Das Magazin für das Bayerische Oberland

Von Wilderern, Widerstand und bayerischen Helden

Loisachhalle Wolfratshausen

Von Peter Herrmann

Wolfratshausen, 15.10.2026 – Wilderer, Räuber, Hellseher und ein Märchenkönig: Stefan Kröll holte in der Wolfratshauser Loisachhalle eigenwillige Gestalten der bayerischen Geschichte auf die Bühne. Die Kapelle So & So lieferte dazu die Musik. Rund 200 Besucher erlebten einen Abend zwischen Kabarett, Geschichte und virtuoser Volksmusik.

Resistent gegen preußische Werte

„Die Geschichte Bayerns ist eine Geschichte des Widerstands“, erklärte Kröll gleich zu Beginn. Allerdings sei von dieser Aufmüpfigkeit über viele Jahrhunderte wenig zu spüren gewesen.

Der Kabarettist zitierte aus den Werken des 1477 in Abensberg geborenen Geschichtsschreibers Aventinus, der die Bayern als trinkfreudig, kinderreich und bodenständig beschrieb. Jahrhunderte später gerieten bayerische Eigenheiten und preußische Wertvorstellungen aneinander – zumindest in Krölls Darstellung. „Bayern war das Feindbild für die Aufklärer aus dem Norden“, so Kröll. Um 1840 habe sich das Schimpfwort „Saupreiß“ verbreitet, das sich bis heute gehalten hat.

Ganz anders erging es den bayerischen Wildschützen. Männer wie Georg Jennerwein wurden von der Bevölkerung als Helden verehrt. Den in den Schlierseer Bergen erschossenen Wilderer bezeichnete Kröll als „Brad Pitt vom Leitzachtal“.

Die sechs Musiker der Kapelle So & So begleiteten Krölls Geschichten mit Volksmusik, die stellenweise fast orchestral klang.

Vom Märchenkönig bis zum Laserschwert

Auch der vermeintliche Hellseher Alois Irlmaier und der hingerichtete Räuber Mathias Kneißl gehörten zu Krölls Galerie bayerischer Außenseiter. Für Kneißl wechselte der Kabarettist überraschend ins Englische und sang den Beatles-Song „Happiness Is a Warm Gun“.

Kröll nahm auch den Größenwahn des Märchenkönigs Ludwig II. aufs Korn, ebenso die Leidensfähigkeit niederbayerischer Waidler und die leidgeprüften Anhänger des TSV 1860 München.

Schließlich musste sich sogar der Schmied von Kochel einer unerwarteten Herausforderung stellen: Sein Gegner war ein Star-Wars-Kämpfer mit Laserschwert.

Zum Abschluss rückte die Kapelle So & So noch einmal in den Mittelpunkt. Mit einer virtuosen Interpretation von Hans Söllners „Mei Voda had an Marihuanabam“ erinnerte sie an einen weiteren bayerischen Querkopf.  Damit schloss sich der Kreis zu Krölls Ausgangsthese: Wer sich in Bayern gegen die Obrigkeit stellt, hat offenbar gute Chancen, irgendwann als Held zu gelten.


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