Lehrer und Schlagerstar Cornelius von der Heyden

Künstlerporträt: Tölzer Musiker Cornelius von der Heyden

Ein Lehrer als Schlagerstar

Von Claudia Koestler

Bad Tölz, 6.4.2017 – Es gab Zeiten, da stürzte allein die Erwähnung „deutscher Schlager“ die Republik in einen Zwiespalt. Für die einen waren Moik und Co der Untergang des Abendlandes, für die anderen eine behagliche Unterhaltung. Inzwischen aber scheint solche Divergenz aufgebrochen, der Schlager endgültig angekommen: auf Partys aller Art, in den Räumen der Silberlocken genauso wie der Jugendlichen und manchmal sogar in Klassenzimmern. Zum Beispiel in Bad Tölz: Der 42-jährige Cornelius von der Heyden ist Musiker, vielseitiger Bühnenprofi und Star einer Szene, die man nur unzureichend mit „Schlager“ beschreiben kann. Einerseits. Andererseits: steht er nicht vor Publikum, steht er an der Tafel. Von der Heyden ist nämlich zugleich Lehrer für Deutsch, Geografie und Musik am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium. Erst kürzlich vereinte er – nicht zum ersten Mal – beide Welten: Er nahm am Finale des Internationalen Schlagerwettbewerbs Stauferkrone in Göppingen teil, zusammen mit Orazio Ragonesi und drei Schülerinnen. Die Gruppe belegte den vierten von 16 Plätzen.

Wie deutsches Liedgut bei dem Blondschopf mit der kecken Frisur klingt, lässt sich auf Youtube nachhören. Oder im Booklet seiner CD „Lichter am Horizont“ nachlesen: „Letzten Morgen, letzte Nacht/hab ich nur an dich gedacht/deine Augen war’n das Ziel/ voller Sehnsucht und Gefühl./ Diesen Morgen, diese Nacht/ bin im Traum ich aufgewacht/Deine Liebe ist das Ziel/voller Sehnsucht nach Gefühl.“ Oder: „Lass den Tränen freien Lauf/nimm dein Schicksal stolz in Kauf/denn irgendwie wird das Leben weitergeh’n/ denk an den Augenblick zurück/den der Himmel dir geschickt/ und du wirst deinen Stern dort leuchten seh’n.“

Berühren wolle er Menschen mit seiner Musik, betont der singende Lehrer. Und nein, mit Notendruck habe das nichts zu tun, dass die Schüler die Zweitkarriere ihres Lehrers cool finden, statt mit den Augen zu rollen, wie es zu vermuten wäre im ewigen Gerangel der Generationen. Auch Genrekämpfe sind passé, die Grenzen längst fließend. Heute gilt: jeder nach seinem Geschmack, und „anything goes“, wie schon Cole Porter textete.

 Das bestätigen Johanna Späth (16), Sabina Reiter (16) und Carina Demmel (17). Sie unterstützten den Oberstudienrat auf der Göppinger Bühne tänzerisch. Sie sehen diese – natürlich freiwillige und von den Eltern geförderte – Aufgabe an als eine „Herausforderung, die Spaß macht“. Und sind reflektiert: „Das ist jetzt vielleicht nicht unbedingt die Musik, die wir privat hören – außer, na ja, schon mal auf Partys und so. Aber sie ist voll okay und wir sehen unseren Part als Job.“ Die meisten ihrer Mitschüler fänden es „cool und witzig, dass wir da mitmachen“, sagen sie.

Dass von der Heyden an seiner Schule Nachwuchs für die Bühne rekrutiert, ist allerdings nicht Usus, sondern der Tatsache geschuldet, dass seine ursprünglichen Tänzerinnen ausfielen. Die drei sprangen ein und kreierten eine Choreografie. „Jung, frisch, modern und am Puls der Zeit“, diesen Eindruck vermittelten sie als Backgroundtänzerinnen zu von der Heydens Eigenkomposition „Zeitenwende“. Wohl überlegt bleibt das Miteinander: „Wir trennen Schule und Bühnenauftritt strikt, denn ich muss faire Noten geben, so wie allen anderen Schülern auch“, betont der Lehrer, auch wenn er nur eine der drei überhaupt unterrichtet – in Geografie.

„Cool“ ist also das Urteil der Schüler, im Kollegium jedoch muss von der Heyden gelegentlich mit Frotzeleien über seine Zweitkarriere leben: „Eine Kollegin sagt immer, Cornelius, wie kannst du nur“, erzählt er. Er habe ihr daraufhin ein Autogramm von Semino Rossi mitgebracht, „mit Herzchen“. Aber das habe das Ganze nur noch verstärkt. Dennoch betont von der Heyden: „Musik ist vielseitig und facettenreich, und – egal von welcher Seite man es angeht – immer spannend.“

Jeder Stil hat seine Berechtigung

Als Lehrer habe er die optimale Möglichkeit, den Spagat zwischen Beruf, den er durchaus als Berufung ansieht, und künstlerischer Freiheit zu schaffen. Alles kann, nichts muss: „Ich ziehe die Grenze, wo man sich als Künstler tatsächlich prostituieren muss. Das fängt im Bierzelt an, geht über Après Ski bis zur Betrunkenen-Bespaßung auf Mallorca. Hat alles seine Berechtigung, aber ich bin froh, dass ich es nicht machen muss.“ Stattdessen habe er die Freiheit, vieles auszuprobieren, von der Klassik über Swing und Jazz bis zum Schlager.

Das Handwerkszeug dazu hat er gelernt, allerdings noch ganz der E-Musik verhaftet: Von der Heyden ist gebürtiger Regensburger und wurde dort bei den Domspatzen aufgenommen. Zwischen 1982 und 1994 erhielt er unter Georg Ratzinger seine musikalische Ausbildung. Diese Zeit sei „unheimlich toll“ gewesen, sagt er, ganz Europa lernten die Burschen auf ihren Tourneen kennen. Ratzinger, Bruder von Papst Benedikt, werde heute nachgesagt, er habe Kinder verprügelt, weiß von der Heyden. Er selbst habe Derartiges nicht mitbekommen. Doch ein strenger Lehrmeister sei er gewesen, „einer, der eiserne Disziplin hatte, im Chorsaal tobte und mit Klavierdeckel schlug. Er konnte sich durchsetzen, aber entsprechend hervorragend war der Chor“.

Nach der Bundeswehr nahm von der Heyden das Studium der Germanistik und Geografie auf, finanzierte sich als Gesangscoach die akademische Laufbahn und kam über das Unterrichten zum Musical. „Was ich am klassischen Gesang vermisst habe, war die Körpersprache, die Seele ganz nach außen zu kehren. Im Musical ist man gleichzeitig Schauspieler und Performer, was der Musik noch mehr Ausdruck verleiht.“ Deshalb bewarb er sich Anfang der 2000er-Jahre selbst. Mit Erfolg: Er erhielt Rollen unter anderem in „Salzsaga“ und „Elisabeth“ und büffelte nebenher, oft noch in der Maske, für das Lehrerexamen. Sich zu entscheiden war für ihn keine Option: „Ich bin kein Hasardeur. Es ist immer dann schwierig, wenn man als Künstler, egal in welchem Fach, den Zwang hat, von der Kunst leben zu müssen. Denn dann muss man im Endeffekt alles annehmen, Hauptsache man kann die Miete bezahlen“, weiß er. Dieser Druck nehme viel von der Kreativität.

Roberto Blanco und Mary Roos

2002 kam er indes erstmals mit der Schlagerwelt in Berührung, als er mit Künstlern wie Roberto Blanco oder Mary Roos in Straubing auf der Bühne stand. 2006/2007, just, als er am Tölzer Gymnasium begann, ergab sich dann ein weiterer Schritt ins Populärmusikalische. Er erhielt als passionierter Bergführer die Anfrage, für eine Fernsehproduktion einen Bergwacht-Chor zusammenzustellen: Die Bergkameraden waren geboren. Die Formation erklomm tatsächlich schwindelnde Höh’n: Plattenvertrag bei Koch-Universal, Vize-Sieger des Grand Prix der Volksmusik, zahlreiche Auftritte und jede Menge Zuspruch. „Ganz großes Kino. Verrückt. Unglaublich spannend. Eine komplett andere Welt“, staunt er noch heute. Zwar musikalisch eher die Welt der Eltern, der Großeltern. „Aber ich betrachte das so: Generationsübergreifend werden an Weihnachten die Sissi-Filme angeschaut. Oder die ganze Familie geht in ein Heidi-Musical. So ist es mit dem Musikantenstadl auch: eine Mischung aus heiler Welt, Tradition und Unterhaltungsshow.“ Und mit spannenden Strukturen hinter den Kulissen, die er studieren konnte, während er das Who is who der Branche traf. Er habe sich deshalb nie die Frage gestellt, ob er sich oder seine musikalischen Wurzeln verleugne. „Es war eine Facette in einem breiten musikalischen Schaffen. Etwas Neues. Das hat unheimlichen Zuspruch gefunden. Und das muss man mal erlebt haben.“

Hier schließt sich ein Bogen zur jungen Generation, zu den Tölzer Schülerinnen. Denn die drei sehen das genauso, als sie nun mit zum Wettbewerb reisten: „Mal sehen, wen wir alles treffen werden“, vor allem auf Begegnungen mit Künstlern freuten sie sich. „Was sollte noch kommen?“, hat sich allerdings von der Heyden nach der „Bergkameraden“-Zeit gefragt. Etwas Neues: In all den Jahren habe es ihn stets gereizt, selbst Lieder zu schreiben. „Eigenes auf CD zu bringen war immer mein großer Traum.“ Der erfüllte sich, als er Orazio Ragonesi wieder traf: Softwareentwickler in der Automobilindustrie, aber auch Musiker und Produzent. „Lichter am Horizont“ entstand, mit Liedern „aus dem Bereich Schlager, Liedermacher, Singer-Songwriter, Pop, aber auch Jazz“. Für den Wettbewerb um die Stauferkrone haben die beiden erneut zusammengearbeitet. Auch wenn die Tölzer mit ihrem Lied „Zeitenwende“ in Göppingen das Treppchen knapp verfehlten: Allein durch die Teilnahme und neuerliche Erfahrungen „haben wir alle schon gewonnen“, meint von der Heyden. 

Fotos: Claudia Koestler


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