Aus Liebe zur Tradition – Yesim Kazoglu
von Andrea Weber
Musik-Brunch mit Yesim Kazoglu auf den Geltinger Kulturtagen Pipapo im Hinterhalt. Am Sonntag, den 18. November, Beginn 11 Uhr, Konzert ohne Eintritt. Es gibt bayerische Brotzeit und türkische Sesam-Kringel. Im Anschluss spielt Florian Sagner, auch bekannt als Trompeter der Stimulators, und Pianist Hansi Enzensperber im Jazz-Duett.
München/Gelting – Yesim Kazoglu beherrscht die Kemenҫe wie keine zweite Frau, denn dieses traditionelle Saiteninstrument der türkischen Schwarzmeerküste wird nur von Männern gespielt. Seit sie denken kann faszinierte die Deutsch-Türkin, wenn der Großvater den Bogen über die Saiten strich. Als sie das geigenähnliche Instrument mit 14 Jahren zum ersten Mal in der Hand hielt, war ihr klar: „Das will ich auch können.“ Von da an übte sie täglich. Heute verbindet die 20-Jährige in ihrer Musik die Tradition des Morgenlands mit dem Abendland. Dafür hat Yesim Kazoglu, die in Freising geboren ist und in Hallbergmoos lebt, heuer den Tassilo-Preis erhalten. Am Sonntag, den 18. November präsentiert sie ihre Musik zur Mittagsmatinee auf den Geltinger Kulturtagen Pipapo in den Hinterhalt.
Yesim studiert zur Zeit die Lehramtsstudiengänge Französisch, Spanisch und Ethik in München. Sie ist ein weltoffener Mensch, der die Tradition ehrt. Yesim singt mit einer außergewöhnlichen Stimme und interpretiert auf diesem türkisch-griechischen Instrument sowohl moderne, englische und spanische Lieder, klassische Musik sowie traditionelle Klänge. „Ich spiele so, wie man sie an der Schwarzmeer-Region bei Trabzon spielt – aus Respekt.“
Sie tritt inzwischen regelmäßigen auf, nicht um Geld zu verdienen, sondern „aus Liebe zur Tradition“. Nicht der Großvater lehrte sie die Spieltechnik dieser „Urgeige“, die man vor sich im Sitzen auf dem Schoß hält, Yesim brachte sich alles selbst bei. Sie spielt nach Gehör, weil sie keine Noten lesen kann. Die Kemenҫe ist eine bootsförmige Laute mit nur drei Saiten, die mit dem Bogen gestrichen wird. Sie wird auf kulturellen Festen und zu traditionellen Tänzen ausschließlich von Männern gespielt. „Das hat sich traditionell so entwickelt“, erklärt Yesim, „in Bayern spielen schließlich auch keine Frauen in den Blasmusikkapellen mit.“ Die Musik der Kemenҫe-Spieler ist wie ein Frage- und Antwortdialog. In ihren Liedtexten erzählen sie Geschichten aus dem Leben, der Liebe und dem Alltag. „Sie machen lustige Reime zu spontanen Situationen“, weiß Yesim, die noch nie in der Heimat ihrer Familie war und doch spürt, dass ihr Herz dort hingehört. „Ich glaube, das ist der Schlüssel zu meinem musikalischen Erfolg.“
Programm und weitere Infos zu den Geltinger Kulturtagen finden Sie hier.
Vernissage der Kunstausstellung von Kirsten Braun, Andrea Weber und Isabel Heß am 16. November, Beginn 18.30 Uhr. Am Klavier spielt der Königsdorfer Komponist Fredi Auer.






