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Constanze Janusch: Couture ist ihre Leidenschaft

Oberland im Gespräch – das Podcast-Porträt

Eurasburg, 30.07.2026 – red. – Die Modedesignerin Constanze Janusch spricht im Podcast-Porträt über ihr Handwerk, prägende Erfahrungen in Paris und Italien, ein Praktikum bei Karl Lagerfeld und darüber, warum gute Kleidung für sie wie eine zweite Haut ist.

Viele Jahre führte sie ihr Atelier in Eurasburg und präsentierte dort ihre Kollektionen bei eigenen Modenschauen. Inzwischen lebt und arbeitet die Couturière wieder am Bodensee. Im Podcast „Wachs und Gäste“ blickt sie auf mehr als drei Jahrzehnte in der Modebranche zurück.


Oberland persönlich – Constanze Janusch im Gespräch

Eine Folge des Podcasts „Wachs und Gäste“ von Cosima Wachs.

Dauer: 50:35 Minuten.


Das Handwerk von der Pike auf gelernt

Der berufliche Weg von Constanze Janusch begann in Düsseldorf, das in den 1980er-Jahren als bedeutendes deutsches Modezentrum galt. Nach dem Abitur wollte sie keinen rein theoretischen Beruf ergreifen, sondern etwas Praktisches machen. Eine Modenschau auf der damaligen Modemesse Igedo gab schließlich den Ausschlag.

Ihre Ausbildung absolvierte sie bei dem Düsseldorfer Couturier Hanns Friedrichs. Dort lernte sie nicht nur das Schneiderhandwerk, sondern entwickelte auch ihr Gespür für besondere Stoffe, Formen und handwerkliche Qualität.

Anschließend absolvierte sie ein dreijähriges Studium am Schloss Eller in Düsseldorf und legte die Meisterprüfung als Damenschneidermeisterin ab. Damit hatte sie nach eigener Einschätzung alles erreicht, was damals an Ausbildung in ihrem Beruf möglich war.

Ein Praktikum bei Karl Lagerfeld

Während ihrer Ausbildungszeit nutzte Constanze Janusch die Semesterferien für Praktika. Stationen waren unter anderem Ella Singh in Frankfurt, Laurèl in München und schließlich das Atelier von Karl Lagerfeld in Paris.

Für den Praktikumsplatz war sie ohne vorherige Einladung nach Paris gefahren und hatte dort mehrere große Modehäuser persönlich aufgesucht. Sie erhielt sowohl von Dior als auch vom Atelier Karl Lagerfeld eine Zusage und entschied sich für Lagerfeld.

Im Podcast erzählt sie, wie sie zunächst hauptsächlich zuschauen durfte. Als neue Bernina-Nähmaschinen geliefert wurden, konnte sie den Mitarbeiterinnen deren Bedienung erklären. Danach durfte sie auch im Hauptatelier mitarbeiten. Eine besonders eindrückliche Erinnerung ist für sie bis heute eine Anprobe mit Karl Lagerfeld, die sie aus kurzer Entfernung beobachten durfte.

Frankreich, Italien und die eigene Handschrift

Paris und Italien beeinflussten ihre Arbeit auf unterschiedliche Weise. In Frankreich faszinierte sie besonders die Schnittführung. Während Schnitte in Deutschland klassisch konstruiert wurden, entstanden sie in den französischen Ateliers häufig unmittelbar an der Schneiderbüste. Dadurch entstünden nach ihrer Wahrnehmung besonders körperumschmeichelnde und feminine Formen.

Prägend war für sie die Haltung eines italienischen Kollegen, ein weiches oder fließendes Material nicht durch einen festen Unterbau in eine andere Form zu zwingen. Stattdessen werde der Stoff entsprechend seinem natürlichen Fall und seiner Beschaffenheit ausgewählt und verarbeitet.

Diese Erfahrungen fließen bis heute in ihre Kollektionen ein. Außergewöhnliche Stoffe, Leder, individuelle Schnitte und eine hochwertige Verarbeitung gehören zu ihrer gestalterischen Handschrift.

Kleidung als zweite Haut

Constanze Janusch versteht Kleidung nicht als bloße äußere Hülle. Für sie soll ein Kleidungsstück zur Persönlichkeit des Menschen passen und ein Gefühl von Sicherheit und Wohlbefinden vermitteln.

 

„Mode, Kleidung, das ist nicht das Wichtigste, aber es ist so viel wichtiger, als wir denken.“ Constanze Janusch

Sie verweist dabei auf einen Gedanken Karl Lagerfelds: Gute Kleidung sei dann gelungen, wenn der Mensch wahrgenommen werde und nicht zuerst das Kleidungsstück. Entscheidend sei deshalb, dass sich die Trägerin in ihrer „zweiten Haut“ wohlfühle. Das beeinflusse Haltung, Bewegung und Auftreten.

Ihre Kollektionen und Präsentationen sollen die unterschiedlichen Möglichkeiten sichtbar und erlebbar machen. Kragen, Taschen, Ärmel und Materialien müssten gesehen, angefasst und ausprobiert werden. Erst dadurch werde erkennbar, welche Form zu einem Menschen und seinem individuellen Stil passe.

Viele Jahre in Eurasburg

Nach verschiedenen Stationen in München verlegte Constanze Janusch ihr Atelier nach Eurasburg. Dort arbeitete sie viele Jahre und präsentierte ihre Kollektionen bei eigenen Modenschauen.

Nach den Jahren in München und Eurasburg kehrte Constanze Janusch schließlich an den Bodensee zurück. Ihre Grundhaltung habe sich durch die unterschiedlichen Arbeitsorte jedoch nicht wesentlich verändert: Entscheidend geblieben seien für sie hochwertige Materialien, eine geschmackvolle Zusammenstellung und Kleidung, in der sich ein Mensch wohlfühlen könne.

Freude an Veränderung

Zum Abschluss des Gesprächs richtet Constanze Janusch einen persönlichen Gedanken an Frauen jeden Alters: Sie sollten Freude an Kleidung haben, sich nicht zu sehr einbremsen und offen für Veränderungen bleiben.

Menschen veränderten sich nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Deshalb dürfe sich auch die Kleidung weiterentwickeln. Ihr Wunsch sei es, ihren Beruf noch möglichst lange ausüben zu können – solange sie ihre Schere gerade halten könne.

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