Wirtschaftsforum Oberland, IGG und UWW
Sicherheitsfaktor Mensch – Maßnahmen gegen Wirtschaftsspionage
Von Peter Herrmann
Wolfratshausen, 12.3.2014 – Zur Vortragsreihe „Risk Management für Bayerische Unternehmen“ lud das Wirtschaftsforum Oberland, die Industriegemeinschaft Geretsried (IGG) und die Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen (UWW) am Donnerstagabend ins Krämmel-Forum ein. Florian Seitner vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz führte den rund 40 Zuhörern die Methoden der Wirtschaftsspionage vor Augen und gab Tipps, wie Unternehmen das Risiko minimieren können.
Know-how-Schutz
„Der Faktor Mensch ist entscheidend. Wer sich in Sicherheit wiegt, kann böse Überraschungen erleben“, sagt Florian Seitner. So setzen sich Firmen, die in sogenannten Schwellenländern unternehmerisch tätig sind, einer besonderen Gefährdung aus. Um Kosten für eigene Entwicklungen oder Lizenzgebühren zu sparen, beschaffen sich andere Unternehmen oder Nachrichtendienste das technische und wissenschaftliche Know-how für die Herstellung eines Produkts beziehungsweise über spezielle Fertigungstechniken.
Aber auch Investitionen sowie Absprachen und Zusammenschlüsse von Unternehmen sind von hohem Interesse. „Während große Konzerne über umfassende Schutzkonzepte verfügen, unterschätzen viele mittelständischen Betrieben leider die Gefahren der Spionage“, erklärte Seitner. Wegen des schnellen technischen Fortschritts seien ganzheitliche Konzepte zum Schutz von Know-how dort nur unzureichend vorhanden.
Externe geraten durch sogenanntes „Social Engineering“ an sensible Informationen
Vor allem die Mitarbeiter und deren Umgang mit sensiblen Informationen stellen eine potenzielle Gefahrenquelle dar. So gelangen Externe durch sogenanntes „Social Engineering“ an sensible Informationen. „Es ist kaum zu glauben, was Menschen in sozialen Netzwerken wie z. B. Facebook oder Xing verraten“, wundert sich Seitner. Sogar die Lounge am Flughafen mit WLAN-Anschluss kann ein Sicherheitsrisiko darstellen, wenn der neugierige Nachbar über die Schulter schaut oder sich geschickt in das betreffende Netzwerk einloggt. Seitner empfiehlt, auf Auslandsreisen nur eigene Kommunikationsmittel und Datenträger zu nutzen. Ein Laptop, auf dessen Festplatte alle wichtige Daten des Unternehmens – die sogenannten „Kronjuwelen“ – gespeichert sind, sollte erst gar nicht mitgenommen werden. Seitner präsentierte zur Untermauerung seiner Thesen einen mit versteckter Kamera aufgenommen Kurzfilm, in dem ein chinesischer Zimmerservice den Raum eines Geschäftsreisenden gründlich durchsuchte.
Bericht eines Betroffenen
Thomas Breuer, Geschäftsführer der BF-Maschinen-GmbH, berichtete nach Seitners Vortag über ein skurril anmutendes Erlebnis während mehrerer Geschäftsreisen nach China. Ein Konkurrent aus dem Reich der Mitte, ging mit einem Angebot auf dem Markt, das größtenteils Insiderwissen seines Unternehmens beinhaltete. „Die haben ganze Textpassagen fast 1:1 kopiert“, wundert sich Breuer. Nachdem er beim bayerischen Verfassungsschutz anrief, sei er „bis in die Haarspitzen sensibilisiert gewesen“. „Wir haben große Sicherheitslücken entdeckt, zum Beispiel beim IT-Zugiff über USB-Sticks“, erklärte Breuer.
Vorsicht beim Onlinebanking
Im Rahmen einer abschließenden Fragerunde erkundigte sich IGG-Vorsitzender Jochen Pelz nach den Risiken des Onlinebankings. Florian Seitner verwies auch hier auf den Sicherheitsfaktor Mensch. Benedikt Fischer von der Firma ACP-IT-Solutions riet: „100 Prozent Sicherheit gibt es heute nicht mehr. Das Risiko der Wirtschaftsspionage kann aber durch viele Maßnahmen minimiert werden.“








