Das Magazin für das Bayerische Oberland

Längst eine Institution: Das 18. Immobilienforum 2014

Starke Immobiliennachfrage im Oberland

Von Peter Herrmann

Wolfratshausen, 26.10.2014 – Das Bayerische Oberland ist eine gefragte Wohnlage, darunter auch der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Die Nachfrage nach Wohnungen und Grundstücken steigt hier weiterhin, das derzeitige Angebot kann mit der Entwicklung indes nicht Schritt halten. So der Grundtenor der Experten des Immobilienforums, das zum 18. Mal von der Immobilienfirma Schneider&Prell veranstaltet wurde. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführers der IHK für München & Oberbayern Dr. Manfred Gößl und der Immobilien-Prokurist Helmut Lischewski informierten mit Fachvorträgen über die aktuelle Marktsituation. Die rund 100 Besucher im Foyer der Loisachhalle hatten die Gelegenheit zu Gesprächen und Informationen über aktuelle Themen zum Immobilienmarkt.

Wachstum erfolgreich managen

„Die Bautätigkeit der Kommunen im Umland von München ist in den vergangenen 20 Jahren stark gesunken. Gleichzeitig sind die Mieten sowie die Kaufpreise für Immobilien in diesem Zeitraum enorm gestiegen“, stellt Gößl fest. Für einen einfachen Verwaltungsangestellten oder eine Krankenschwester werde bezahlbarer Wohnraum knapp. Als Hauptursache für die sich nach oben entwickelnde Preisspirale nannte der Vize-Hauptgeschäftsführer der IHK für München & Oberbayern den wachsenden Zuzug von Menschen im Großraum München. „Dort werden bis zum Jahr 2030 etwa 260.000 Einwohner mehr als heute leben. Das entspricht in etwa der Bevölkerungszahl der Großstadt Augsburg“, erklärte Gößl. Allein im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen wird in diesem Zeitraum mit 8.700 Neubürgern gerechnet – das entspricht einem Zuwachs von sieben Prozent.

Für die Politik bedeutet diese Entwicklung zweifellos eine große Herausforderung. Als zielführende Maßnahmen forderte Gößl eine Erhöhung der Bautätigkeit sowie den Bau einer zweiten S-Bahn-Stammstrecke, um den öffentlichen Nahverkehr zu entlasten. Dass die wachsende Nachverdichtung nicht jedem Bürger gefällt, sei laut Gößl verständlich. Werde aber der Zuzug massiv eingeschränkt und die Infrastruktur nicht verbessert, würde die Region für Firmen unattraktiv werden. Die von der derzeitigen Regierungskoalition eingeführte Mietpreisbremse und das sogenannte Bestellerprinzip (Vermieter dürften auf den Makler verzichten und ihre Wohnungen selbst vermarkten), hält Gößl dagegen für die falschen Maßnahmen. „Der Eingriff in den Markt bremst die Wohnungsentwicklung. Sie kommt als Mangelwirtschaft nicht voran“.

Der Immobilienmarkt boomt

Anders als in vielen europäischen Ländern befindet sich der Immobilienmarkt in Deutschland immer noch im Aufschwung. Denn das Niveau der Finanzierungszinsen ist nach wie vor  niedrig. „Wir befinden uns hier fast auf einer europäischen Insel, die natürlich auch für ausländische Investoren interessant ist“, erklärt Helmut Lischewski. Der Prokurist des Immobilienunternehmens Schneider&Prell glaubt indes auch, dass die Verkäufer von Grundstücken und Immobilien nicht allzu lange auf einen weiteren Preisanstieg warten sollten. „Niemand weiß genau, was die Zukunft bringt“, so Lischewski. Insgesamt sind die Immobilienverkäufe in den vergangen drei Jahren sogar zurückgegangen. „Aber das liegt daran, dass schon so viel verkauft wurde und nun nicht mehr viel da ist“, sagt Lischewski.

Normale Marktpreisentwicklung

Seit 2009 gebe es mehr Baugenehmigungen als fertiggestellte Bauten. Deshalb sind die Bauträger ständig auf Grundstückssuche. „Das ist eine alarmierende Entwicklung“, findet Lischewski. Laut dem aktuellen Marktbericht der Schneider&Prell Treuhand AG muss derzeit in Bad Tölz für den Kauf einer Neubauwohnung durchschnittlich 3.627 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden. In Wolfratshausen müssen dafür 3.650 Euro und in Geretsried 3.260 Euro investiert werden. „In Wolfratshausen liegen wir in der Spitze schon über 4.000 Euro. Dort gibt es einfach zu wenige Häuser“, rechnet Helmut Lischewski vor. Der Schneider&Prell-Fachmann bezeichnet die derzeitige Entwicklung nicht als Immobilienblase. „Die hatten wir 1990/91 nach dem Mauerfall. Jetzt erleben wir eine normale Marktpreisentwicklung“, sagt der Prokurist.