Das Freie Landestheater Bayern mit „Hello, Dolly!“ in der Wolfratshauser Loisachhalle
Liebevoll klassische und humorige Inszenierung
Von Claudia Koestler
Wolfratshausen, 28.4.2015 - Ach, muss Liebe schön sein. Auch wenn „Hello, Dolly!“ so taufrisch ja eigentlich nicht mehr ist. Uraufgeführt wurde das Musical mit Musik und Texten von Jerry Herman schließlich schon 1964, die meisten Zuschauer werden wahrscheinlich eher die Verfilmung von Gene Kelly mit Barbra Streisand und Walter Matthau fünf Jahre später kennen.
Doch muffig riecht der Plüsch noch lange nicht, das belegte die Neuinszenierung des Musical-Klassikers durch das Freie Landestheater Bayern in der gut besuchten Wolfratshauser Loisachhalle. Und das Thema Liebe mit all ihren Irrungen und Wirrungen ist schließlich sowieso zeitlos und immer wieder gerne auf den Bühnen gesehen.
Inhaltlich geht es in „Hello, Dolly!“ um die Fäden, die Heiratsvermittlerin Dolly Meyer (Elisabeth Neuhäusler) aus New York zieht und damit ordentlich Chaos stiftet, bevor es zum ersehnten Happy End für gleich mehrere Paare kommen kann.
Der verwitwete, eigenbrötlerische und vor allem geizige Geschäftsmann Horace Vandergelder (Matthias Degen) aus dem Ostküsten-Provinznest Yonkers will wieder heiraten und sucht deshalb den Kontakt zu Meyer. Dolly, selbst verwitwet, begibt sich dazu persönlich zusammen mit dem brotlosen Maler Ambrose Kemper (Markus Berghausen), der in Vandergelders Nichte Ermengarde (Sandra Amienda) verliebt ist, nach Yonkers und vermittelt Vandergelder eine Verabredung mit Irene Molloy (Simone Werner), einer Hutmacherin in New York.
Doch obwohl Vandergelder seinen Angestellten Cornelius Hackl (Philipp Gaiser) und Barnaby Tucker (Lorenzo Achatz) die Aufgabe übertragen hat, das Geschäft zu hüten, haben die nichts Besseres zu tun als ebenfalls spontan einen Ausflug nach New York zu unternehmen, um ihrerseits Mädchen kennenzulernen.
Ein turbulentes Versteckspiel beginnt, weil zufällig alle im selben Hutgeschäft aufeinandertreffen und später im selben Nobelrestaurant landen, samt der angeblichen Universalerbin Ernestina Money (Monika Reiser), den Freundinnen von Barnaby und Hackl sowie Vandergelders Nichte und deren Verehrer.
Vergnügliche Passagen und quirlige Szenen folgten in der schwungvollen Inszenierung von Michael Kitzeder, der zudem auf teils prachtvolle, meist stimmige Kostüme und schöne Chroeografien setzte. Degen spielte den Eigenbrötler Vandergelder mit sattem Grummeln, aber auch akzentuiert, wenn er selbstgefällig zwischen seinen Befindlichkeiten als misogyner Grobian, gefühlsverwirrter Witwer und eingebildeter Kaufmann pendelte. Elisabeth Neuhäusler sang und spielte die titelgebende Dolly von kokett bis resolut mit kraftvoller Stimme, viel Timbre und großen Gesten.
Auch wenn die Inszenierung auf moderne Referenzen verzichtete, sondern sich an klassisch bewährtem Boulevardtheater orientierte und deshalb so manche Szene auch zu Albernheiten oder gar Klamauk neigte: Diese Einfachheit brachte die Unbeschwertheit des Musical-Klassikers nahe. Geschickt wurden temporeiche und unterhaltsame Elemente gemischt und die Charaktere genussvoll überhöht. Die Leistung des Ensembles war dabei jederzeit überzeugend und jeder Einzelne des erstaunlich großen Cast strahlte Spielfreude aus.
Und auch das Orchester unter der Leitung von Rudolf Maier-Kleeblatt machte seine Sache gut, brachten die Musik stellenweise gar zum duftigen Schweben. Sowohl die Musik, die bei „Hello, Dolly!“ einige zeitlose Ohrwürmer zu bieten hat, wie auch die Choreographien wirkten fließend und akrobatisch. Die Bühne selbst verwandelte sich mit einfachen Mitteln überzeugend vom Kaufmannsladen zum Großstadt-Hutladen, zur Paradenstraße oder zum Edel-Restaurant. Die vielen Auf- und Abgangsmöglichkeiten unterstützten die temporeiche Inszenierung. Die Kostüme entsprachen Ort und Zeit, lediglich die Perücken wirkten manchmal ein bisschen zu viel des Guten.
Dem äußerst vergnüglichen und unbeschwerten Genuss tat es allerdings keinen Abbruch: den minutenlangen Schlussapplaus hatten sich Darsteller und Musiker an diesem Abend jedenfalls verdient.


















