Erfolgreiche Vernissage „Strichgesellen“
Wolfratshausen, 11.5.2012 – Illustrationen in Bleistift und Acryl zeigten die Wolfratshauser Künstlerin Andrea Weber und ihr Vater Rudi Sedlmeyr aus Geretsried am vergangenen Samstag in ihrer gemeinsamen Vernissage „Strichgesellen“. Rund 150 kunstinteressierte Gäste besuchten die Ausstellung in der frisch renovierten Bar d'Amato in Wolfratshausen.
Überaus interessierte Kunstbesucher
Was an der Vernissage zuerst auffiel waren nicht die Bilder, sondern die überaus interessierten Kunstbesucher. Die Illustrationen waren nämlich zunächst nur spärlich zu sehen, weil die Gäste sich buchstäblich die Nasen an den Werken plattdrückten und neugierig die Motive studierten. „Man muss nah hingehen zu den Bildern im Gegensatz zu manch anderen Kunstwerken.“ empfahl die Künstlerin Andrea Weber.
„Suche und finde!“
„Suche und finde!“ fordert denn auch Andrea Weber in ihren Illustrationen aus Bleistift oder Acryl auf, denn darin verstecken sich drollige Wesen. „Meine skurrilen „Strichgesellen“ haben ihren eigenen Kopf und bestimmen beim Malen selbst, wann, wie und wo sie zwischen dem Geflecht aus Linien, Bögen und Schraffuren erscheinen wollen. Mal sind sie menschlich, mal tierisch, mal niedlich, komisch, bissig aber nie böse. Ich erkenne zuerst ihre Augen, danach entsteht das gesamte Erscheinungsbild von allein“, verrät die Künstlerin. Jeder findet darin seine eigenen Wesen, jedes Bild ist ein Unikat. Andrea Weber nennt ihren aktuellen Bilderzyklus „Verwandlungskünstler mit Köpfchen“ und ihren ganz eigenen Malstil „surreale Illusionen“.
Sedlmeyrs Illustrationen sind grafische Lebensbäume
Thematisch ähnlich, technisch jedoch völlig anders sind die filigranen Bleistiftzeichnungen von Rudi Sedlmeyr. Auch er lässt entstehen, was entstehen will, arbeitet im Gegensatz zu seiner Tochter, die entstandenen Figuren nicht explizit heraus, sondern lässt den Betrachter suchen. Interessant an seinen fahrigen Bildern ist, dass der Gesamteindruck an Bäume erinnert. In den Verästelungen verstecken sich unzählige Kleinwesen. Rudi Sedlmeyrs Illustrationen sind grafische Lebensbäume.
Vater und Tochter stellten erstmals gemeinsam aus
Zum ersten Mal zeigen Vater und Tochter gemeinsam ihre aktuellen Arbeiten. Zeichnen und Malen war bei beiden immer der Ausgleich zum Beruf. Andrea Weber, die heute als freie Journalistin arbeitet, besuchte in den 1980iger Jahren die Schwanthaler Kunstschule und studierte drei Jahre abends freie und angewandte Malerei.
Musikalische Begleitung durch die Munich Swing Combo
Rudi Sedlmeyr malt und spielt außerdem seit seiner Jugend Musik. Er ist Bandleader und Kontrabassist der Munich Swing Combo, die an dem Abend für den angenehmen musikalischen Hintergrund sorgte.
Besucherstimmen
Gäste der Vernissage sprechen über Ihre Eindrücke zu den Bildern:
„Die Bilder sind sehr phantasievoll, weich, haben angenehme Farben und wirken sehr verspielt. Man kann immer wieder einen Bezug herstellen zur Natur, sieht viele Tiere, Fische und Vögel und kann sich auch Bäume und Sträucher vorstellen.“
Fredi Auer, Huppenberg
„Sehr phantasievoll, insbesondere gefällt mir die leichte Kolorierung. Teilweise nimmt sie die Figuren auseinander und stellt sie in eine Reihe, die kleinen Bilder gefallen mir am besten. Mein Lieblingsbild ist das mit dem Hund „Da sind zwei Mäuschen, die sich küssen“. Hier der Seevogel, dort beiden Eichkatzerl und hier ist ein Walfisch angedeutet, hier ein Kasperlgesicht mit Mütze – das Bild ist so vielfältig und aussagekräftig.“
Inge Biedermann, Geretsried
„Mein Lieblingsbild ist „Finde das Luftballongesicht“. Die beiden Fische in dem Bild sprechen mich sehr an, denn Fische haben für mich als gläubigen Menschen eine sehr symbolische Aussage. Mit Fischen verbinde ich etwas Elementares und sehr Authentisches. Mir gefallen auch die Farben sehr, diese Rot-Töne, das Orange und die Kombination mit dem Schwarz-Weiss. Die Bilder zeigen eine ganz besondere Handschrift, die ich bisher von der Künstlerin noch nicht kannte – ich bin absolut begeistert.“
Anita Casati
„Die Bilder finde ich sowas von schön, so wunderbar fliessend. Und immer wieder entdeckst Du neue Attraktionen in diesen Bildern, ich finde sie ganz toll. Das hat die Künstlerin so interessant gemacht, da könnte ich Stunden verweilen. Es sind so viele Gesichter drin und jedes hat seine Eigenart. Ich schau mir jetzt genau an, ob ich den Gesichtern vielleicht bekannte Leute zuordnen kann. Die Künstlerin ist ausserdem Journalistin, vielleicht hat sie ja beabsichtigt, dass sie a bisserl die Leute karrikatiert.“ ;-)
Wiggerl Gollwitzer, Kulturreferent Stadt Wolfratshausen
„Ich bin sehr angetan von den Bildern, weil in dem Kleinen so viel zu sehen ist. Die Zusammenstellung in den Rahmen gefällt mir sehr gut. Mein Lieblingsbild ist „Fünf Strichgesellen“. Mir gefällt die Leichtigkeit der Figuren, mit viel Hintergrund, so tänzerisch, man kann lange schauen und sehr viel sehen.“
Eva Hamatschek
„Die Bilder finde ich wunderbar und inspirativ. Bei dem Bild „Eine Spitzmaus schaut nach rechts“ fällt mir gleich eine komplette Familien-Kurzgeschichte ein. Interessant, wie Sachen verschmelzen und an einigen Stellen eine Struktur bekommen, wie diese Figur hier, die einem Pärchen lauscht. Man kann erkennen, dass in den Bildern Geschichten entstehen, wenn die Künstlerin zeichnet. Die zeichnerischen Illustrationen sind sehr gelungen, hier findet sich das Intensive und Spielerische. Man sieht eine Entwicklung, zunächst schwarz-weiss, erst noch unruhig und nicht Gegenständlich. In den Folgearbeiten werden die Geschichten, Gestalten und Figuren zu einem Ganzen. Auch spannend finde ich „Suche das Mädchen und die Maus?“, da taucht erstmalig plötzlich eine komplette Figur auf, ein Mädchen, das sehr illustrativ wirkt. Man fragt sich, ob es jetzt eine konkrete Geschichte wird. Das Bild erinnert mich an „Alice im Wunderland“. Ich sehe wirklich viele Geschichten in ihren Bildern, deshalb schaue ich sie mir auch gerne so lange an.“ Die Bilder haben für jeden etwas und sind sehr liebenswert.“
Isabell Hess, Geretsried
„Ich finde die Bilder wunderbar, sie haben so viele Schattierungen und man findet so viel darin. Dieses Bild „Und sie menscheln doch“ gefällt mir sehr, weil es farbig ist. Die Bilder sind sehr lebendig. Ich finde sie sehr schön und werde mir auf jeden Fall heute Abend noch eines aussuchen.“
Claudia Mohrherr, München
„Die Bilder sind unheimlich interessant und lebendig. Man kann einfach suchen und findet immer neue Gesichter. Es ist wie ein Spiegelbild und ein wenig hintergründig, ich würde es keinem Stil zuordnen, es ist unverwechselbar und scheint aus der Malerin selber zu kommen. Fast puzzleartig sind die Bilder, es gibt Vorlieben für Menschengesichter und Tiere, Fische sind viele dabei. Manche Bilder sind so dynamisch, da müsste ich länger suchen. Unser Lieblingsbild sind die „Fünf Strichgesellen“, die sind nicht so konglomerat und auf Wanderschaft – und eine Dame voraus. Man könnte meinen, die ruhen in sich, machen sich dann auf den Weg und jeder geht in eine andere Richtung.“
Anna und Maria Schmidt, Wolfratshausen
„Bereits beim flüchtigen Anschauen gefällt mir der hingeworfene Strich der Bilder von Rudi Sedlmeyr. Ich muss viel mehr drauf schauen um die Assoziationen zu finden: Was tanzt da, was steigt auf, was steigt ab? Das gefällt mir ganz hervorragend. Wenn man dann noch um den Altersunterschied der Künstler weiss, der Vater ist über achtzig, die Tochter noch keine fünfzig, macht es die Arbeiten noch interessanter. Mir gefällt diese Idee, die Gesichter nur anzudeuten, ich bin als Betrachter viel mehr gefordert, mir etwas vorzustellen. Das Auslaufende und das Zackige gefällt mir sehr, es ist überhaupt nicht ausgeglichen. Mir gefällt bei den Sedlmeyr Bildern die Freiheit mir zu überlegen: Was sehe ich, was meine ich zu sehen und was hat der Künstler überhaupt damit gemeint, das fasziniert mich.“
Assunta Tammelleo
„„Finde die beiden im Karohemd?“ gefällt mir richtig gut. Es hat so eine Tiefe, auch durch die vielen Figuren, bei denen man auch gar nicht so genau weiss, wo sie eigentlich sind. Das Bild erscheint immer wieder neu. Die Figurenmenschen wirken sehr bewegt und tänzerisch, das gefällt mir wirklich gut.“
Barbara Westernach
„Die „Fünf Strichgesellen“ hier sind doch köstlich. Sie sind so fröhlich und die warmen Farben dazu geben eine schöne Ausstrahlung. Diese Fröhlichkeit und Heiterkeit gefällt mir unheimlich gut, es könnte für ein Kinderbuch gemalt sein.“
Bärbel Zink




