höchste, was man sportlich erreichen kann. Aber ich kann noch viel erreichen. Der Weltcup Gesamtsieg oder nächstes Jahr die Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Nein, die Gesundheit darf auf gar keinen Fall auf der Strecke bleiben. Die steht für mich an oberster Stelle. Im Sommer absolviere ich zwei Trainingseinheiten am Tag von je zwei bis drei Stunden. In erster Linie steht Radfahren, Krafttraining und Leichtathletik auf dem Programm. Vor allem beim Krafttraining ist es wichtig, auf eine saubere Ausführung zu achten – das ist entscheidend. Auch muss man immer auf die richtige Balance zwischen Belastung und Erholung achten. Die Samstage habe ich im Sommer immer frei. Letztendlich ist es von großer Bedeutung, topfit am Start zu stehen. So kann man Verletzungen vorbeugen.
Ich glaube den kennt jeder. Auch bei mir gibt es manchmal Tage, an denen ich mich ein wenig überwinden muss. Aber die sind selten. Ich will immer besser werden, dass motiviert mich.
Nein, Angst vor der Geschwindigkeit habe ich keine, das ist eine Erfahrungssache. Man wächst mit der Zeit und gewöhnt sich an das Tempo im Super-G und in der Abfahrt. Beim Super G erreicht man bis zu 120 km/h. Bei der Abfahrt können es über 130km/h sein.
Als Suchtgefühl würde ich das nicht bezeichnen. Ich bin sehr ehrgeizig und will immer bessere Ergebnisse erzielen. Man hat Träume, die man verwirklichen will und ich finde es toll, eine der „Schnellsten der Welt“ zu sein.
Ich lebe gerne auf dem Land und ich brauche die Natur. Ich genieße die Ruhe. Hier an den Hausbergen trainiere ich. Ich laufe, ich radle, mache mein Konditionstraining. Ich bin kein Stadtmensch. Irgendwann will ich aber trotzdem mal in der Stadt wohnen, aber nicht auf Dauer – nur damit ich das auch mal gesehen habe.
Im Winter bin ich wenig zu Hause. Manchmal an Montagen und Dienstagen nach den Rennen.
Nein, nicht wirklich. Aber ich freue mich immer wieder auf daheim, auf meine Familie und Freunde – egal wie lange ich weg war. Dass ich während den Wettkämpfen keine Lust mehr habe und am liebsten nach Hause will, kommt nicht vor.
Golf ist ein sehr cooler Sport. Viele glauben das nicht. Für mich ist es ein toller Ausgleich. Beim Golf braucht man viel Konzentration, deswegen ist er für die Psyche sehr gut. Trotzdem kann ich dabei total abschalten.
Mir gefällt Fußball und ich bin ein Fan vom FC Bayern, weil es eine bayerische Mannschaft ist und die beste Deutschlands.
Wenn Sie damit Malerei meinen, dann eher nicht. Zu Kunst und Kultur zähle ich aber auch die Musik. ist mein großes Hobby.
Musik gehört für mich zum Leben. Ich mag alles, Green Day, Metallica, Amy McDonalds. Für mich macht Musik eine gewisse Lebensqualität aus. Sie kann sogar meine Stimmungslage verändern. Ich habe Klarinette gelernt, aber schon lange nicht mehr auf ihr gespielt. Ich kann das bei weitem nicht mehr so gut wie früher. Da muss man genauso dran bleiben, wie beim Skifahren.
Das ist nicht ganz so. Man verlernt das Skifahren nicht, das stimmt, aber wenn man in der Weltspitze mitfahren will, dann muss man sehr viel trainieren. Ansonsten verliert man schnell den Anschluss. Ich habe pro Saison alleine rund 50 Skitage an denen ich Riesenslalom trainiere.
Das meiste schreibe ich mittlerweile über meine Fanseite bei Facebook. Das geht schnell und ist völlig unkompliziert. Ich glaube, es interessiert meine Fans, wo ich gerade bin und was ich mache. Ich lade auch immer aktuelle Fotos hoch.
Ich bin nach dem Abitur zum Hauptzollamt in München gegangen, weil das Amt wie die Bundeswehr und die Bundespolizei, uns Vollprofis unterstützt. So können wir uns zu hundert Prozent auf den Sport konzentrieren. Ich darf mich Zollwachtmeister-Anwärterin nennen und bekomme ein festes Gehalt. Die Ausbildung hole ich später nach. Die Anstellung als Beamtin auch für meine Zukunft wichtig ist. Man weiß nie was passieren wird.
Ja, ich studiere Sportmanagement als Fernstudium, weil mich die Verbindung zwischen dem Sport und der Betriebswirtschaft interessiert. Das Studium deckt beide Komponenten ab. Ich will mich weiterentwickeln, deswegen ist für mich wichtig, dass ich auch geistig gefordert bin.
(Sie muss schmunzeln) Nein, bei mir nicht. Ich konzentriere mich auf das Skifahren. Ich denke am Start oft ans Training, an was ich zuletzt gearbeitet habe. Beispielsweise wann das richtige Timing ist, um den Schwung anzusetzen. Am Start darf ich auf keinen Fall an die Platzierung denken. Das tue ich nicht. Aber jeder muss für sich den besten Weg finden.
Nein, das kann ich nie genau sagen. Während dem Rennen bin ich so konzentriert und es geht alles sehr schnell. Da habe ich kaum ein Gefühl dafür, ob man richtig schnell war.
Aufgeben – nein, auf keinen Fall (sagt sie bestimmend). Oft kann man einen Fehler wieder gut machen. Mir ist es schon passiert, dass ich nach einem Fahrfehler noch ein super Ergebnis geschafft habe.
Ja, denn das Skifahren war immer mein Traum – das wusste ich sehr früh. Ich habe mit vier Jahren den ersten Skikurs gemacht und das Abschlussrennen war mein erstes Rennen. Es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich anschließend in die Zwergerlmannschaft des Skiclubs Kreuth wollte. Das war der Anfang. Später habe ich eine Autogrammkarte von Katja Seitzinger bekommen. Sie war in Bad Wiessee auf Reha. Auf der Karte waren so viele Pokale und Medaillen. Die Karte habe ich damals über mein Bett gehängt. So erfolgreich wollte ich auch werden.
Ja, natürlich. Vom Alter her könnten es sogar noch zwei Olympischen Spielen werden. (Sie rechnet) dann bin ich 28, ja – das geht.
Danke!
Viktoria Rebensburg ist Goldmedaille-Gewinnerin im Riesentorlauf der Olympiade 2010 in Vancouver. Sie ist am 4. Oktober 1989 in Tegernsee geboren und in Kreuth am Tegernsee aufgewachsen, wo sie heute noch bei ihrer Familie lebt. Rebensberg ist seit 2009 Vollprofi im Ski Alpin-Sport und Mitglied des Ski Clubs Kreuth.
1. Platz Sölden Riesenslalom
2. Platz Aspen Riesenslalom
2. Platz Cortina d`Ampezzo Riesenslalom (GS)
4. Platz Garmisch GS
5. Platz Crans Montana Downhill
5. Platz Lienz GS
2009 d´Isere - 9. Platz Riesenslalom
2007 Are - 8. Platz Riesenslalom
Juniorenweltmeisterschaften 2009 Garmisch
Weltmeisterin Super G
Weltmeisterin Riesenslalom
Fotos: Andrea Weber
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