Geltinger Kulturtage „PiPaPo“ 2015
Starker Auftritt: Frau Veiglhofers Comeback
Von Thekla Kraußeneck
Gelting, 30.11.2015 - „Mir hat es sehr gut gefallen“, sagt die blonde Frau, die sich über Gabi Lodermeiers CDs beugt, „vor allem mit der Gitarre: eine sehr harmonische Mischung.“ Die einzige Enttäuschung nach einem ansonsten vollkommenen Abend auf den PiPaPo-Kulturtagen im Geltinger „Hinterhalt“: Lodenhofers szenische Lesung „Frau Veiglhofer verpilgert sich“ gibt es noch nicht auf CD. „Schade“, sagt die Frau – sie habe die Scheibe verschenken wollen. Doch Lodermeier findet die richtigen Worte zum Trost: Die abwechslungsreiche Erzählung ihrer Pilgerreise auf dem Jakobsweg sei nicht das einzige, was sie in letzter Zeit geschrieben habe; da warte zu Hause noch einiges darauf, von ihr vertont zu werden.
Rund 70 Zuhörer hat Lodermeier am Freitagabend in der Geltinger Kulturbühne „Hinterhalt“ mit auf die Reise genommen – als Lodermeier persönlich allerdings, obwohl der Titel des Programms laut PiPaPo-Ankündigung ein Wiedersehen mit der profilneurotischen Sekretärin Veiglhofer nahelegte. Den Namen habe sie gewählt, weil „Frau Veiglhofer verpilgert sich“ eben viel besser klinge als „Frau Lodermeier verpilgert sich“ – dann schon eher, so die Kabarettistin: „Frau Lodermeier verlottert langsam.“ Obwohl die frühere „Kanal fatal“-Darstellerin damit schon früh die Lacher auf ihrer Seite hatte, war das, was danach folgte, keineswegs allein für die Lachmuskeln geschrieben: Die Reise über den spanischen Jakobsweg wurde ganz so, wie Lodermeier ihn wirklich erlebt hatte, mal nachdenklich und wehmütig, dann wieder unterhaltsam – auf hohem Niveau.
In einem Spätsommer hatte Lodermeier ihre Sieben Sachen gepackt und war nach Spanien aufgebrochen: Am Somport-Pass, einem der ältesten Pyrenäenübergänge an der Grenze zu Frankreich, sollte die Pilgerreise beginnen – nicht in der weiter westlich gelegenen französischen Stadt Saint-Jean-Pied-de-Port also, in der Hape Kerkeling seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ zufolge aufgebrochen war. Tief im Westen Spaniens, in Santiago de Compostela, der Hauptstadt Galiziens und am Schlusspunkt des Jakobswegs, sollte der rund 800 Kilometer lange Fußmarsch enden. Dass die Reise alles andere als einsam war, merkten die bestens unterhaltenen Gäste des „Hinterhalts“ schnell – schon allein wegen der Herbergen. Keine einzige habe sie unterwegs ausgelassen, sagte Lodermeier, „um meine Belastbarkeit zu testen. Zwischen Zwei-Bett- und 50-Bett-Räumen war alles mit dabei“. Auch Räume für gemischte Geschlechter – bis hinein in die Sanitärbereiche.
Mit unnachahmlicher Treffsicherheit imitierte Lodermeier die vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten, die ihr auf dem Weg begegneten oder sie sogar zeitweise begleiteten. Gleich in der ersten Nacht in einem Schlafsaal für 25 Gäste bezog eine mollige Frau das Bett neben ihr und krächzte erschöpft: „Morgen laufen wir ja 25 Kilometer – wie soll ich das denn nur schaffen?“ Doch die mollige Frau war gar nicht so unkonditioniert, wie sie wohl gedacht hatte: Tags darauf verlor Lodermeier schnell wegen ihrer Langsamkeit den Anschluss an die anderen Pilgerer – kein Wunder, so das frühere Mitglied der Lach- und Schießgesellschaft, „mit Aszendent Schnecke und Kürbis im dritten Haus“.
Als sie dann doch einmal ein Doppelzimmer erwischte und das Glück hatte, eine weibliche Zimmergenossin zu haben, entpuppte sich diese als mit raschelnden Tüten bewaffnete Ungarin, die sich obendrein die vom Wandern geschundenen Füße mit einem Balsam einschmierte, der nach Kaugummi roch. Auf einem Campingplatz begegnete Lodermeier dem Amerikaner Ronald, der unter der Dusche zwischen 800 Jahre alten Mauern und in mystischer Atmosphäre donnernd „We are the Champions“ zum Besten gab. Lodermeiers Erkenntnis: „Wenn Gott in allem ist, dann ist er auch in Ronald.“ Unvergesslich auch Matthias, der fränkische Unternehmer, der in einer Wirtschaft seine nackten Limburger auf einem Hocker platzierte und auf Lodermeiers dezenten Hinweis auf die Etikette tatsächlich einen wieder herunternahm, mit dem Kommentar: „Mei, bist du etepetete.“
Gegen 23 Uhr endete der kurzweilige Abend im „Hinterhalt“, etliche Besucher blieben noch sitzen und unterhielten sich, zum Nachdenken gebracht, über Lodermeiers vielschichtige Lesung – die es zwar noch nicht, aber vielleicht bald auch auf CD zu kaufen gibt.
Fotos: Andrea Weber





