Geltinger Kulturtage „PiPaPo“ 2015
Jazzig, bairisch, sexy: „Die Drei Damen“
Von Thekla Kraußeneck
Gelting, 30.11.2015 - Assunta Tammelleo ist völlig aus dem Häuschen. „Die sind eine Dimension für sich!“, sagt die Wirtin des Geltinger „Hinterhalts“, legt die Hände um den Mund und jauchzt vor Begeisterung. Denn auf der Bühne spielt sich am Donnerstag das Highlight der Geltinger Kulturtage „PiPaPo“ ab: „Die Drei Damen“ geben eine Vorstellung der Extraklasse – chillig, groovig, jazzig, sexy.
Die gut 90 Besucher geben Tammelleo recht, spenden spontanen Applaus, jubeln, noch bevor die Songs enden. Obwohl sich das Publikum redlich Mühe gibt, das unvermeidbare Ende hinauszuzögern, geht der Abend viel zu schnell vorüber: Dreimal noch müssen Jazz-Sängerin Lisa Wahlandt, Bassistin Christiane Öttl und Pianistin Andrea Hermenau nach einer großartigen Show für Zugaben auf die Bühne kommen, ehe sie ihren Zuhörern zu fortgeschrittener Stunde mit einem Schlaflied endgültig Gute Nacht sagen.
Schier unerschöpfliche Kreativität, gutes Gefühl für das perfekte Timing und charismatischer Humor
In dem zweistündigen Konzert beeindrucken die Damen mit schier unerschöpflicher Kreativität, einem guten Gefühl für das perfekte Timing und einem charismatischen Humor, dem sich niemand entziehen kann. Gespielt werden Eigenkompositionen und Cover-Songs bekannter Klassiker und moderner Radio-Hits – so gleich zum Einstieg „Abracadabra“ von der Steve Miller Band, später „Time after Time“ von Cyndi Lauper und als eine von drei Zugaben „Count on Me“ von Bruno Mars. Für „If A Song Could Get Me You“ von Marit Larsen greift Wahlandt zum Kinder-Xylophon, um die für das Trio typisch zwanglose Version des Songs mit ein paar glockenhellen Klängen zu perfektionieren.
Danach sinkt Wahlandt auf einen Stuhl: Anstrengend sei das Spielen eines Instruments ja schon, seufzt sie kokett. Und Bassistin Öttl beginnt, um die Pause der Sängerin zu überbrücken, im erdig-bairischen Dialekt von Bauarbeitern zu erzählen. „Im Freien arbeiten oft Menschen, meistens männlich, im nicht-akademischen Bereich“, sagt sie mit einem vielsagenden Lächeln, „und wenn Frauen an ihren Arbeitsplätzen vorbeikommen, bekundet die erste Gruppe durch akustische Lautäußerungen ihre Bewunderung.“ Dem wollten die Damen nun etwas zurückgeben: mit der verschmitzten Eigenkomposition „Monsieur“. „Ich seh dich die Straße entlang geh’n, was soll ich sagen, ich kann gar nicht genug seh’n“, raunt Wahlandt, begleitet vom träumerischen Seufzen ihrer Kolleginnen. Denn wenn „Monsieur“ braun gebrannt und mit spielenden Muskeln das Gerüst aufbaue, dann sei dieses Bild – „o là là!“ – für Frauen gemacht, „und ich sehe reinen Herzens zu“.
„Ich finde, wir haben jetzt genug über Männer gehört“, sagt Öttl dann, „in der Welt kann es auch mal um meine Bedürfnisse gehen.“ Sie persönlich wäre ja sehr gerne reich: „Geld macht ja nicht glücklich, aber gar kein Geld macht gar nicht glücklich.“ Deshalb, so der sympathische Rat an das Publikum, solle dieses doch ein paar CDs kaufen, denn dadurch hätten die Damen mehr Geld und ein schöneres Leben, was wiederum in bessere Musik mündete, die dem Publikum zugute komme – „eine Investition in die eigene kulturelle Zukunft“, so Öttl. Nicht nur eine Aufforderung, sondern auch eine Überleitung hin zu einem Tango in h-Moll: „Wenn I amoi reich bin, dann mach ma’s uns schee“, haucht Wahlandt entspannt ins Mikrofon: Fünf Hektar Rosen werde sie haben und so viel Gewand, dass sie ein extra Zimmer brauchen werde. Öttl verzichtet einen Moment lang auf den Bass und imitiert mit ihrer Stimme das Geräusch einer Trompete. „I geb so viele Konzerte und der Eintritt ist frei, denn I muss nix verdienen – is‘ das net schee?“ Vom Meer bis in die Wüste werde sie die Welt sehen, überall hinreisen, wo sie noch nie gewesen sei, singt Wahlandt – bis der Song mit einem gut platzierten, zerknirschten „Nur wann?“ endet, das den spontan auflachenden Zuhörern spürbar aus der Seele spricht.
„Wir hätten auch 160 Karten verkaufen können“, sagt Tammelleo: Interesse hätte es an den Drei Damen nämlich mehr als genug gegeben. Verwunderlich ist das nicht. Es ist spät geworden, als sich die Musikerinnen von ihrem dankbaren Publikum losreißen: mit einem Schlaflied, nach dem, so Öttl, garantiert keine Zugabe mehr gespielt werde. Stattdessen sollen alle in ihrem Gehirn die Aufnahmetaste drücken, um das Lied später, kurz vor dem Einschlafen, noch einmal abzuspielen, „mit den letzten drei Gehirnzellen, die noch aktiv sind“. Ihre Zuhörer sind nach dieser letzten Jazzeinlage jedoch alles andere als schläfrig und lassen das Trio unter lautem Jubel, aber nur sehr widerwillig gehen.
Fotos: Andrea Weber






