
Bayerisches Fernsehen: „Die Kinder vom Lager Föhrenwald“
Sa, 26.1.13, 18–18.45 Uhr: Fernsehbericht von Dr. Sybille Krafft in der Sendereihe „Zwischen Spessart und Karwendel“
„Die Kinder vom Lager Föhrenwald“
Es ist ein wenig bekanntes Kapitel der Geschichte: Die Lager der Displaced-Persons. In Föhrenwald bei Wolfratshausen fanden viele Waisenkinder Zuflucht. Eine Ausstellung erinnert an bewegende Momente im Nachkriegsdeutschland.
Bei Wolfratshausen entsteht nach dem Zweiten Weltkrieg das größte und am längsten bestehende Lager für jüdische Displaced Persons in ganz Deutschland. Heimatlos gewordene Juden aus Polen, Litauen, Russland, Rumänien und Ungarn warten hier auf ihre Ausreise nach Palästina/Israel oder hoffen, in einem anderen Land ein neues Leben beginnen zu können. Sie bezeichnen sich selbst als „She’erit Hapletah“, was soviel bedeutet wie „Rest der Geretten“.
Das DP-Lager Föhrenwald ist das letzte „Schtetl“ in Europa. Hier entwickelt sich mit Unterstützung der UNO und in Kooperation mit amerikanisch-jüdischen Hilfsorganisationen eine autonome Gemeinschaft mit einer vielschichtigen Infrastruktur. Weitgehend abgeschirmt von der Außenwelt wohnen zeitweise bis zu 6000 Menschen in dieser Enklave jüdischen Lebens. 1955 kauft das Katholische Siedlungswerk die Liegenschaft Föhrenwald. Zwei Jahre später wird das DP-Lager geschlossen, das ab 1939 als nationalsozialistische Siedlung für Rüstungsarbeiter der nahe gelegenen Munitionsfabriken gebaut worden war. In die Häuser ziehen nun meist katholische, kinderreiche Heimatvertriebene ein. Föhrenwald wird in Waldram umbenannt und ist bis heute ein Ortsteil von Wolfratshausen.
Eine große Anzahl von Kindern und Jugendlichen kommt ohne Eltern nach Föhrenwald. Sie finden im eigens errichteten Waisenhaus Zuflucht. Es werden in Föhrenwald aber auch viele Kinder zur Welt gebracht. In den DP-Lagern wird weltweit die höchste Geburtenrate aller jüdischen Gemeinden verzeichnet. Für die Überlebenden der Schoah bedeuten Kinder in einem ganz besonderen Maße Hoffnung und Zukunft. Doch die Schatten der Vergangenheit sind lang. Einige DPs waren zuvor in Konzentrationslagern, viele leiden unter den Folgen von Flucht, Vertreibung und Verfolgung. Alle müssen den Verlust geliebter Menschen verkraften. Von diesen Schicksalen bekommen die Kinder nur wenig mit. Sie sollen möglichst angstfrei und unbeschwert aufwachsen.
Der Alltag gestaltet sich im Rythmus der jüdischen Feiertage. In den Schulen wird umfangreiches Wissen vermittelt. Auch die religiöse Bildung kommt nicht zu kurz. Neben den Synagogen gibt es religiöse Lehrstätten für Jungen und Mädchen. Erst später, nach dem Verlassen des Lagers, wird vielen Kindern und Jugendlichen bewusst, dass sie das Jiddische als Muttersprache mitbekommen haben – ein Erbe der osteuropäischen Heimat.
Bayerisches Fernsehen: <link http: www.br.de fernsehen bayerisches-fernsehen sendungen zwischen-spessart-und-karwendel badehaus-waldram-100.html external-link-new-window>www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/zwischen-spessart-und-karwendel/badehaus-waldram-100.html
Ausstellung zum Thema – Weitere Informationen
Die Ausstellung „Die Kinder vom Lager Föhrenwald“ ist bis 10. Februar 2013 verlängert.
Ausstellungsort
Fachberatung Heimatpflege im Maierhof des Klosters Benediktbeuern, Michael-Ötschmann-Weg 4.
Öffnungszeiten
Di und Do von 13-17 Uhr und So von 11-16 Uhr
Badehaus Waldram <link http: www.badehauswaldram.de external-link-new-window>www.badehauswaldram.de
© Die Kinder vom Lager Föhrenwald, Eine historische Fotodokumentation Kirsten Jörgensen und Dr. Sybille Krafft
Datum und Uhrzeit
Die Angaben zu dieser Veranstaltung wurden vom Veranstalter bereitgestellt. Für deren Richtigkeit und Aktualität ist der Veranstalter verantwortlich.



