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Ein fulminanter und quicklebendig pulsierender Abend: Die Grandseigneurs Max Greger und Hugo Strasser bescheren als „Swing Oldies“ in der Loisachhalle dem Publikum eine musikalische Sternstunde.

Groovende Gralshüter

Von Claudia Koestler

Wolfratshausen, 19.10.2014 - „Oldie, but goldie“, so sagen Briten, wenn sie meinen, dass etwas mit dem Alter nur besser wird. Das trifft auch auf zwei Legenden der deutschen Swing-Musik zu: Max Greger und Hugo Strasser nennen sich zwar inzwischen kokett "Swing Oldies", doch von betreutem Musizieren oder verstaubtem Erinnern an alte Glanzzeiten konnte bei ihrem Auftritt am Freitag in der Wolfratshauser Loisachhalle keine Rede sein: Knackfrische Bläserblöcke auf schwerelosen Rhythmusteppichen, feinsinnige Pianissimopassagen, kantige Einwürfe und arabeske Melodielinien sorgten für ein quicklebendig und pulsierendes Konzerterlebnis.

Beweisen müssen die beiden längst nichts mehr, und so ist die Motivation, sich den Klassikern und moderneren Arrangements der Big Band-, Jazz- und Swing-Literatur zu widmen, allein der Spaß an dieser Musizierform. Spaß ist allerdings nie die schlechteste Voraussetzung, um etwas Großes zu schaffen. Und Greger wie Strasser kanalisierten genau das: Mit ihnen an Klarinette oder Saxophon blühte der Ton förmlich auf, und mit ihm das Publikum.

Die Luft vibrierte, die Füße der Zuschauer wippten und im Brustraum erzeugte der volle Wohlklang ein mitreißendes Gefühl. Eingespielt, ohne dabei konform zu gehen, zeigten sie sowohl bei rasanten Stücken wie bei den leiseren Tönen pure Spielfreude und souveränen Drive. Nachdem Max Greger Junior am Piano, Andi Kurz am Bass und Arno Haselsteiner am Schlagzeug mit „I got Rhythm" den Einstieg hingelegt hatten, war es zunächst an Max Greger Senior, seine Künste am Saxophon zu zeigen - Moderatorenspäße inklusive. „Ich freue mich, liebe Freunde, heute hier zu sein", erklärte er nach dem ersten stürmischen Begrüßungsapplaus, „und ich freue mich, dass ich endlich wieder einmal in Wolfratshausen zur Besichtigung freigegeben wurde", scherzte er. Musikalisch indes betörte er das Publikum mit seinem virtuosen Saxophonspiel in „Tequila" und „Stardust", ehe er den Staffelstab des Auftritts an Hugo Strasser übergab.

Vor einem halben Jahr habe er seinen 92. Geburtstag gefeiert, ließ Strasser das ungläubige Publikum wissen. „Und seit meinem 85. Geburtstag lasse ich keine Gelegenheit aus, mit meinem Alter zu kokettieren. Das hat auch heute hier wieder wunderbar geklappt", zwinkerte er dem Auditorium zu. Das Strasser sein Alter erwähnte, könnte auch einen anderen Grund gehabt haben: Weder äußerlich noch seinem Spiel merkte man das nämlich an: Seinen feinsinnigen, eleganten, ja sagenhaften Ton an der Klarinette bewies er unter anderem in „Honeysuckle Rose", ehe sich die beiden Grandseigneurs des Swing die Bühne teilten und eine „Sentimental Journey" hinlegten.

Mit feuriger Eleganz

Doch trotz der Zeitreise in nostalgischen Gefilde war der Sound stets erfrischend lebendig. Auch dank der Arrangements von Max Greger junior, der die Gruppe am Piano unterstützte, bekamen die Balladen einen spürbaren Hauch der Illusion und die Uptempo-Stücke richtigen Biss. Doch natürlich war klar, wer den Ton angab: Sowohl Strasser als auch Greger verblüfften immer wieder, mit welch feuriger Eleganz sie die Skalen in den Äther bliesen, abgeklärt und rund phrasiert, kraftvoll und pointiert und voller Spannungszentren.

Nach der Pause glänzten Max Greger senior und junior als Duo mit Ellingtons „Sophisticated Lady" und Strasser kredenzte ein leidenschaftlich-elegantes „Bei mir biste scheen", ehe beide wieder gemeinsam auf der Bühne standen. Immer aber war auch Raum für die Mitmusiker, solistisch zu glänzen, etwa für Hasensteiner in „Caravan". Doch spätestens nach „As Time Goes By", wiederum mit Strasser und Greger gemeinsam interpretiert, war klar, die Zeit vergeht viel zu schnell.

Mischung aus musikalischer Perfektion und kreativer Souveränität

Schon wollten sich die Musiker verabschieden, doch da stand das Auditorium geschlossen auf, um ihren Respekt und Dank auszudrücken und auch ein bisschen Verlängerung zu erbitten. „Eigentlich kann nach stehenden Ovationen ja nichts mehr kommen", wusste Greger. Dennoch: Zu einer Zugabe, nämlich zu „Amazing Grace", ließen sich die beiden schließlich hinreißen. Mit ihrer Mischung aus musikalischer Perfektion und darauf fußender kreativer Souveränität erreichten sie auch hier mühelos das Publikum, das noch gerne mehr eingefordert hätte. Aber wie heißt es so schön in Künstlerkreisen? Man muss das Publikum hungrig lassen auf mehr. Und das „mehr" versprachen Greger und Strasser zum Schluss unmissverständlich: „Passen Sie gut auf sich auf, denn wir wollen Sie wiedersehen, wenn wir wiederkommen, und das tun wir ganz sicher!" Das evouierte noch einmal minutenlangen Applaus und stehende Ovationen.