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Auftaktveranstaltung „Prost! Bier! Mahlzeit!“ im Gasthof Oberhauser in Egling

Lehrreich, köstlich, süffig

von Andrea Weber

Egling, 22.3.2016 – „Der Gerstensaft schmeckt meisterhaft. Prost!“, so begrüßten die Vorsitzenden des Vereins Flößerstraße, Gabriele Rüth und Hermann Paetzmann, ihre bierdurstigen Gäste zur Auftaktveranstaltung „Prost! Bier! Mahlzeit!“ in der urigen Alm vom Gasthof Oberhauser in Egling am Freitagabend. Die Veranstalter hatten sich ins Zeug gelegt, um im 500sten Jahr Reinheitsgebot, dem beliebten Gerstensaft alle Ehre zu erweisen.

Ums Bier ging es – theoretisch wie praktisch. Umrahmt von einem köstlichen Bier-Menü vom Buffet und musikalischer Untermalung mit der Gruppe „Boarische Roas“. Und eine Bierverkostung sollte am Ende noch das prickelnde i-Tüpfelchen auf den humoristischen Abend setzen. Der Kaminofen knisterte heimelig, als Hermann Paetzmann (Schauspieler) zusammen mit Sabrina Schwenger (Journalistin, Autorin und Schauspielerin) und Hannes Kirchhofer (Vorstand der Musikschule Geretsried) in ihrer humorvoll-historischen Erzählung zurück ins dunkle Mittelalter gingen, wo Braumeister „als Bierhexer“ gefoltert wurden.

Hopfen, Malz, Wasser und Hefe

Damals war die Kunst des Brauens ein alchemistisches Zauberwerk, bei dem „ein Hundemaul für die Würze sorgte“ und „der Strick eines Gehängten unterm Sudkessel, die bösen Mächte vertrieb“. Mit dem Reinheitsgebot von 1516 war mit den Umtrieben dann Schluss. Fortan durften nur noch vier Bestandteile die Zusammensetzung des reinen Gerstensafts bestimmen: Hopfen, Malz, Wasser und Hefe. Und das gilt bis heute.

Die Flößerei und das Bier sind inzwischen zum immateriellen Kulturerbe ausgelobt worden. Zwischen beiden bestand früher eine existenzielle Verbindung. Die drei Erzähler beschrieben in Überlieferungen, Originalzitaten und mit bayerischen Texten und Versen, die Entstehung der Braukunst sowie die gefährliche Arbeit der Flößerbetriebe, die einst das frische Bier vom Oberland nach München lieferten. „8700 Eimer Bier auf 100 Flößen, das entsprach 560.000 Liter Bier wurden jährlich auf dem Isarlauf befördert, soviel wie heutzutage an einem einzigen Wies’n-Tag konsumiert wird, erklärte Paetzmann und die Zuhörer staunten und nippten derweil am Gläschen Weißbier-Prosecco.

"Biercappuccino“, ein „Bayerisches Bierbradl“ und „Bieramisu“

Im 17. Jahrhundert habe es 12 Bierbrauer in Wolfratshausen gegeben, die Bierkeller befanden sich im Bergwald. Doch das beste Bier brauten seinerzeit die Mönche in den Klöstern „mit göttlicher Inspiration“. Zwischen den historischen Erzählungen gab es passend zum Thema einen „Kürbis-Biercappuccino“, ein „Bayerisches Bierbradl“ und nach dem „Bieramisu“ ging es zum eigentlichen Highlight des Abends über, auf dem alle durstigen Kehlen ungeduldig warteten. Unter fachkundiger Anleitung erklärte der Brautechnologen Philip Riedl aus Harmating die Merkmale exotischer Biervariationen und ließ die Gäste nippen, schnuppern und schlürfen, am „Zwicklbier“ mit seiner Citrus-Note, am amerikanischen „Craft-Beer“ mit seiner würzigen Geschmacksnote, an einem „Indian Pale Ale“ und der gehaltvollen,  achtprozentigen – bitte um Entschuldigung – „Miasbacher Bockfotzn“. Resümee des Abends: Ein wahrliches Fest für die Sinne – lehrreich, köstlich und süffig.

Weitere Veranstaltungstermine von „Prost! Bier! Mahlzeit“:
9. April, 19 Uhr Wirtshaus zum Starnbräu, Bad Tölz; 23. April, 19 Uhr Gasthof Geiger, Geretsried; 24. April, 18.30 Uhr in der Flößerei, Wolfratshausen; 28. April, 19 Uhr Binder-Bräu, Bad Tölz

www.floesserstrasse.eu  

Fotos: Andrea Weber