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Tellertänzer und Strichgesellen – Andrea Weber

Von Bettina Krägenow

4.11.2012 - Immer wieder entdeckt man Augenpaare, die zwischen einem Gewirr aus Bleistiftlinien und Buntstiftmustern frech herausblicken, als ob da jemand aus abstrakten Grafiken herauskriechen möchte. Es sind lustige Gesellen aus Strich und Linien, die an Tiere, Menschen und Phantasiefiguren erinnern. Die Wolfratshauser Künstlerin Andrea Weber kennt sie recht gut: „Sie haben ihr Eigenleben und entscheiden, wann und wo sie auftauchen wollen.“ Ganz unschuldig ist sie daran aber nicht. Sie zeichnet die vielgestaltigen Wesen, die als „Verwandlungskünstler, Strichgesellen und Tellertänzer“ auf dem Papier zu entdecken sind.

Figurenvielfalt der Bilder

Entdecken trifft es besser als betrachten, wenn man durch die Figurenvielfalt der Bilder streift. Immer wieder zeigen sich neue Wesen. „Die Zeichnungen sind nicht überlegt, sie entstehen intuitiv“, sagt die gebürtige Münchnerin, die seit 1999 zusammen mit ihrem Mann Klaus und den beiden Katzen Liesl und Öhrchen in Waldram wohnt und als freie Journalistin arbeitet. Erst seit einem Jahr zeichnet sie diesen Stil, den sie surreale Illusion nennt, und kehrt gewissermaßen zu ihren Wurzeln zurück.

Auch ihr Vater Rudi Sedlmeyr malt und lässt die Motive seiner Bilder intuitiv auf dem Papier entstehen. „Letzten Winter sagte er zu mir: Probier das doch auch mal. Ich nahm den Stift zur Hand, und plötzlich waren die Zeichnungen da.“ Sie sitzt nie lange an einem Bild, zeichnet die Gesellen auf einen Rutsch. Am Anfang waren die Verwandlungskünstler da, dann kamen die Strichgesellen und die Tellertänzer dazu. Mit der Zeit hat sie die Figuren immer feiner ausgearbeitet.
Auch wenn diese Gesellen erst vor Kurzem in ihr Leben getreten sind, begleiten sie die Kunst und insbesondere die Malerei schon lange. „Die Malerei hat stets den Knoten gelöst, wenn mein Lebensweg ins Stocken geriet“, sagt sie. Und das, obwohl die 49-Jährige keinen, wie sie findet, kreativen Beruf erlernte. Sie hat bei Siemens Technische Zeichnerin gelernt. Eine Tätigkeit, die sie in eine sehr technisch geprägte Männerwelt führte und die sie nie wirklich erfüllte.

Den kreativen Ausgleich suchte Andrea Weber dafür in der Malerei.  „Ich begann als Autodidakt und wollte mehr darüber lernen“, erinnert sie sich. Deshalb besuchte sie Anfang der 90er-Jahre in Abendkursen drei Jahre lang die Schwanthaler Kunstschule. Sie probierte viel aus, malte in Aquarell und Öl und widmete sich verschiedenen Motivwelten. Doch es blieb eine Suche. In ihrer Freizeit verfolgte sie noch ganz andere Pläne. „Ich hatte damals immer den Traum von der eigenen  Ateliergemeinschaft , um mit anderen Künstlern Ausstellungen zu initiieren“, erzählt sie. Aber aus dem Projekt, das sie mehrmals intensiv in Angriff nahm, wurde nichts.

Journalistin und Künstlerin mit unverwechselbarem Stil

Zwar half ihr das Engagement über den wenig kreativen beruflichen Alltag hinweg. Doch im Rückblick ist sie froh, dass diese Pläne scheiterten. Sie eröffnete keine Ateliergemeinschaft, blieb bei Siemens und nutzte 1995 dort die Chance für einen Karrieresprung. „Ich wechselte als Assistentin in die Pressestelle.“ Andrea Weber begann zu schreiben. Die Firma bot ihr die Möglichkeit der Fortbildung im journalistischen Bereich, die sie intensiv nutzte. Und sie stellte damit die Weichen für einen völligen Neubeginn. „2006 bot sich die Chance, das Unternehmen mit einer Abfindung zu verlassen. Nach 29 Jahren bei Siemens habe ich mir gesagt: Jetzt fange ich etwas Neues an.“ Sie machte das Schreiben zu ihrem Beruf und startete als freie Journalistin. Sie arbeitet bis heute für die Lokalpresse. „Jetzt habe ich den Beruf, der mir Spaß macht.“

Auch im künstlerischen Bereich hat sie ihren Stil gefunden. Zusammen mit den Malerinnen Kirsten Braun aus Wolfratshausen und Isabel Heß aus Geretsried sowie Assunta Tamelleo stellten sie die ,Geltinger Kulturtage mit Atelier-Café‘ auf die Beine. Von Mittwoch, 14. bis Sonntag, 18. November wird im ,Hinterhalt‘ Bühnen- und Bildende Kunst gemeinsam zu sehen und zu hören sein. Andrea Webers lang gehegter Wunsch, eine Künstlergemeinschaft ins Leben zu rufen und ihre Bilder auszustellen, hat sich erfüllt.

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