Das Magazin für das Bayerische Oberland
Mo050
05. Oct 2026

Beuerberger Glocken läuten wieder

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen

Von Peter Herrmann

Beuerberg, 2. Oktober 2026 – Mit der Weihe von vier neuen Glocken für die Stiftskirche St. Peter und Paul endete eine über dreijährige Wartezeit. Den Festgottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx und die anschließende Zeremonie verfolgten über 2.000 Gläubige.

Alte Stahlglocken waren zu schwer

2023 fiel Mesner Franz Zimma ein ungewöhnlicher Klang der Glocken auf. Ursache waren zwei gebrochene Schrauben in der Halterung. Da die Gefahr bestand, dass die größte, fast fünf Tonnen schwere Glocke abstürzen könnte, musste das Geläut verstummen.

Vor einem Jahr wurden die drei weiteren Stahlglocken mit einem Kran aus dem Turm gehoben. Sie waren 1949 eingesetzt worden, nachdem die Nationalsozialisten die ursprünglichen Bronzeglocken hatten entfernen lassen.

In diesem Sommer besuchte Pfarrer Bernhard Häglsperger gemeinsam mit Kirchenpflegern und Pfarrgemeinderäten die Glockengießerei Rudolf Perner in Passau und besichtigte die vier neuen Bronzeglocken. Mit einem Gesamtgewicht von 5,1 Tonnen sind sie deutlich leichter als ihre Vorgänger. Die alten Stahlglocken hatten zusammen fast zehn Tonnen gewogen und waren für das Turmmauerwerk zu schwer.

Am Vorabend der Weihe wurden die neuen Glocken mit Pferdefuhrwerken in einem Festzug zum Platz vor der Kirche gebracht.

Glocken sollen einladen und mahnen

„Beuerberg ist ein Ort, der alle Menschen willkommen heißt“, erklärte Kardinal Reinhard Marx zu Beginn seiner Predigt. Wegen des großen Andrangs und der vollbesetzten Stiftskirche wurde der Gottesdienst über Lautsprecher auch in den Hof vor der Kirche übertragen.

Die neuen Glocken hätten zwei wesentliche Funktionen: „Sie sollen einladen und mahnen“, betonte Marx. Das Christentum sei keine Gemeinschaft, die Hass und Abgrenzung propagiere, sondern setze sich für Vielfalt ein. Pfarrer Bernhard Häglsperger bezeichnete die Glockenweihe als „letzten Mosaikstein“.

Fehlende Haushaltsmittel verzögerten die Erneuerung

Vor der eigentlichen Weihe entschuldigte sich Alexander Piehl, stellvertretender Sachgebietsleiter bei der Regierung von Oberbayern und verantwortlich für Hochbauprojekte, für die schleppende Umsetzung der Glockenerneuerung. „Die fehlenden Haushaltsmittel haben das Projekt verzögert“, bedauerte er.

Der Freistaat Bayern übernahm als Eigentümer der Kirche einen Großteil der Kosten von insgesamt 815.000 Euro.

Glockengießer Rudolf Perner und der Eurasburger Bürgermeister Moritz Sappl würdigten den nicht immer risikofreien Einsatz der Dorfgemeinschaft. „Das ist etwas, was die Menschen verbindet und zusammenbringt“, hob Sappl hervor.

Im Anschluss an den Festgottesdienst nahm Kardinal Marx die Glockenweihe vor. Dazu gehörten ein Segensgebet, das Besprengen jeder Glocke mit Weihwasser, die Beräucherung mit Weihrauch und die Salbung mit Chrisam aus allen vier Himmelsrichtungen. Abschließend schlug er jede Glocke mit einem Schlägel an.

Die Gebirgsschützenkompanie Beuerberg-Herrnhausen begleitete die Weihe und das anschließende Fest musikalisch. Auch die „Beuerberger Singglocken“, ein 2013 gegründeter Kinder- und Jugendchor, sangen bei den Feierlichkeiten.

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