Von Andrea Weber
Sieglinde Meythaler liebt altes, verwittertes Holz, weil das ein Eigenleben hat, findet sie. Als Bildhauerin will sie diesem Naturmaterial jedoch ein zweites Leben geben, obwohl sie weiß, dass das alte Holz sich charakteristisch vom Menschen nicht so leicht verändern lassen will. „Das Holz will leben und ich auch.“ So sucht die Künstlerin einen Kompromiss und findet ihn, indem sie dem Holz seine alten Strukturen lässt und ihre Intention mit Form- und Farbgebung einfach darüber legt. Markbereichsleiter der Sparkassenfiliale Wolfratshausen, Herbert Weiss, beeindruckt die Kombination aus Form und Farbe.
Seit zwei Jahren geht die Bildhauerin häufiger weg vom Skulpturalen hin zum Bildhaften. Sie will jetzt mehr als in der Vergangenheit der Farbe Raum geben. Neben ihren feingeschliffenen Holzfiguren, die oft weibliche Rundungen aufweisen und sich sanft anfühlen, sowie ihren brachial mit der Kettensäge aufgelösten, fächerartigen Stehlen, stellt sie nun auch Bilder her, die aussehen, als wären es mit Pinsel aufgetragene Kompositionen auf Leinwand – zumindest aus der Ferne. Vom Nahen allerdings – wie soll das auch bei einer Holzbildhauerin anders sein – bleibt die Basis des Motives altes Holz.
Meythaler schafft die abstrakte Komposition aus sogenannten Multiplexplatten. „Es sind Schichten zusammengeleimter Sperrholzplatten.“ Diese Platten lässt sie im Freien verwittern und wartet solange ab, bis sich die Leimschichten lösen. Danach reißt sie die einzelnen Schichten händisch mit roher Gewalt auseinander. So entstehen kleine, eingerissene Holzplättchen mit ausgefransten Rändern und willkürlichen Formen.
Die Künstlerin lässt dem Sperrholz seine haptische Struktur und die natürlichen Farben, die vom hellen Naturton bis ins vermoderte Schwarz reichen. Für die Komposition ihrer Bilder verlässt sich die Künstlerin auf ihr Bauchgefühl und lässt zumindest teilweise entstehen, so wie sich die Holzplättchen eben aneinander fügen wollen. Noch mehr charakteristische Ecken und Kanten gibt sie den Bildern durch Bleistift- und Silberstiftbemalungen. Je nach Härtegrad der Minen entwickeln sich so schattierte Flächen, die die Konturen hervorheben und den Ausdruck schaffen.
Manchmal fügt Sieglinde Meythaler auch verrostete Metallteilchen und anderer Fundstücke aus der Natur ein. Bei der Bearbeitung ihren Skulpturen und ihrer Holzbilder geht die Künstlerin im Grunde nicht zimperlich vor. Ihr Basismaterial Holz muss rohe Kraft über sich ergehen lassen, so wie Meythaler daran reißt und sägt. Doch erstaunlich ist am Ende das feine künstlerische Resultat. Es ist das zweite Leben, das die Künstlerin den Holzstücken gibt.
Neue und ältere Holzkunstwerke von Sieglinde Meythaler sind in der Sparkassenfiliale Wolfratshausen (Sauerlacher Str.) noch bis 22. Oktober ausgestellt.

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