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Ausstellung „Historische Fotografien zur Flößerei“ in Wolfratshausen

Unsere Flößerei, ein echtes Kulturerbe

Von Andrea Weber

Wolfratshausen, 17.4.2015 – Die Flößerei auf der Isar wird seit Generationen weitergeführt. Damit blieb diese einmalige Handwerkstradition bis heute erhalten. Gabriele Rüth, Vorsitzende vom Verein „Die Flößerstraße“ hatte Grund zur Freude, denn zur Ausstellungseröffnung „Historische Fotografien zur Flößerei“ in der Sparkassenfiliale in Wolfratshausen waren viele interessierte Besucher gekommen. Der Grund: Vor vier Wochen wurde die Deutsche Flößerei als „immaterielles Kulturerbe“ von der deutschen Unesco-Kommission anerkannt.

Gemeinsam mit Werner Kuhlmann vom Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen LAW, hat Rüth eine Fotoausstellung der Freisinger Bild-Journalistin Erika Groth-Schmachtenberger (1906 – 1992) aus privater Sammlung und von der Universitätsbibliothek Augsburgs nach Wolfratshausen geholt.

Zuerst habe es den Vorschlag gegeben, die Ausstellung auf der nächsten Kunstmeile fünf zu präsentieren, aber Kuhlmann entschied anders. Schließlich sei Wolfratshausen seit 2011 eine internationale Flößerstadt und werde voraussichtlich 2017 den Deutschen Flößertag ausrichten. Und seine Meinung nach, sei das traditionelle Handwerk bis heute ein bedeutender Wirtschafts- und Tourismusfaktor für die Region. Kuhlmann: „Mir würde es sogar gefallen, diese Fotoausstellung als Wanderausstellung an allen relevanten Orten entlang der Isar zu präsentieren.“

Bilder für Generationen
Die Fotojournalistin Erika Groth-Schmachtenberger hat mit einer beeindruckenden Bildsprache, Land, Leben und Leute auf ihren Fotografien in ungewöhnlichen Perspektiven und Situationen gestgehalten. Dafür erhielt sie als Pionierin der Pressefotografie 1987 das Bundesverdienstkreuz. Groth-Schmachtenberger hinterließ 360.000 Aufnahmen, die sie zu Lebzeiten an 40 verschiedene Institutionen, wie Tageszeitungen, Zeitschriften oder Bildbände, veröffentlichte. Den Schwerpunkt legte die Fotografin auf Arbeit, Alltag und Leben, in lebendigen Szenen mit markanten Menschen. Sie schuf Bilder für die nächsten Generationen mit einer Botschaft für die Zukunft. So kann man den Wandel der Zeit auf ihren Bildern erleben. Zum Beispiel, ein Blick vom Berg hinab auf das Dorf Fall, das wegen des Baus des Sylvensteinspeichers ein Stück weiter wieder neu aufgebaut werden musste. Das Foto zeigt das Dorf wie ein Neubaugebiet aus der Vogelperspektive. Vom Brauneckgipfel herunter knipste die Journalistin Lenggries, zu ihrer Zeit gab es noch keinen Tourismus, keinen Trubel, keine Schnellstraße – nur ein paar Höfe zwischen Wald und Flur.

Wissenstradition und Erinnerungskultur
Im Schwerpunkt der aktuellen Ausstellung stehen die vergilbten Aufnahmen der Flößer, wie sie arbeiten, wie sie die Baumstämme ins Wasser triften lassen und auf ihnen gefährlich wackelig beim Zusammenbau balancieren. Zu Lebzeiten der Fotografin waren die Isarfloße bereits reine Vergnügungsschiffe. Ein Bild zeigt eine heitere Gesellschaft bei der wagemutigen Fahrt über die Pupplinger Floßrutsche. Professor Karl Filser aus Augsburg ist Kenner der Flößer-Geschichte. Er erklärte den Anwesenden den Grund für die Aufnahme des deutschen Flößerhandwerks ins Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der deutschen Unesco-Kommission. „Die Flößerei ist heute eine gesellschaftliche und regionale Wissenstradition, eine Erinnerungskultur, die dauerhaft gepflegt werden muss.“

Fotos: Andrea Weber