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Zukunft der Almen im Isarwinkel

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen

Lenggries, 28. Juli 2026 – red. – Wie können die Almen im Isarwinkel langfristig als Lebensraum, Wirtschaftsgrundlage und Erholungsraum erhalten werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich rund 30 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Tourismus, Naturschutz, Wissenschaft und Landwirtschaft bei einem zweitägigen Alm-Lehrgang in der Gemeinde Lenggries.

Die Internationale Alpenschutzkommission Deutschland, kurz CIPRA Deutschland, veranstaltete den Lehrgang am 19. und 20. Juni gemeinsam mit der Gebietsbetreuung Alpenraum des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen. Die Fortbildung führte die Teilnehmenden auf die Schronbach-, Stie- und Strasser Alm im Isarwinkel.

Ziel des Lehrgangs war es, praxisnahes Wissen über die ökologische, landwirtschaftliche und touristische Bedeutung der Almen zu vermitteln. Im Mittelpunkt standen die Almen als Kulturlandschaft und als Hotspots der Biodiversität, ihre nachhaltige Bewirtschaftung sowie die Auswirkungen des Klimawandels und der zunehmenden Freizeitnutzung.

Zugleich erhielten die Teilnehmenden Anregungen, wie Besucherinnen und Besucher für einen respektvollen Umgang mit der Natur sensibilisiert werden können.

Artenvielfalt braucht Bewirtschaftung

Während der Exkursionen wurde deutlich, dass Almen weit mehr als beliebte Ausflugsziele sind. Ihre über Jahrhunderte entstandenen und artenreichen Offenlandflächen können nur durch eine angepasste Bewirtschaftung erhalten werden.

Zugleich sichern die Almflächen die Futtergrundlage für die Landwirtschaft, bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum und prägen das Landschaftsbild des Alpenraums.

Auf der Schronbach Alm stellten Sebastian und Uschi Bauer gemeinsam mit Hirte Tom Lorscheter ihr Beweidungskonzept mit einem ausgeklügelten Koppelungssystem vor. Der Biologe Albert Lang erläuterte die Vielfalt der Biotoptypen und verdeutlichte die enge Vernetzung der Arten innerhalb des Ökosystems.

Almfachberaterin Susanne Krapfl informierte über die Almwirtschaft im Landkreis sowie über Fördermöglichkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen. Brigitte Meier stellte den Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern vor und ging auf die Herausforderungen ein, die der Strukturwandel und die Klimaveränderungen für die Almbetriebe mit sich bringen.

Tourismus und Besucherlenkung

Am Abend standen Tourismus und Besucherlenkung im Mittelpunkt. Landrat Ludwig Schmid eröffnete die Vortragsreihe. Dr. Andreas Wüstefeld erläuterte die Bedeutung des Tourismus für die Region und stellte die Kampagne „Naturschutz beginnt mit dir“ vor.

Antonia Asenstorfer ging auf die Rolle der Brauneck-Bergbahn als wichtiger Partner für den Tourismus im Isarwinkel ein. Christine Busch informierte über die Arbeit von CIPRA Deutschland für den Schutz der Alpen und deren nachhaltige Entwicklung.

Weniger Betriebe und zunehmender Nutzungsdruck

Der zweite Lehrgangstag führte in das Tourismusgebiet am Brauneck. Auf der Strasser Alm machten Hans Müller und Georg Mair, langjähriger Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, deutlich, welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Almwirtschaft notwendig sind.

Dazu gehören umfassendes Fachwissen, eine durchdachte Weideführung sowie robuste und trittsichere Tiere. Der Rückgang kleiner landwirtschaftlicher Betriebe erschwert den Almauftrieb zunehmend, weil geeignetes Weidevieh fehlt.

Gleichzeitig wachsen die Anforderungen durch Tourismus, Forstwirtschaft und Freizeitaktivitäten wie Wandern, Mountainbiken und Gleitschirmfliegen. Diese unterschiedlichen Nutzungen müssen auf engem Raum mit der Almwirtschaft in Einklang gebracht werden.

Weitere fachliche Beiträge lieferten Prof. Jörg Ewald und Bernd Panassiti. Margret Hütt erläuterte außerdem die landschaftlichen und geologischen Besonderheiten des Isarwinkels.

Zusammenspiel unterschiedlicher Interessen

Das Fazit des Lehrgangs: Die artenreichen Almlandschaften können nur im Zusammenspiel von Landwirtschaft, Naturschutz, Tourismus und einer naturverträglichen Erholungsnutzung erhalten werden.

Nachhaltige Bewirtschaftung, gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme sind entscheidende Voraussetzungen dafür, dass die Almen ihre vielfältigen Funktionen auch künftig erfüllen können.

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