

Buch-Rezension zu „Schäfflertanz & Perchtenlauf“ von Sabine Reithmaier
Auf Brauchtums-Spuren durch Altbayern
Von Fenny Rosemann
Was ist eigentlich ein bairischer Brauch? Wo kommt er her? Das haben sich neun Autoren der Süddeutschen Zeitung gefragt und sich – wie es gute Reporter für gewöhnlich tun – auf den Rechercheweg gemacht. Es sind Geschichten alter Riten, von Menschen und ihrem Glauben, aber auch solche, warum die Tracht Macht hat und wie man in Bayern auf die „letzte Reise“ geht. Das Buch „Schäfflertanz und Perchtenlauf – Lebendige Traditionen und Bräuche in Altbayern“ hat die Süddeutsche Zeitung im Rahmen ihrer Edition 2009 herausgebracht. Vieles darin ist durchaus bekannt, anderes weniger und manches vielleicht gar nicht, wie etwa das „Zuntltragen“ an Ostern oder wer beim Schafkopf der „Brunzkartler“ ist.
Maibaum-Tradition: Mit den „Schwaiberln des Riesentrumm“ hochwuchten
Das Maibaum-Aufstellen ist der Inbegriff bairischen Brauchtums, weit über die Weißwurstgrenze bekannt und ein Leitbild, wenn es um die Darstellung der südlichsten Region Deutschlands geht. Die Autorin Sabine Reithmaier hat sich einen Tag zu den Maiburschen gesellt und den Kraftakt miterlebt, wenn millimeterweise das „Riesentrumm“ – gemeint ist natürlich der weiß-blau-bemalte Baumstamm – mit den Stangen, den sogenannten Schwaiberln“, hochgewuchtet wird. In ihrer Reportage von der „Tradition, die in den Himmel wächst“ lässt sie den Leser an dieser Dorftradition teilhaben, weil sie die Atmosphäre schön beschreibt und die Beteiligten in ihrer Mundart zu Wort kommen lässt. Wer meint, er kennt den Brauch gut, wird staunen, was es da noch für ortsspezifische Details zu erfahren gibt. Ortsspezifisch ist überhaupt viel in Altbayern. Auch in der Tracht gibt es regionale Unterschiede.
Das bairische „Gwand“ ist kein Kostüm
Und eines ist die Tracht auf keinen Fall in Bayern – ein Kostüm. Vielmehr ist das Dirndl schlichtweg das „Gwand“ für den Alltag und das Mieder die Festtagstracht. Bei den Männern spricht man von einer Volltracht, wenn sie die Lederhose tragen. Nun, das ist freilich nur ein grober Anriss. Was hinter all der „Macht der Tracht“ steckt haben die beiden Autorinnen Sabine Reithmaier und Birgit Lotze herausbekommen. Während sich Reithmaier auf die „Identitätssuche in der Hirschledernen“ gemacht hat, besuchte Lotze die Gautrachtenwartin Annamirl Raab in ihrem Münchner Trachtenatelier und ließ sich die traditionellen Feinheiten erklären.
Auf knapp 200 Seiten und mit zahlreichen Bildern führt dieses Buch den Leser durch ein ganzes Jahr voller lebendiger Tradition und ehrbarem Brauchtum in Altbayern. Gemütlich lässt sich in den Geschichten stöbern, etwa wie streng man es mit der Fastenzeit in Bayern nimmt, wie wichtig den Menschen ihre Volksmusik ist oder das Schafkopfen am Stammtisch. Auf jeden Fall beschreibt das Buch ein Volk, das sich mit Lust und Leidenschaft in den verschiedensten Lebensbereichen gerne auf seine ganz eigene Art und Weise inszeniert
Fotos: Fotografien mit freundlicher Genehmigung von Süddeutsche Zeitung GmbH.
Schäfflertanz und Perchtenlauf
Lebendige Traditionen und Bräuche in Altbayern
Sabine Reithmaier
Verlag: Süddeutsche Zeitung
Gebundene Ausgabe
Sprache: Deutsch
19,90 €
ISBN: 9783866157293




