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Open-Air-Konzert in Benediktbeuern

Adel Tawil live: Elektrisierend und umjubelt

Von Claudia Koestler

Benediktbeuern, 23.7.2015 - Schon klar, Adel Tawil gehört zu jenen Künstlern, die die Musiknation spalten. Die einen lieben, die anderen ignorieren ihn. Zuviel Jammerlyrik, immer die gleiche Musik, sagen die einen, aber: Musiker haben schon immer polarisiert. Und in Benediktbeuern brachte Adel Tawil kürzlich das Publikum völlig auf seine Seite mit einem durchaus fulminanten Open-Air-Konzert.

Dabei war man zunächst auf kollektives Trösten gefasst. Zumindest, wenn man nach der Pressemitteilung gegangen wäre, die betonte, was Tawil nicht schon alles für Höhen und Tiefen durchgemacht habe in seiner Karriere.

In Benediktbeuern aber, an jenem Abend am Samstag, wurden dunkle Wolken einfach weitergeschoben: Tawil wirbelte äußerst agil von links nach rechts über die Bühne und zurück und vermittelte ganz authentisch den Eindruck, als wolle er gleich loskichern vor Glück: „Es ist einfach wunderbar, wieder hier zu sein, es ist noch besser als beim letzten Mal“, begrüßte er das Publikum. Allerdings war es auch seinen grandiosen Mit-Musikern auf der Bühne zu verdanken, dass die Lieder kraftvoll, rockig und mit Verve nach vorne getrieben klangen und ihnen so Ecken und Kanten verliehen wurden. Zum Beispiel „Herzschrittmacher“, jenes Lied, mit dem Tawil eröffnete: Bass und Schlagzeug pochten sich hier mit so großer Wucht in den Solar Plexus, dass sie auch einen Defibrillator hätten ersetzen können. Den aber brauchte hier eigentlich keiner: Denn Tawil lockte ein sehr gemischtes, tendenziell eher junges Publikum an.

Songs von Ich + Ich und einstige Duette
Überhaupt mutete es an, als wäre Tawil der gemeinsame Nenner, auf denen sich insbesondere Familien einigen können: Auffallend viele Eltern mit Teenagern waren in den Benediktbeurer Maierhof gekommen. Während vorne die Kinder begeistert bei den rockigeren Stücken mitsangen und mitsprangen, saßen die Eltern hinten und an den Rändern auf Picknickdecken und Yoga-Matten und schmiegten sich zu den sanften Pop-Balladen aneinander. Schließlich lieferte Tawil, was das Publikum kennt und will: Solostücke, Songs von Ich + Ich und einstige Duette. Er nahm das Publikum mit auf seine eigene musikalische Entwicklung, angefangen in den 90er Jahren mit der Boyband „The Boyz“ bis heute, in Liedern wie „Vom selben Stern“ oder „Pflaster“. Und natürlich „Lieder“ selbst, jenen Song, der es zur Singleauskopplung seines jüngst veröffentlichten Soloalbums geschafft hat: „Ich war willkommen im Dschungel / Und fremd im eigenen Land / Mein persönlicher Jesus / Und im Gehirn total krank.“

Bleibt zu hoffen, dass die Eltern den Kindern irgendwann auch die Originalstücke, aus denen der Musiker zitiert, vorspielen werden. Laue Sommernacht, Lightshow, große Leinwand im Hintergrund und vor allem die hervorragende Band hoben schließlich die textlich zwar schlichten Lieder in ein elektrisierendes Live-Erlebnis mit entsprechendem Jubel.

Fotos: Claudia Koestler