Bürgermeister Moritz Sappl dankt den Helfern des Asylhelferkreises Eurasburg-Beuerberg im Rathaus Eurasburg für ihren Einsatz.

Asylhelferkreis Eurasburg-Beuerberg

Der reinen Menschlichkeit verpflichtet

von Claudia Koestler

Eurasburg, 8.12.2016 – Die Bilder sind noch immer jedermann präsent, wie sich in den vergangenen Jahren Tausende auf den Weg machten, um Tod und Krieg in ihren Heimatländern zu entkommen und in Europa Zuflucht zu suchen. Vor mehr als einem Jahr taten sich deshalb in Eurasburg wie auch in anderen Kommunen im Landkreis Ehrenamtliche zusammen, um den ankommenden Flüchtlingen an ihrem neuen Wohnort beizustehen. Um diese Arbeit zu koordinieren, wurde der Asylhelferkreis Eurasburg-Beuerberg ins Leben gerufen. „Wir haben viel gelernt und viel erreicht im vergangenen Jahr“, bilanziert Elisabeth Birner, Mitglied des Helferkreises. Inzwischen ist freilich auch klar: Ohne die ehrenamtliche Arbeit von Helferkreisen wie in Eurasburg, die sich durch hohes persönliches Engagement und sehr viel Herzblut auszeichnet, wäre die Integration der neu angekommenen Flüchtlinge nicht „zu schaffen” gewesen.

Aktive Integrationsunterstützung

Gerade die ersten Monate waren eine große Herausforderung, denen sich die Helfer mutig stellten: Die Gemeinde rechnete im Herbst 2015 zunächst mit etwa 200 Asylbewerbern, die es aufzunehmen galt. Bei der ersten Informationsveranstaltung fanden sich bereits die ersten Helfer spontan zusammen, inzwischen ist es ein Kreis von etwa 80 Einwohnern, die den inzwischen ebenfalls etwa 80 Flüchtlingen in der Kommune aktive Unterstützung zukommen lassen. Der Eurasburger Asylhelferkreis agiert ohne Rechtsform. Er bildete sich schließlich spontan aus Menschen, die das Bedürfnis hatten und haben, gegenüber Flüchtlingen Menschlichkeit zu zeigen. Und Menschen, die der Überzeugung sind, dass es nicht reicht, die Schwierigkeiten der Integration zu beklagen, sondern dass diese vielmehr aktiv unterstützt werden muss.

„Man stelle sich es selbst einmal vor: plötzlich in Eritrea gelandet soll man sich dort zurechtfinden. Man soll in einer kleinen Stadt oder in einem kleinen Ort leben. Man versteht kein Wort von dem, was die Einheimischen in ihrer Sprache sprechen, man kennt vieles nicht, was es im Lebensmittelladen zu kaufen gibt, man kann kein Wort lesen.“

„Ich wollte wissen, was los ist und Menschen helfen, die hoffnungsvoll hierher nach Deutschland gekommen sind“, sagt beispielsweise Gabriele Wolf vom Asylhelferkreis. „Man stelle sich es selbst einmal vor: plötzlich in Eritrea gelandet soll man sich dort zurechtfinden. Man soll in einer kleinen Stadt oder in einem kleinen Ort leben. Man versteht kein Wort von dem, was die Einheimischen in ihrer Sprache sprechen, man kennt vieles nicht, was es im Lebensmittelladen zu kaufen gibt, man kann kein Wort lesen.“

Auch für Eberhard Wolf stand es deshalb „außer Frage, dass geholfen werden muss". Zumal sich im Herbst 2015 die Situation das erste Mal zugespitzt hatte, „dass die Verteilung der Flüchtlinge bis in die kleinsten Gemeinden gehen musste", beschreibt er die Situation.

„Helfen, aber auch um sich politisch zu positionieren“, nennt Birner als ihren Beweggrund. Und für Uwe Rathmann war es die jahrzehntelange berufliche Verbundenheit mit den arabischen Ländern, die ihn dazu brachte, sich im Eurasburger Helferkreis zu engagieren: „Ich kenne die dortige Mentalität recht gut, deswegen bringe ich mich ein.“

Menschen aus allen sozialen Gruppen mit unterschiedlichsten Erfahrungen also, die mit ihren zeitlichen Ressourcen agieren. Das freiwillige Engagement ist schließlich die Triebkraft des Helferkreises; notwendige Freiräume zu gönnen und trotzdem gleichzeitig die Kräfte zu bündeln und auf gemeinsame Ziele und Aktivitäten auszurichten ist die Kunst, die in Eurasburg bis heute beispielhaft gelingt.

Privatinitiative und ehrenamtliches Engagement

Die ersten Flüchtlinge sollten im vergangenen Jahr in den sogenannten Glaspalast am Eurasburger Sportplatz ziehen, weil die neu zu errichtende Container-Unterkunft dort noch nicht fertig war. „Und niemand wusste so recht, woher sie kommen, welche Probleme sie haben und was man mit den Asylbewerbern anfangen sollte", beschreibt Eberhard Wolf die Anfänge. „Meistens kamen sie ohne Ankündigung“, fügt Birner an, weshalb es nur aufmerksamen Mitbürgern und Telefonketten zu verdanken war, dass die ersten Flüchtlinge nicht im Regen stehen gelassen wurden. Zuerst ging es vor allem um die Einteilung in den vorhandenen Räumlichkeiten und die Grundausstattung. Doch schon bald zeigte sich eine besondere Schwierigkeit in der Gemeinde: Als Flächenkommune verfügt sie über keinen Supermarkt in der Nähe der Unterkünfte und öffentliche Verkehrsmittel sind rar gesät. „ Ein großes Problem”, sagt Gabriele Wolf. Gelöst werden konnte auch das wiederum nur durch Privatinitiative. Das ehrenamtliche Engagement so mancher Eurasburger und Beuerberger war und ist damit quasi zum Vollzeitjob geworden, Aufwandsentschädigungen aber gibt es nicht, nur den Dank der Flüchtlinge und der Mitbürger.

Begleitung, Deutsch- und Integrationskurse sind zentrale Aufgaben

Jetzt, ein Jahr später, wissen die mehr etwa 80 Freiwilligen des Asylhelferkreises, was es bedeutet, Flüchtlingen eine neue Heimat zu geben. Stolz blickt man auf das zurück, was man seither in Eurasburg geleistet hat und was man noch immer leistet, weil Bürger die Ärmel hochkrempelten, um die neue Situation in halbwegs geordnete Bahnen zu lenken. Allerdings müsse kontinuierlich daran gearbeitet werden, damit es so bleibe, erklären die Helferkreis-Mitglieder. Das gelinge nur mit Aktiven und einer Organisation und Struktur, die zeigt, wie professionell Ehrenamt sein kann. Die Hauptaufgaben der Helfer sind die Begleitung bei Behörden und Ärzten, auch, um bei der Verständigung zu helfen oder als Dolmetscher zu agieren. Die Vermittlung von Sprachkenntnissen in Deutsch- sowie in Integrationskursen sind ebenfalls zentrale Aufgaben. Dazu gibt es noch einzelne Mitglieder, die sich der  Koordination von Informationen und Kommunikation, innerhalb des Helferkreises und nach außen, oder weiteren speziellen Aufgaben widmen.

Hilfe bei der Bewältigung von alltäglichen Aufgaben

Ein Teil der Eurasburger Flüchtlinge haben inzwischen ihr Asylverfahren durchlaufen und manche auch eine Anerkennung erhalten. Dadurch ändert sich ihr Status, und inzwischen müssen sich die Helfer deshalb auch diesen Anforderungen widmen. Hilfe bei der Bewältigung von alltäglichen Aufgaben nennen sie das im Helferkreis, und dazu gehört, dass es Unterstützung bei der Suche nach einer Arbeitsstelle und einer Wohnung gibt. Denn sobald ein Asylbewerber die ersehnte Zusage bekommen hat, in Deutschland bleiben zu können, müsste er eigentlich aus der Notunterkunft ausziehen. „Wohnungen und Arbeit zu finden sind Themen, die uns jetzt im Moment stark beschäftigen“, sagt Rathmann. Das aber sei keine leichte Aufgabe, fügt Eberhard Wolf an, schließlich konkurrieren die anerkannten Flüchtlinge auf dem umkämpften Wohnungsmarkt in und um München mit den vielen anderen Menschen, die auf der Suche nach einer bezahlbaren Bleibe sind.

Gelungene Integration durch persönliche Kontakte

Folglich ergeben sich im Helferkreis immer wieder neue Themen und Felder, denen sich Helfer wie Flüchtlinge stellen müssen. Doch wichtig sei auch, die Akzeptanz in der Bürgerschaft und die Integration zu fördern. Das gelinge immer dann „wenn Flüchtlinge einen Namen bekommen“, wie Uwe Rathmann sagt, also der persönliche Kontakt gelinge.

All diese vielfältige, sich wandelnde, ehrenamtlich geleistete Arbeit, sie sei herausfordernd, anstrengend und zuweilen auch belastend, geben die Helfer unumwunden zu. Etwa, wenn sie sich auf einmal mit dem ganzen Schicksal der Flüchtlinge konfrontiert sehen. Gewalt, Flucht, Tod, „irgendwann bist du mittendrin“, sagen sie. Deshalb müsse sich immer wieder vor Augen geführt werden, dass jeder nur so viel gibt, wie er kann, und sich nichts anderem als der reinen Menschlichkeit verpflichtet.

Helfen kann jeder

Gerade, weil sie für die Flüchtlinge, für den Staat und letztlich für alle Bürger jeden Tag so viel geben, ist es mehr als nötig, ihre Motivation zu stärken. Das wäre zum Beispiel durch Mitarbeit möglich, oder durch Arbeitgeber, die sich bereit erklären würden, Flüchtlingen nicht nur Arbeit, sondern auch Deutschkurse anzubieten. Helfen kann den Helfern aber auch jedermann, etwa durch Sachspenden oder durch Geldspenden. Mit deren Hilfe können zum Beispiel Unterrichtsmaterialien und Bücher für den Deutschunterricht angeschafft werden. Wünschenswert wäre auch, Helfern bei Bedarf eine Fahrtkostenerstattung zu ermöglichen. Da der Helferkreis unter dem Dach des Rathauses firmiert, können Spendenquittungen ausgestellt werden. 

Weitere Informationen

http://asyl-helferkreis-eurasburg-beuerberg.de/geldspenden/


Foto: Asylhelferkreis Eurasburg-Beuerberg, Nov. 2016

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