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Uraufführung erfolgreich: Bühnenstück „Aufstand! – Die Sendlinger Mordweihnacht“ hat Potential zu Größerem

von Andrea Weber

Geretsried, 6.10.2012 – „Sie haben heute die besondere Ehre, eine Welturaufführung zu erleben.“ So eröffnete die Geretsrieder Bürgermeisterin Cornelia Irmer die Premiere von Günter Wagners Bühnenstück „Aufstand! – Die wahre Geschichte der Sendlinger Mordweihnacht von 1705“ im vollbesetzten Theaterzelt am Eisstadion in Geretsried. Am Ende bekam das bayerische Bühnenstück mit der Musik von Konstantin Wecker (wir berichteten, mehr…) stürmischen Applaus und stehende Ovation. Es ist ein Meisterwerk eines Geretsrieders geworden, das durchaus Potential zu Größerem hat.

Laut Irmer habe die Organisation des Kulturherbstes in den letzten Wochen die „halbe Stadt in Trapp gehalten“. Vierzig ehrenamtliche Helfer stemmten „das Abenteuer Kulturherbst“, das wohl bisher in Geretsried größte Kulturfestival. Besonderen Dank drückte sie den Organisatorinnen Vera Kraus, Inge Hammerschmied und Daniele Wagner aus.

Zum historischen Hintergrund der Sendlinger Mordweihnacht

1705 benutzte die österreichische Reichsarmee, unter Oberbefehl des habsburgischen Kaisers Joseph I, Bayern als Durchgangslager für ihre Feldzüge in Italien. Von den Bauern verlangten sie hohe Kriegssteuern in Form von Lebensmitteln und zogen ihre Söhne als Arbeitskräfte ein. Dazu kam, dass die Soldaten ihre Frauen misshandelten und die Höfe plünderten. Rund 20.000 Männer der Landbevölkerung machten sich mit Dreschflegel und Mistgabeln bewaffnet für ihren Aufstand nach München auf. Es ist der erste, alle Schichten umfassende Volksaufstand der Geschichte, noch vor der Französischen Revolution. Es kam zur kriegerischen Auseinandersetzung in der Nacht vom 25. Dezember 1705 in München Sendling, bei der geschätzte 1000 Bauern ihr Leben ließen und auf Seiten der Habsburger Armee nur ein paar wenige starben. 

Aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet

In seinem Bühnenstück zeigt Günter Wagner dieses geschichtsträchtige Ereignis aus dem Blickwinkel einer Bauernfamilie, die geknechtet und ausgebeutet, nicht weiß wie sie den bevorstehenden Winter überleben soll. Bauer Jakob Klinger (Winfried Frey) hofft, dass sich die Zustände ändern, wenn Kurfürst Max Emanuel (Andreas Borcherding) erst wieder aus dem Brüsseler Exil zurückgekehrt ist. Seine Freunde wollen nicht warten und schließen sich der Revolution an. Unterdessen klopfen Soldaten an Jakls Tür, um seinen Sohn Sebastian (Andi Mittermeier) zu rekrutieren. In der heimischen Stube kommt es zu einem Zwischenfall: Ein Soldat will seine Frau Therese (Isabella Leicht) vergewaltigen. Der Bauer greift ein und bei dieser Prügelei stirbt ein Soldat. Um den Mord zu vertuschen, legt der Sohn die Uniform an und zieht mit den Soldaten fort. Schließlich stehen sich Soldaten und Bauern auf der Schlacht gegenüber und damit auch Vater und Sohn….

Gelungene Inszenierung und phantastischer Abend

Mit den Hauptdarstellern, allesamt Profis aus Film und Fernsehen, hat Regisseur Harald Helfrich ein Bühnenensemble an seiner Seite, dass diesen Aufstand eindrucksvoll, berührend und aufwühlend schildert. Die Übermacht im Feld wird durch Stelzengänger inszeniert. Über zwei Bühnen, der Hauptbühne als Bauernstube sowie der Zeltarena als Schlachtfeld, bewegt sich die Handlung und baut dynamische Spannung auf. Nicht zuletzt rundet die rhythmisch, rockige und teils mit volksmusikalischen Elementen durchzogene Musik von Konstantin Wecker das Bühnenstück ab. Mit dem Titelsong „Bauer steh auf!“ fing eine gelungene Inszenierung an, mit dem Titelsong „Bauer steh auf!“ ging ein phantastischer Abend mit lautem Applaus zu Ende.

Weitere Aufführungen am 7. und 14. Oktober in Geretsried. Weitere Informationen finden Sie hier.

Fotos: Andrea Weber, Fenny Rosemann


Bilderserie – „Aufstand!“ - Die wahre Geschichte der Sendlinger Mordweihnacht von 1705