Legendäres Bergrennen am Kesselberg – 1. Europäisches Bergrennen für Rennräder, Elektro-Autos und E-Prototypen
von Isabel Meixner
Bergrennen erstmals mit Elektroautos und E-Prototypen
Die Sonne meinte es am Wochenende gut mit den Veranstaltern des Kocheler Kesselbergrennen. Bei sommerlichen Temperaturen trafen sich zahlreiche Motorsportfans an den Ufern des Kochelsees und traten im legendären Bergrennen an. Eine Neuerung gab es im Vergleich zu den vergangenen Veranstaltungen: Erstmals nahmen nur Elektroautos und E-Prototypen teil.
Wie es dazu kam, erklärt Organisator Helmut Renner: „Eigentlich war ein Seifenkistenrennen geplant, doch das hat uns das Landratsamt im Herbst kurzfristig verboten.“ Das Landratsamt hatte Sicherheitsbedenken, und so stellte Renner das Thema Elektromobilität in den Vordergrund des Events. Die Zuschauer konnten sich am Rande der Veranstaltung bei den etwa 25 Ausstellern über das Thema informieren und Elektrofahrzeuge austesten. Renner selbst blieb jedoch seinem ursprünglichen Plan treu und trat mit einer Seifenkiste aus blauen Regentonnen an, in die er einen Elektromotor gebaut hatte.
Die Stimmung war der helle Wahnsinn
Besonderer Blickfang waren die Teslas, die am Nachmittag auf der abgesperrte Strecke Gas gaben. Mit einer Beschleunigung von 3,7 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer sausten die Sportautos an den begeisterten Besuchern vorbei – ohne Motorröhren, lediglich der Fahrtwind und das leise Surren der Autobatterie waren zu hören. Einen besonderen Applaus erhielten die Rennfahrer Ferdinand und Johannes Stuck, die Enkel von „Bergkönig“ Hans Stuck. Sie gingen beim Teslacup als Erste ins Rennen und setzten mit 3:21 Minuten eine Hausmarke. Den Besuchern gefiel das Spektakel, einige von ihnen machten es sich auf den Felsen entlang der Straße in der Sonne gemütlich. Von den Zuschauern war Organisator Helmut Renner begeistert: „Die Stimmung war der helle Wahnsinn.“
Der helle Wahnsinn waren auch die Zeiten, die gefahren wurden: Prinz Leopold von Bayern etwa hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Bestmarke von Hans Stuck zu unterbieten. Dieser war 1936 den Kesselberg in 3:44 Minuten hinaufgerauscht. Prinz Leopold trat in seinem Mini an und ließ sich die Reifen sogar vorwärmen – mit Erfolg: Bereits im ersten der beiden Läufe blieb er mit 3:11 Minuten deutlich unter dem inoffiziellen Rekord. Damit nicht genug: Im zweiten Durchgang legte er noch eine Schippe drauf und unterbot seinen eigenen Rekord um weitere zwei Sekunden.
Dabei ging es nur bei den Rennradlern, die am Samstagvormittag an den Start gingen, um Geschwindigkeit. Als Schnellster fuhr Christoph Köck in 10:47 Minuten die fünf Kilometer lange Strecke, bei der 260 Höhenmeter zu überwinden waren. Unter den Startern war auch Paralympics-Goldmedaillen-Gewinner Wolfgang Sacher.
Bei den Autos ging es im Anschluss um gleichmäßiges Fahren: Es siegten die Teilnehmer, die den geringsten Zeitunterschied zwischen beiden Läufen erzielte. Am besten gelang das Heinz Rabe, der die Kategorie „Serienfahrzeuge“ mit einer Differenz von 0,03 Sekunden gewann. Bei den Twikes war Ulrich Haushofer von der Bürgerstiftung Energiewende Oberland siegreich, dessen zweiter Lauf lediglich um 0,62 Sekunden schneller war als der erste.
Organisator Helmut Renner zeigte sich nach der Veranstaltung rundum zufrieden: „Ich habe von den Teilnehmern und den Anwesenden ein positives Feedback erhalten.“ Schon jetzt habe er erste Anmeldungen für das nächste Kesselbergrennen. Wann das sein wird, wisse er noch nicht. Er versprach nur so viel: „Wir werden das wieder machen.“
Fotos: Hartmut Pöstges


