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Bronze für ein einzigartiges Kleinod: Mit einem Festwochenende zum 100-jährigen Bestehen des Tölzer Kurhauses feiern Hunderte Bürger Kunst und Kultur in der Kurstadt und die Würdigung eines berühmten Baumeisters.

Enthüllung der Gabriel-von-Seidl-Büste

Von Claudia Koestler

Bad Tölz, 5.8.2014 - Von nun an hat er seine vielleicht schönste Schöpfung stets fest im Blick: Mit einem bunten Programm, großem Zuspruch durch die Bürger und der Enthüllung der Gabriel-von-Seidl-Büste aus Bronze feierte am Wochenende die Stadt Bad Tölz das 100-jährige Bestehen des Tölzer Kurhauses.

Geschaffen hat die Bronze-Plastik die Reicherbeurer Bildhauerin Birgit Niedernhuber, die darin Wesen und Charakter des berühmten Baumeisters einfing. Im Rahmen der Feierlichkeiten hat nun aber auch der Kurpark offiziell einen neuen Namen: Er heißt ab sofort Gabriel-von-Seidl-Kurpark, benannt nach dem Münchner Architekten, der das Gesicht der Stadt nachhaltig geprägt hat.

Bereits im Juni war das große Jubiläum mit einem „Kocherlball" begangen worden, nun wurde noch einmal nachgelegt und zwei Tage lang viel geboten in und um das Kurhaus: Jazz, Rock, Reggae und Swing erfüllten den Kurpark am Samstag mit Gruppen wie „Session 4 four“, „Da Rocka & da Waitler“, „Down & Out“, „Kandlerbuam“, „Roland Hefter“ oder „Big Bad Wolf“. Die zahlreichen Gäste an diesem Tag ließen sich auch durch die Gewitterfront nicht die gute Laune verderben.

Münchner Architekt Gabriel von Seidl im Fokus

Zum Höhepunkt wurde der Festsonntag. Vor mehr als 150 Gästen feierten der katholische Stadtpfarrer Peter Demmelmair zusammen mit seiner evangelischen Kollegin Kathrin Wild zunächst einen ökumenischen Gottesdienst. „Wenn wir heute gemeinsam dieses Fest feiern, steht der Münchner Architekt Gabriel von Seidl im Fokus", sagte Bürgermeister Josef Janker, der anschließend vor den immer mehr dazu strömenden Bürgern eine Ansprache hielt und auf das Wirken von Seidls einging.

Das Wasser war von Anfang an elementar für Tölz

Am 14. Juni 1914 war das Kurhaus einst eröffnet worden. Auch im Foyer des Kurhauses zeigte eine Ausstellung den Werdegang und die Geschichte des Hauses. Das Wasser war von Anfang an elementar für Tölz, erst mit dem Handel über der Isar, dann die jodhaltigen Quellen, die der Knecht Kaspar Riesch 1845 am Sauersberg entdeckt haben soll. Der Badebetrieb begann 1848, anfangs noch mit bescheidenen Anfängen und nur 23 Kurgästen im Jahre 1856. Doch die Gästezahl stieg stetig, die Jodquellen-AG wurde gegründet und Mitte der 1870er Jahre überstieg die Zahl der Gäste bereits die Tausendermarker. 1899 gestand Prinzregent Luitpold dem Markt Tölz den Titel „Bad" zu. Doch man vermisste etwas, das allen aufstrebenden Kurorten dieser Zeit unverzichtbar war: Ein zentrales Kurhaus für das kulturelle Leben, was Gästen den Aufenthalt bei schlechtem Wetter verschönern sollte.

Um 1900 kamen die Planungen für ein Kurhaus in Gang, auch auf Druck des Badearztes und Hofrates Dr. Max Höfler. Er scheint es auch gewesen zu sein, der bei den Planungen seinen Freund, den Münchner Stadtarchitekten Gabriel von Seidl, ins Spiel gebracht hatte. Schließlich kam dieser seit 1890 regelmäßig nach Tölz und Ende des 19. Jahrhunderts tauchte sein Name in immer mehr Bauprojekten in Tölz auf. Doch der Bau des Kurhauses gestaltete sich nicht ganz einfach. Dauerproblem war die Finanzierung des Baus. 1912 einigte man sich  auf Baukosten von 250000 Mark, im Februar 1913 legte Seidl, bereits schwer erkrankt, seine Pläne vor. Zwei Monate später starb er, die Bauleitung übernahm sein langjähriger Mitarbeiter Wilhelm Röder. Auch sein Bruder Emanuel von Seidl erklärte sich bereit, das letzte Projekt Gabriel von Seidls zu realisieren.

Bürgermeister Josef Janker und die Künstlerin Birgit Niedernhuber enthüllten das Kunstwerk

Bis heute bestätigten laut Janker „Künstler und Veranstalter stets die besondere Atmosphäre, die von diesem schönsten Haus im Oberland ausgeht". Jankers Fazit deshalb: „Wir haben hier ein Kleinod in den Händen, das es zu erhalten gilt“. Und Anlass, nicht nur dem damaligen Stadtrat seinen Respekt für dessen Weitsicht auszudrücken, sondern nun eine „öffentlich sichtbare Würdigung zu verleihen“. Zusammen mit der Künstlerin Birgit Niedernhuber enthüllte Janker schließlich unter den Klängen des „Tölzer Schützenmarsches“ das Kunstwerk, das nun mittig im neu getauften „Gabriel-von-Seidl-Kurpark“ steht, das schmucke Kurhaus stets fest im Blick.