Oberland.de im Gespräch mit Wolfgang Wittmann, der ab 1. Juli die Geschäftsführung der „Europäischen Metropolregion München e.V.“ übernimmt.
„Wenn München stark ist, dann sind auch die Regionen stark“
von Andrea Weber
München, 19.4.2013 - Elf Jahre war Wolfgang Wittmann in Geretsried in seiner Position als Wirtschaftsförderer derjenige, der die Wirtschaft dieser größten Stadt des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen ankurbelte und der mit zahlreichen Veranstaltungen und Maßnahmen dafür sorgte, dass sie mit einem modernen Image nach innen wie außen bekannter wurde. Als er zum ersten Mal nach Geretsried kam, habe er „kein Zentrum gefunden“, erinnert er sich. Vieles hat sich seither in Geretsried geändert. Das ist auch ein Verdienst des heute 43-jährigen Diplom-Kaufmanns. Wolfgang Wittmann wechselt als Geschäftsführer zum 1. Juli in die „Europäische Metropolregion München e.V.“. Oberland.de sprach mit dem gebürtigen Oberpfälzer, der mit seiner Familie in Starnberg lebt, über die Herausforderungen und seine beruflichen Ziele.
Sie haben Betriebswirtschaft in Regensburg studiert (1991-1997) und ein freiwilliges Praktikum auf den Philippinen absolviert. War diese Zeit für Ihren beruflichen Werdegang richtungsweisend?
Ja, durchaus. Ich wollte eigentlich ins Personalwesen, aber in dem einen Jahr in Manila stellte ich fest, dass Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing meine Themen sind. In Manila wurde ich ins eiskalte Wasser geworfen und durfte lernen, wie internationale Wirtschaftsförderung funktioniert. Ich half dabei, einen Leitfaden für deutsche Investoren zu entwerfen und ich lernte viel über Land und Leute. Wie das Schicksal oft spielt, sollte ich auf einem „Oktoberfest“ in Manila als Schlagzeuger bei der niederbayrischen Band „Luis Trinker Höhenrausch“ einspringen. Als Musiker war ich neben dem Studium auf Tour durch Asien unterwegs. Auch diese kulturelle Zeit war prägend für meine berufliche Entwicklung.
Sie sind also kein Personalberater geworden, sondern ein Wirtschaftsförderer und Citymanager. Rückblickend auf die Zeit in Geretsried: Was waren die wichtigsten Projekte?
Die erste Herausforderung war für mich die Umgestaltung des Karl-Lederer-Platzes und der Egerlandstraße, da musste dringend etwas getan werden. Denn das Zentrum ist die Visitenkarte einer Stadt. Wenn das nicht imageprägend ist, dann brauchen wir gar nicht übers Marketing sprechen. Marketing muss authentisch sein, ich muss glauben, was ich sage.
Wichtige Projekte waren für mich die S-Bahn-Entwicklung, Energie, Geothermie und die beiden Bäder Mediterana und Spaladin, aus denen leider nichts geworden ist. Aktuell geht es um die Stadtentwicklung auf der Böhmwiese und die Weiterentwicklung des Gewerbegebiets Gelting. Das sind die großen Infrastrukturprojekte, die man braucht, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Herr Wittmann, ab 1. Juli sind Sie der Geschäftsführer des Vereins "Europäische Metropolregion München", kurz EMM genannt, in München. Was wird dort Ihre Aufgabe sein?
Grundsätzlich ist gut, dass ich weiß, wie eine Stadt tickt, weiß was wichtig ist im regionalen Standortmarketing. Ich sehe meine zukünftige Aufgabe darin, die vielen Regionen rund um München in den Verbund der EMM einzubringen und ihnen einerseits ihre Identität zu belassen und zu fördern und sie andererseits für die gemeinsame Identität einer Metropolregion München zu gewinnen. Darüber hinaus geht es darum, bewusst zu machen, welche Einflüsse die Stadt auf die Regionen hat – positiv wie negativ – und zu lernen, wie man davon profitieren kann. Das große Ziel des Vereins ist es, die Lebensqualität der Mensch zu steigern und auch die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.
Seit wann gibt es die EMM und was hat der Verein für eine Bedeutung?
Die EMM ist aus einer Initiative der großen Städte – München, Augsburg, Ingolstadt – vor 17 Jahren entstanden, um sich in der wachsenden Globalisierung neben den anderen deutschen Metropolregionen zu behaupten. Die EMM will vor allem die Attraktivität des Standortes auf internationaler Ebene aufzeigen. Ob Unternehmen und Fachkräfte bleiben oder sich ansiedeln, hängt viel vom Image einer Stadt ab, wie ist die Infrastruktur, gibt es Universitäten, leben dort viele junge Menschen, gibt es Kultur, gibt es Lebensqualität.
Wie arbeitet die EMM und wie finanziert sie sich?
Es gibt sechs interne Arbeitskreise zu Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, ländlicher Raum, Mobilität und Energie. Darin sitzen sogenannte Multiplikatoren, die Informationen und Wissen mit den Regionen austauschen. Daneben gibt es Kampagnen für z.B. Fachkräfte-Akquise, Netzwerktreffen und jährliche Metropol-Konferenzen. Wie in jedem Verein geht es darum, dass die Mitglieder diese Themen aktiv nutzen oder einfach mitmachen. Der Verein finanziert sich durch die Mitglieder, das sind Einzelpersonen, Gemeinden, Städte, Landkreise und Unternehmen.
Welche Bedeutung hat die EMM für die Wirtschaftsregion Oberland?
Eine sehr große! Die Münchner fahren gerne ins Oberland, um sich dort zu erholen, aber auch um dort zu arbeiten. Deshalb siedeln sich viele Unternehmen und Menschen in der Region um München an. Für Familien ist der Wohnraum günstiger und die Lebensqualität oft angenehmer. Gleichzeitig hat München seine Standortqualität und seinen internationalen Ruf auch den umliegenden attraktiven Regionen mit ihren vielseitigen Angeboten zu verdanken. Wenn München stark ist, profitiert auch die Region davon und umgekehrt.
Was sind Ihre persönlichen Ziele bei der EMM in den kommenden Jahren?
Ich freue mich auf eine fruchtbare Zusammenarbeit mit allen Akteuren und möchte diesen Verein als zugkräftige Organisation weithin bekannter machen. Da sehe ich noch Defizite. Ich möchte attraktive Veranstaltungen und erfolgreiche Marketing-Konzepte kreieren. Für mich war es ein konsequenter Schritt meiner beruflichen Weiterentwicklung, die schlüssig ist aus meinem bisherigen Werdegang. Es hat angefangen mit meinem Studium, mit dem Praktikum in Manila, mit meiner Arbeit hier in Geretsried. Wirtschaftsförderung und Regionalmarketing sind Themen, die sich wie ein roter Faden durch mein Berufsleben ziehen.
Oberland.de dankt Ihnen für das Gespräch und wünscht Ihnen alles Gute für die Zukunft und weiterhin viel Erfolg!
Die Europäische Metropolregion www.metropolregion-muenchen.eu


