Das Magazin für das Bayerische Oberland
07.07.2012
22:00Uhr

Zwei Sonderausstellungen im Buchheim Museum Bernried

Karl Schmidt-Rottluff – Die Holzstöcke – Werke aus dem Brücke-Museum Berlin

Unbekannte Schätze aus der Buchheim'schen Expressionistensammlung

Sonderausstellung 8.7.-7.10.2012

Das Buchheim Museum präsentiert in seinem diesjährigen Ausstellungsprogramm wahre Neuentdeckungen. Dr. Clelia Segieth, Leiterin des Buchheim Museums, hat die Ausstellung kuratiert und die besonderen Werkgruppen und Einzelstücke aus der Buchheim'schen Sammlung informativ und spannend nach Themenbereichen gegliedert. Zudem sind erstmals Leihgaben aus anderen Sammlungen zu sehen. Die gleichzeitige Ausstellung „Karl Schmidt-Rottluff – Die Holzstöcke“ zeigt 30 ausgewählte Holzstöcke und Holzschnitte aus dem Brücke-Museum Berlin.

Karl Schmidt-Rottluff – Die Holzstöcke
Werke aus dem Brücke-Museum Berlin

„Karl Schmidt-Rottluff hat nicht nur ein bedeutendes malerisches Werk hinterlassen“, so Magdalena M. Moeller, „sondern er ist auch einer der herausragenden Druckgraphiker des Expressionismus. Insbesondere sein Holzschnittschaffen liefert einen ganz entscheidenden Beitrag zur Graphik der Moderne am Beginn des 20. Jahrhunderts“. 1975 übereignete Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976) dem Brücke-Museum über 200 Holzstöcke als Geschenk, welches seitdem über einen einzigartigen Schatz verfügt. Kürzlich wurden diese Holzstöcke, von denen der Künstler per Hand nur einige wenige Holzschnitte abzog, restauriert und erstmals in einer Ausstellung im Brücke-Museum präsentiert. 30 dieser wertvollen Holzstöcke sind nun im Buchheim Museum zu sehen.

Die ausgewählten Holzstöcke aus dem Brücke-Museum und die dazugehörigen Holzschnitte, also die Abzüge vom Druckstock auf Papier, stammen aus dem Zeitraum von 1905 bis 1920. Damit kann Schmidt-Rottluffs künstlerische Entwicklung und seine unterschiedliche Handhabung der Holzschnitttechnik während der Jahre, in denen er Mitglied der Künstlergruppe „Brücke“ (1905–1913) war, bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, in nuce verfolgt werden: Frühe Arbeiten, wie der unter dem Eindruck von Jugendstil und Japonismus stehende Holzschnitt „Bäume im Winter“ sowie „Liegender Akt“ (1906) repräsentieren eine Phase des Experimentierens, in der Schmidt-Rottluff die Ausdrucksmöglichkeiten der Holzschnitttechnik erprobte, aber bereits erkannte, dass er im Holzschnitt „das seiner Persönlichkeit und Formauffassung entsprechende Ausdrucksmittel gefunden“ (Magdalene Schlösser) hatte. Doch erst 1910, nachdem er 1909 mit ungestümen, kurzen und schnellen Schnitten das Holz bearbeitete, beruhigt sich seine Bildsprache. In Arbeiten wie „Haus hinter Bäumen“ (1911) und „Abendunterhaltung“ (1911) hat er die kleinteilige Arbeitsweise überwunden, konzentriert sich auf großflächige Wirkungen und lässt die Ästhetik des Holzes sprechen. Der Farbholzschnitt „Die Bucht“ (1913), der auf einen Aufenthalt in Nidden an der Kurischen Nehrung (Ostpreußen) zurückgeht, dokumentiert Schmidt-Rottluffs Auseinandersetzung mit Kubismus und Futurismus.

Die Auswahl präsentiert viele bekannte Blätter, zum Teil auch aus der Sammlung des Buchheim Museums, die nun mit den Holzstöcken – vereinzelt wirken sie wie Flachreliefs – verglichen werden können.

Im Hinblick auf herausragende Gemälde des Buchheim Museums, insbesondere Karl Schmidt-Rottluffs „Norwegische Landschaft“ (1911) und „Nehrungslandschaft“ (1913), die im großen Expressionistensaal zu sehen sind, sei auf die Bedeutung des Holzschnittes im Kontext des gesamten Schaffens hingewiesen: „Die Druckgraphik, insbesondere der Holzschnitt,“ so Christiane Remm im Katalog, „erfüllt bei Schmidt-Rottluff, wie bei den anderen Brücke-Künstlern auch, verschiedene Funktionen. Sie sind sowohl eigenständige Kunstwerke, können aber im Arbeitsverlauf vorbereitende und abschließende Bedeutung haben. Das druckgraphische Schaffen, der Vorgang des Schneidens und die vollendete Formulierung eines Motivs im Druck stehen in wechselvollen Beziehungen zu anderen Bildmedien, beispielsweise der Zeichnung, dem Aquarell und dem Gemälde. (…) Mit ihrer relativ radikalen material- und technikbedingten Spröde, Reduzierung und prägnanten Struktur erreichen die Holzschnitte direkter und nachhaltiger die letzte Stufe der bildlichen Ausformung und konnten so für Bildlösungen in der Malerei vorbildlich sein.“

Unbekannte Schätze aus der Buchheim'schen Expressionistensammlung

Dass in der Sammlung Buchheim immer wieder Neues entdeckt werden kann, das belegt diese Ausstellung mit drei Gemälden und einer Gruppe von Skizzen von Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) aufs Beste.

Die Gemälde von Erich Heckel (1833-1970), Kirchner und Max Pechstein (1881-1955) befinden sich alle auf den Rückseiten von Bildern, die in den Sammlungen hängen. Dass sich auf mancher Verso-Seite herausragende Gemälde verbergen, das beweist nicht nur der „Schlafender Pechstein“, den Buchheim, zu großen Teilen übermalt, auf einer Rückseite entdeckte, sondern nun auch Erich Heckels Gemälde „Akte im Zimmer“ (1909/1910), die Rückseite von Heckels „Am Waldteich“ (1911), die nun erstmals zugänglich ist und betrachtet werden kann. Die in leuchtenden Farben gemalte Komposition steht noch unter dem Eindruck von Heckels Italienreise im Frühjahr 1909, die seine Palette merklich aufhellte.
Ebenso eindrucksvoll ist eine zweite Entdeckung: ein Konvolut von Skizzen von Ernst Ludwig Kirchner, die Buchheim über Jahrzehnte in seinem Schreibtisch barg. Nur wenige „Eingeweihte“ wussten von der Existenz der kleinformatigen Blätter, die verschiedenen Skizzenbüchern von Kirchner entnommen wurden und aus dem Nachlass der Weberin Lise Gujer stammen, die nach Kirchners Entwürfen Bildteppiche fertigte.

Überraschend dabei ist, dass die Skizzen in wesentlichen Zügen Kirchners künstlerische Entwicklung von 1909 bis Mitte der 1930er Jahre dokumentieren und zentrale Themen und Motive seines Schaffens aufgreifen. Nur Kirchners Aufenthalte in Fehmarn sind nicht repräsentiert. Dafür springt ergänzend das Gemälde „Vier Badende“ (1913), die Rückseite von „Stilleben mit Maske“ ein, das vom Badeleben auf der Ostseeinsel inspiriert ist. Kirchner bezeichnete seine raschen Notationen, die er rastlos und überall, intuitiv zu Papier brachte, als Schlüssel zu seinem Schaffen. Insgesamt sind 11.000 Skizzen von ihm bekannt.

Die größte Entdeckung in diesem Konvolut sind Skizzen aus der Berliner Zeit, die in Zusammenhang mit den berühmten Berliner Straßenszenen stehen, dem Höhepunkt von Kirchners Oeuvre. Recherchen ergaben überdies, dass einige der Skizzen Vorarbeiten für Holzschnitte, Gemälde oder Bildteppiche sind. Ein Motiv taucht auf einer Künstlerpostkarte des Altonaer Museums in Hamburg auf, die Kirchner aus Berlin zu Erich Heckel nach Dresden schickte.

Datum und Uhrzeit

Samstag, 07.07.201222:00Uhr

Veranstaltungsort

Am Hirschgarten 1
82347 Bernried

Die Angaben zu dieser Veranstaltung wurden vom Veranstalter bereitgestellt. Für deren Richtigkeit und Aktualität ist der Veranstalter verantwortlich.