Nicht nur eine Ergänzung, es ist eine gegenseitige Intensivierung, die Besucher derzeit mit Werken zweier Künstlerinnen in einer Ausstellung im Tölzer Stadtmuseum erleben können.
Aktuelle Arbeiten aus regionaler Tradition
Von Claudia Koestler
Bad Tölz, 5.12.2013 – Unter dem Titel „Gewachsen, geschaffen und sehr geliebt - Aktuelle Arbeiten aus regionaler Tradition mit der Ästhetik des Natürlichen“ stellen dort derzeit die beiden Reichersbeurer Künstlerinnen Birgit Niedernhuber und Lioba Siemers aus. In den ausschließlich großformatigen Bildern von Siemers werden Detailstudien von Blumen und Gräsern, von Flora und Fauna in übergroßen Ausschnitten zu Symphonien der Farben, der Stille und der Begeisterung.
„Die Farb- und Formenfülle unserer Umgebungsnatur begeistert in ihrem Lebenszyklus“, sagt Siemers. Unabdingbar ist dabei das Mittel der Übertreibung für sie: „Ein kleines Selbstverständnis wird übergroß. Abstraktionen führen bis zur monochromen Fläche, ohne ihre Herkunft zu verleugnen. Impressionistische Fülle entsteht und die schnelle Geste fängt Bewegung ein“, so die Künstlerin. Der Malerin gelingt es dabei, nicht zu analysieren, sondern anderes sichtbar zu machen, das der Natur neben ihrer Oberfläche anhängt. Die Wiederbelebung des Genres der Landschafts- und Naturdarstellung scheint ihr zudem gerade in der heutigen Zeit besonders wichtig zu sein. „Wir entfremden uns von der Natur. Und damit auch ein Stück weit von uns selbst“, so Siemers.
„Hier muss ich nicht vorher die Form überlegen, die Natur gibt vor und ich hole dann nur die Details heraus“
Die Wirkung der Bilder wird noch intensiviert durch die geschickte, passende Platzierung von Niedernhubers Skulpturen aus Wurzeln und Stein im Raum. Die filigranen, aber raumgreifenden Formen bestechen durch ihre Anmut und Ausdruckskraft. Anders als in ihren vorherigen Arbeiten aus Bronze geht die Künstlerin hier nicht konzeptionell vor: „Hier muss ich nicht vorher die Form überlegen, die Natur gibt vor und ich hole dann nur die Details heraus“, erklärte sie. Manchmal auch zur eigenen Überraschung, welches Wesen sich in einem solchen Wurzelstock oder Stück Treibholz verbirgt. Mal schnitzt Niedernhuber die Gesichter heraus, mal sorgt ein Hauch Farbe dafür, dass Wesen und Charakter der Skulptur sich herausschälen, etwa als „Träumerin“, als „Fortuna“ oder als Musiker, die sich dann zu einem ganzen Orchester zusammenfinden. Ihre Werke haben etwas Ungebändigtes und Ungezüchtetes. Denn Niedernhubers Blick nimmt nichts, wie es scheint, sondern fahndet nach den Geheimnissen, die sich in den Erscheinungen verbergen. Und damit verleihen sie auch den Bildern Siemers´ eine weitere Dimension. „Wir hoffen, die Arbeiten bescheren Augenblicke, die das Herz berühren“, schloss Siemers. Davon kann sich das Publikum noch bis 8.12.2013 selbst im Tölzer Stadtmuseum während der regulären Öffnungszeiten überzeugen.





