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Kunst als Emanation

„Ein Wort oder ein Bild ist symbolisch, wenn es mehr enthält, als man auf den ersten Blick erkennen kann. Es hat dann einen weiteren, unbewussten Aspekt, den man wohl nie genau definieren kann. So aber gelangt der menschliche Geist bei der Erforschung der Symbole zu Vorstellungen, die sich dem Zugriff des Verstandes entziehen“. C.G. Jung

Von Claudia Koestler

Irschenhausen, 20.2.2014 – Aus eins mach drei: Was in der Werbung funktioniert, kann in der Kunst nicht schlecht sein. Und so beginnt die erste Ausstellung im Jahr 2014 in der Galerie Hollerhaus in Icking gleich mit drei regionalen Künstlerinnen: Kirsten Braun, Isabel Heß und Andrea Weber stellen dort aus unter dem Titel: „Feder, Stift und Farbe… und das, was übrig bleibt vom weißem Blatt“.

Die drei Künstlerinnen haben sich vor gut zwei Jahren für eine erste gemeinsame Ausstellung im Geltinger Hinterhalt zusammengefunden. „Begeistert davon wollte und konnte ich sie dem Hollerhaus nicht vorenthalten“, sagte die Hollerhaus-Galeristin Lia Schneider-Stöckl bei der Vernissage. Denn obwohl höchst unterschiedlich auf den ersten Blick in Material, Format und Arbeitsweise, so nehmen sich die Werke nichts. Im Gegenteil: „Der starke Gegensatz und der Kontrast in der Kunst von Isabel Heß, Kirsten Braun und Andrea Weber macht diese Ausstellung zu etwas ganz Besonderem, zu etwas besonders Spannendem, Tiefgründigem und Vielseitigen“, so Schneider-Stöckl.

Wie die écriture automatique der Surrealisten

Webers jüngste Arbeiten unter dem Motto „Suche und Finde“ lenken das Augenmerk des Betrachters auf Verstrickungen: Drama und Komödie zugleich, ohne Zynismus ineinander verwoben. Zeichnungen, die in ähnlicher Weise wie die écriture automatique der Surrealisten ohne nachzudenken als unmittelbarer Ausfluss des Unbewussten zu Papier gebracht werden. Skizzen werden in einem subtilen Spiel von Zufall und Absicht zu spannungsgeladenen Szenen. Verschachtelte Augen, vertrackte Innenleben und fantastisch-eigentümliche Figuren sind Inhalte dieser Bilderwelten. Zu Motiven werden die Zeichen allerdings erst, wenn sie als Figuren und Wesen erkannt werden. Und diesen Figuren erwächst ein Bedeutungsfeld, das sich aus der Summe ihrer Beziehungen ergibt. Sie schüren im Betrachter die Erwartung ablesbarer Geschichten. Die Beziehungen, in denen sie existieren, sind ähnlich amorph wie sie selbst. Sie lassen sich nur vorübergehend bestimmen, um dann gleich wieder anders zu erscheinen. Dass der Benutzer die Zeichnungen der einzelnen Bildelemente nach ihren Beziehungen untereinander absucht, hängt mit dem allgemeinen Bedürfnis nach Strukturen und Geschichten zusammen, die wir immer noch in der Kunst zu suchen gewohnt sind.

„Die Figuren wollen einfach raus, diese Strichgesellen haben ihren eigenen Kopf“

Die Bedeutung in den Werken Webers sind allerdings nicht die vom Betrachter für gewöhnlich festgestellte Inhalte, sondern die Notwendigkeit des Erzählens an sich. Denn die Künstlerin geht weder mit einer festen Vorstellung ans Werk, noch will sie übergeordnete Szenerien abbilden: „Die Figuren wollen einfach raus, diese Strichgesellen haben ihren eigenen Kopf und bestimmen beim Zeichnen selbst, wann sie aus dem Geflecht von Linien, Bögen und Schraffuren erscheinen wollen“, bringt sie selbst es auf den Punkt. Ironie bedient sich dieser Bilder: Sie mit Humor zu betrachten, eröffnet ihrem Betrachter einen Moment von Erlösung. Doch nicht nur beim Betrachter, auch bei der Künstlerin selbst: „Mit diesen surrealen Illusionen, wie ich den Stil nenne, bin ich angekommen - zumindest für den Moment“, sagt Weber, die über die Malerei mit Öl und Aquarell und Abendkursen an der Schwanthaler Kunstschule nun bei der Zeichnung gelandet ist.

„Poesie, Imagination und Ästhetik vermengen sich in den Arbeiten und Schwüngen der Künstlerin“

Heß hingegen hatte ihre Arbeiten unter den Titel „Tango, Akt und Übertreibung“ gestellt. „Poesie, Imagination und Ästhetik vermengen sich in den Arbeiten und Schwüngen der Künstlerin“, sagte Schneider-Stöckl. Unter anderem hat sie sich aber auch auf die Suche nach Sprichwörtern und Redensarten gemacht und erzählt in ihren Zeichnungen die Geschichten hinter den sprachlichen Wendungen. Da wird schon mal ein Hund in der Pfanne verrückt oder jemandem ein Bär aufgebunden. Ihre Arbeiten, die nun im Hollerhaus zu sehen sind, sind vorrangig mit Tusche und Grafit ausgeführt. „Sie selbst bezeichnet die Materialien als ursprünglich und wertvoll und dabei ist es ihr wichtig, dass der Zeichenweg und die Arbeitsprozesse auf dem Blatt als Spur sichtbar bleiben. Die traditionelle chinesische und japanische Tuschemalerei nimmt ebenfalls deutlich Einfluss auf ihre Arbeitstechnik“, erklärte die Galeristin. Dabei hat jede der Arbeiten von Heß eine unverkennbar dynamische Linienführung, spontan und gleichermaßen sicher gesetzt. Gelegentlich expressiv und oft mit Humor werden Themen wie Tango, Akt und aktuell die „Rückverbildlichung von Sprichwörtern und Redewendungen“, wie Heß es selbst nennt, mit großem handwerklichen Können auf dem weißem Blatt diskutiert.

„Erst das richtige Gleichgewicht lässt die Spannung all dieser Gegensätze entstehen“

Als dritte Künstlerin im Bunde hat Braun ihre abstrakten Bilder im Hollerhaus unter das Motto „Alles eine Frage des Gleichgewichts!“ gestellt. „Seit Jahren beschäftigt mich in der abstrakten Malerei die Verbindung von Gegensätzen wie Chaos und Ordnung, Dynamik und Statik, intuitive und geplante Gestaltung, Bewegung und Ruhe. Ausgehend vom intuitiven, chaotischen und meist sehr dynamischen Duktus arbeite ich mich durch das Prinzip der flächigen Reduktion zur bewussten, ordnenden Komposition“, so die Künstlerin selbst. Ziel ihrer Arbeiten sei die Verbindung und das Gleichgewicht der Gegensätze und somit der einzelnen Bildebenen. „Das Leben bedeutet Chaos. Aber in der Ruhe liegt die Kraft“, deutete Schneider-Stöckl Brauns Werke. Dabei nutze sie sowohl zeichnerische Elemente als auch die Vielfältigen malerischen Möglichkeiten, welche die Acrylmalerei bietet, also Lasur, Druck, Bürsten- oder Spachteltechnik, Sand oder andere strukturierende Materialien. „Erst das richtige Gleichgewicht lässt die Spannung all dieser Gegensätze entstehen“, sagt Braun. Und damit ist auch genauso auf den Punkt gebracht, was die Ausstellung als Gesamtes auszeichnet: Bis an die Grenzen von figurativ und abstrakt und darüber hinaus, mit der Möglichkeit zur eigenen Interpretation. Dem Geheimnis der Kunst kann man schließlich nur nahe kommen, ein komplettes Begreifen wird sich stets entziehen - und das ist gut so, denn nur so behalten Kunstwerke ihren Zauber.

Die Ausstellung ist bis zum 23. März im Hollerhaus zu sehen, immer samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter 08178/4408.
Hollerhaus Irschenhausen, Neufahrner Weg 3, 82057 Irschenhausen/Icking, Hollerhaus-Irschenhausen@remove-this.t-online.de