Gute Adressen für gehobenen Jazz gibt es eine ganze Reihe: Montreux, Schloss Ilmenau, Saalfelden. Doch auch in Wolfratshausen gibt es mit der Reihe „Loisach Jazz“ längst immer wieder Hörenswertes zu entdecken.
Feuerwerk sprühender Gitarrenkunst
Von Claudia Koestler
Wolfratshausen, 13.5.2014 - Draußen herrschten Frühlingstemperaturen, drinnen ein frischer Wind mit großer Sogwirkung: Am Freitag gab sich das Armin Heitz Trio die Ehre im Foyer der Loisachhalle und bewies, dass man nicht zwangsläufig aus den Vereinigten Staaten oder Skandinavien kommen muss, um erstklassigen Jazz authentisch in Szene setzen zu können.
Sicher, hier sind keine Neutöner oder Jazz-Revoluzzer am Werk. Doch als der Swing-Gitarrist Django Reinhardt vor mehr als 70 Jahren zu seinem eigenwilligen, mit Elementen aus der Sinti- und Roma-Musik angereicherten Stil gefunden hatte, begründete er eine neue Musikrichtung, die zu einer kulturellen Tradition wurde. Wie der Karlsruher Ausnahme-Gitarrist Armin Heitz und seine Mitstreiter den sogenannten Gypsy Jazz heute hegen und pflegen, ihn aber trotzdem in die Zukunft führen und gar mit amerikanischen Mainstream-Jazz virtuos verbinden, das sucht seinesgleichen.
Zwiegespräch und Überraschung
Einerseits bürgt Heitz folglich für den typischen Klang des Zigeunerjazz: Hier der monotone und markant gezackte Rhythmus, da der swingende und pochende Baß und schließlich die mal weich und schmeichelnd klingende, mal flirrende Gitarre. Sobald die ersten Töne der Gitarre erklangen, legte der Meister ein solches Tempo vor, dass es die Zuhörer atemlos machte und mit solch schnellen Handbewegungen, dass das Auge kaum mehr folgen konnte. Bei Heitz´ Spiel vergaß man völlig jene Aura, die dem Gitarrenspiel oft anhängt: Die des akkordbegleitenden Klampfens. Hier hingegen ging es ums Konzertieren im besten Sinne. Und das hieß Zwiegespräch und Überraschung, zarte Delikatesse, ein Schaffen von Atmosphären.
Von Beginn an zündete das Feuerwerk sprühender Gitarrenkunst: Zusammen mit Rhythmusgitarrist Janosch Dörr und Kontrabassist Davide Petrocca konnte Heitz seine reiche Palette an fingerfertiger Gestaltungskunst, an mühelos wirkenden Effekten, an kühnen Oktavgriffen und vielfältigen Klangfarbenabstufungen zwischen furios und ein bisschen intim zeigen, so dass man es kaum wagte, zu atmen und schon gar nicht mit dem Stift auf einem Notizblock zu kratzen.
Bei Heitz klingt Volksmusik frisch und beschwingt, mitreißend und virtuos
Auf der anderen Seite läßt Heitz wie gesagt auch den Mainstream-Jazz, Musette und Latin Standards einfließen. Seine Arrangements sind anspruchsvoll, aber dennoch übersichtlich, wobei er mit einem genüsslichen Augenzwinkern bisweilen anderweitige Themen einarbeitet. Zwei Höhepunkte in der Titelauswahl, die von Reinhardt über Ellington bis hin zu Eigenkompositionen reichte: Charlie Chaplins wunderbar berührendes „Smile“, das in seiner zarten Zerbrechlichkeit nur Robert Downey bisher ähnlich gut interpretiert hat, und „An der grünen Isar“: Ein Gustostück unter den Fingern Heitz, weil es zeigte, dass Volksmusik ganz und gar nicht tümeln muss, sondern frisch und beschwingt, ja mitreißend und virtuos klingen kann. Unter dem Strich spielerische Leichtigkeit, höchste Virtuosität und ein rundum glückliches Publikum, das sich noch eine Zugabe erklatschte.


