




„Der Landkreis braucht so eine Bühne, denn er ist arm an bezahlbarer Live-Kultur.“
Gelting, 13.2.2013 (red.) – Kürzlich hatte sich eine Musikern, die anonym bleiben möchte, bei der örtlichen Süddeutschen Zeitung beschwert, unter welchen Bedingungen sie auf der Kulturbühne Hinterhalt auftreten dürfe: „200 Euro "Kaution" für den Fall, dass die Veranstalter über die Eintrittsgelder nicht mindestens diese Summe einnähmen.“ Sowas hätte sie "noch nie erlebt". Oberland.de wollte mehr darüber erfahren und traf sich mit Hinterhalt-Wirtin Assunta Tammelleo.
Warum plötzlich die Aufregung über diese Vereinbarung so groß sei, verstehe Tammelleo nicht. „Diese Konditionen sind bereits seit vier Jahren unverändert und ganz offiziell auf unserer Homepage.“ Schaut man dort mal rein, ist unter dem Punkt „Auftritt im Hinterhalt, Informationen für Künstler“ folgendes zu lesen: „Door Deal 70/30 - Mindesteinnahme daraus für uns mindestens 200€. Ausgezahlt werden Eintrittsgelder erst ab dieser Grenze. Besteht, zum Beispiel bei in der Gegend relativ unbekannten Künstlern, die Gefahr, dass diese 200€ nicht erreicht werden, müssen wir eine Kaution von Euch verlangen, die selbstverständlich aufgerechnet wird.“
Die Kulturbühne Hinterhalt ist einzigartig im Tölzer Land
Wolf Steinberger und seine Lebensgefährtin Assunta Tammelleo haben vor vier Jahren eine defizitäre Kulturbühne gekauft und seither mit ihrem Privatvermögen den Betrieb aufrechterhalten. Der Hinterhalt ist als reine Live-Bühne inzwischen einzigartig im Tölzer Land und neben der Weyhalla in Weyarn und dem Village in Habach eine der wenigen im gesamten Oberland. Hunderte von Anfragen kämen deshalb monatlich rein, sagt die Wirtin, sie weiß wie die Musiker diese Bühne schätzen. „Zum dritten Mal kommt heuer Herbert Pixner zu uns, weil ihm die Atmosphäre besser gefällt als im Wirtshaus-Saal“, sagt Tammelleo.
Wer im Hinterhalt schon mal war, kann das nur bestätigen. Leider haben regional unbekannte Musiker es dennoch schwer, viele Besucher anzuziehen. Oft spielen sie vor einer Handvoll Zuschauern, obwohl die Kulturbühne selbst ausreichend Werbung schaltet. „Wir kümmern uns um Plakatierung in der gesamten Region, versenden Newsletter und machen Pressearbeit für die Künstler“, sagt die Wirtin. Statistisch kann sie dann aber nur mit einem Pro Kopf-Umsatz an einem Abend von acht Euro rechnen. „Weil wir mit Rücksicht auf die Künstler nur vor dem Auftritt und während der Pause bedienen.“
„Es gibt nix besseres als Live-Musik“
Doch die beiden Hinterhalt-Besitzer müssen nicht vom Gewinn des Lokals leben. Sie haben sich mit dem Kauf der Bühne einen Lebenstraum erfüllt, weil es für sie „nix besseres als Live-Musik“ gibt. Sie sind selbst Musiker in einer Band. Sie wollen aber auch nicht permanent draufzahlen. So ein Abendbetrieb ist kostenaufwendig: Technik und Licht kosten Geld, im Schnitt werden zwei Bedienungen benötigt, es muss geheizt und geputzt und das Essen auf Vorrat eingekauft werden. Der Hinterhalt ist zwar kein Restaurant, dennoch steht immer auf der Schiefertafel der Brotzeitteller, der Obatzte, Chili oder Gemüsesuppe.
Die Wolfratshauser Wolf Steinberger und Assunta Tammelleo investieren seit Jahren auch viel Freizeit in die Kultur ihrer Region, dafür haben sie und ihr Hinterhalt-Team vergangenes Jahr den Tassilo-Preis der Süddeutschen Zeitung erhalten. „Wir sind der Meinung, der Landkreis braucht es, denn er ist arm an bezahlbarer Live-Kultur.“
Was kostet ein Bühnenauftritt woanders?
Oberland.de hat bei einer weiteren privaten Kulturbühne und bei einer Gemeinde nachgefragt und erfahren, dass die finanziellen Bedingungen für einen Auftritt im Umland vergleichbar oder teurer sind.
Musikcafé WeyHalla in Weyarn: „Die Band sollte mindestens 50 Personen, die auch etwas verzehren, als Zuschauer mitbringen.“ erwartet der Betreiber Girgl Ertl von der Band als Voraussetzung für einen abendlichen Bühnenauftritt. Die Mikrofone müssen selbst mitgebracht werden. Techniker können vermittelt, müssen aber selbst bezahlt werden.
Gemeindehaus Münsing: Laut Martin Müller, verantwortlich für die Liegenschaften der Gemeinde, kostet die Saalbenutzung 100 € (bis zu einer Anzahl von 100 Personen), zzgl. etwa 25 € Stromkosten. Auswärtige zahlen 200 € zusätzlich. Falls kein Eintritt verlangt wird, kostet die Saalbenutzung 250 €.



