Die Bio-Metzgerei Packlhof in Eurasburg feiert ihr 25-jähriges Bestehen mit der Neueröffnung ihres Naturkostladens nach großem Um- und Anbau.

Von der Vision zum Bioland-Vorzeigebetrieb

von Andrea Weber

Eurasburg, 13.6.2013 – Zur feierlichen Wiedereröffnung am Donnerstag, den 13. Juni, kamen viele Ehrengäste, darunter Landrat Josef Niedermaier, der Eurasburger Bürgermeister Michael Bromberger, Pfarrer Mario Friedl sowie Familie, Freunde, Gemeinderäte, Kunden und Lieferanten. Viel Lob gab es für die Firmengründer Josef und Regina Urban, die im Familienbetrieb aus einer kleinen Landmetzgerei einen der größten von 6000 Bioland-Betrieben Bayerns gemacht haben.

Auf eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte kann die Familie Urban stolz zurückblicken – mit Recht. Sie waren Pioniere im Tölzer Land, als sie vor 30 Jahren anfingen, Wurst- und Fleischwaren aus eigener Viehwirtschaft rein biologisch ohne Zusatzstoffe auf dem Markt anzubieten. „Es war ein Abenteuer“, bestätigte Firmenchef Josef Urban. Jeden Montag sei er mit einer Kuh zum Schlachter nach Bad Tölz gefahren und musste sich von den Kollegen verspotten lassen. „Kann ma des a essen?“ Urban blieb seiner Vision treu, investierte sein Privatvermögen in die Idee und machte aus seinem landwirtschaftlichen Betrieb mit Metzgerei in Oberherrnhausen einen Vorzeige-Biobetrieb, der heute einen Jahresumsatz von 10 Millionen Euro erwirtschaftet. Heute ist der Naturkostladen Packlhof einer der fünf größten Betriebe in Eurasburg – „durchaus als Bio-Feinkostgeschäft und Vorzeigeunternehmen zu bezeichnen“, honorierte Bürgermeister Bromberger, der die Finanzkraft und Personalgröße dieses Unternehmens für seine Gemeinde von hoher Bedeutung sieht. „Solche Unternehmen bringen Betrieb in den Ort und verhindern totes Wohnstraßengebiet.“

„Viele haben den Weg gesucht, ihn aber wieder verloren. Die Urbans haben es verstanden, sich dem Markt anzupassen“

Mit abgepackten Fleischpaketen im Kofferraum eines Lieferwagens habe einst alles angefangen, erinnert Firmengründer Urban. Heute ist der Packlhof einer der größten Lieferanten von Bio-Fleisch im bundesweiten Naturkosthandel, beispielsweise für Bioland und Alnatura. „Wir hatten Glück, es kamen immer die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt“, nennt Josef Urban sein Erfolgskonzept. Vermutlich liegt es eher daran, dass der Familienbetrieb immer festen Prinzipien folgte. „Viele haben den Weg gesucht, ihn aber wieder verloren. Die Urbans haben es verstanden, sich dem Markt anzupassen“, so sieht das Bürgermeister Bromberger.

„Familie Urban hat Gottvertrauen bewiesen und das richtige Gespür.“

2006 trennte die Familie Hof und Laden und zog mit dem Laden in die Räume nach Eurasburg. Der Hof wurde 2006 an den ältesten Sohn Hans und dessen Frau Kathi übergeben. Das Eröffnungsjahr war allerdings auch das dunkelste Jahr für die Familie, als Sohn Tobias, der den Laden übernehmen sollte, nach schwerer Krankheit verstarb. Trotz dieser schlimmen Tatsache schauten die Urbans nach vorne, mit dem sicheren Wissen, dass ihr Sohn auch so gehandelt hätte. Seit dem Frühjahr 2013 wurde der kleine Bioladen in Eurasburg durch einen Erweiterungsanbau zu einem stattlichen Lebensmittelhandel vergrößert. Die Produktpalette umfasst den gesamten Lebensmittelbereich von Fleisch- und Wurstwaren, Backwaren, frischem Gemüse bis zu internationalen Naturkostprodukten. Neu hat nun auch ein kleines Café geöffnet, mit täglich frischen Backwaren und wechselnden Mittagsgerichten. „Ich staunte nicht schlecht, was hier geboten wird“, bestätigte auch Landrat Josef Niedermaier – einer der Ehrengäste auf der Eröffnungsfeier am 13. Juni. Er, der gelernte Bäckermeister weiß, was es bedeutet, nicht nur Visionen zu haben, sondern sie auch erfolgreich umzusetzen. „Familie Urban hat Gottvertrauen bewiesen und das richtige Gespür.“

Immer mehr Verbraucher wünschen Lebensmittel aus der Region

Die Biobewegung in der Lebensmittelindustrie ist in Bayern immer noch verhältnismäßig klein, mit einem Anteil von nur sechs Prozent, laut der Aussage von Josef Wetzstein, Bioland Landesvorsitzender und Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern. „Das ist viel zu wenig.“ Mit dem Programm „Bioregio 2020“ hat sich die Staatsregierung ein sportliches Ziel gesetzt: Dieser Anteil soll bis 2020 verdoppelt werden, indem in Ausbildung und Marketing investiert wird sowie Forschungs- und Beispielbetriebe unterstützt werden. Wetzstein ist zuversichtlich: „Nach all den Skandalen sind die Verbraucher immer mehr bereit Lebensmittel aus der Region zu kaufen, weil sie wissen wollen, wo die Kuh gegrast hat.“


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Fotos: Andrea Weber, Fenny Rosemann