Meisterkurse auf Schloss Weidenkam vom 15. bis 29.8.2015 in Holzhausen
Viel Beifall für junge Klaviervirtuosen
Von Peter Herrmann
Münsing, 31.8.2015 – Unter der Leitung von Professor Hans-Jürg Strub arbeiteten in den vergangenen zwei Wochen rund 20 Pianistinnen und Pianisten an ihrem Repertoire, das sie für den Meisterkurs vorbereitet haben. Die besten Teilnehmer durften ihr Können nun am frühen Samstagabend beim Schlusskonzert im nahezu vollbesetzten Festsaal des Weidenkamer Schlosses unter Beweis stellen.
Kreative Interpretationen von anspruchsvollen Klassik-Werken
„Wir haben versucht, den Notentext nicht zu lesen und damit ein Bewusstsein für die Intention des Meisters zu schaffen“, schickte Professor Hans-Jürg Strub in seinem kurzen Grußwort voraus. Und die jungen Musiker sollten den hohen Erwartungen des fachkundigen Publikums von Anfang an gerecht werden: Herausragend, wie der gerade einmal 14-jährige Georgier Sandro Nebieridze zusammen mit dem 15-jährigen Schweizer Nicolàs Vidoni-Flashaar die nicht einfach zu spielende Violinsonate D-Dur op. 12 Nr. 1 von Ludwig van Beethoven interpretierten.
Nach der Vollendung des Allegros spendeten die Besucher tosenden Applaus. Und davon können Nachwuchstalente offensichtlich nie genug bekommen: Nachdem der Georgier weitere Stücke von Sergej Rachmaninov und Robert Schumann zum Besten gab, ließ sich der Tastenvirtuose sogar noch zu einer improvisierten Zugabe hinreißen. „Ich weiß, dass das eigentlich nicht erlaubt ist, aber ich kann nicht anders …“, kokettierte der Georgier auf Englisch. Leiter Hans-Jürg Strub machte gute Miene zum guten Spiel: „Wenn das heute jeder so macht, wird das ein langer Abend“, erklärte der Professor während der Konzertpause.
Talentschmiede in Tiflis
Die anderen Interpreten waren da etwas disziplinierter. So war der 21-jährigen Georgierin Mariam Lolua die Anstrengung und Konzentration bei Robert Schumanns anspruchsvoller Romanze op. 28 Nr. 2 Fis-Dur anzumerken. Verständlich also, dass die Veranstalter auch blitzloses Fotografieren untersagten. Denn selbst ein kaum vernehmbares Knipsgeräusch könnte die Musiker im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Takt bringen. Auftritte von David Ketsbaia, Oana Zamfir, Elisabeth Rüttimann, Benjamin Meeks, Tedo Diakonidze, Georgi Iuldashev, Angela Büchel, Natia Natroshvili, Andreas Vogel, Ani Palavandishvili sowie Ani und Nia Sulkanhanishvili komplettierten die rund dreistündige Talentshow.
Leiter Hans-Jürg Strub zog nach den diesjährigen Meisterkursen ein positives Fazit: „Wenn man sieht und hört, welche Fortschritte die Schüler in der Formgestaltung der Stücke gemacht habe, kann man nur zufrieden sein.“ Warum es gerade in der georgischen Hauptstadt Tiflis so begnadete Klavierspieler gibt, konnte aber auch er nicht erklären. „Ich gebe dort Kurse und bin immer wieder erstaunt über die Begabung der jungen Musiker“, zeigte sich Strub beeindruckt.
Fotos: Peter Herrmann, Keyvisual Andrea Weber





