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Loisachtaler Bauernbühne präsentierte „Die Bayerische Prohibition“

Zum Glück nur ein Traum

von Andrea Weber

Geretsried, 24.11.2012 – Wie der Bader und der Mesmer am Brandldog den bluatigen Zeher vom Wirt mit Blutegelhirn heilten, war nur eine von vielen originellen Szenen im aktuellen Programm „Die bayerische Prohibition“ der Loisachtaler Bauernbühne. Zum letzten Mal wurde die Komödie am Samstag im Geretsrieder Ratsstubensaal aufgeführt. Das Publikum hat viel gelacht und geklatscht und teils mit Rufen mitgemacht. Großer Applaus für ein gelungenes Volksbühnenstück!

Bevor die eigentliche Komödie in drei Akten von Peter Landstorfer begann, versäumte Wiggerl Gollwitzer, Vorstand der Loisachtaler Bauernbühne, es nicht sein Publikum persönlich zu begrüßen. „Da ham‘ ma heit Gäste aus Botswana und Japan da und sogar Hessen sind gekommen – griaßt Eich miteinand!“. Mit seiner unkomplizierten Art integrierte Gollwitzer das Publikum, so dass es sich für den Rest des Abends als Teil der Handlung fühlte. Und die war kurzweilig und amüsant, und zum Glück ging es ausnahmsweise nicht um die Liebesverwicklungen zwischen Magd, Knecht und Bauer, wie es so oft in solchen Bühnenstücken der Fall ist.

„Mir brennan weida!“

Zur Handlung: Ein neues Gesetz soll im Königreich Bayern die Herstellung, den Verkauf und Verzehr von Schnaps verbieten. Diese Nachricht erhalten Wirt Lois (Georg Steinbichler) und Wirtin Beppi (Monika Schwenger) ausgerechnet mitten in den Vorbereitungen zum „Brandldog“. Ausgiebig wird in der Wirtsstube der neue Schnaps vom Postboten (Max Prestel), vom Mesmer (Wiggerl Gollwitzer) und vom Bader (Franz Foitzik) verkostet, bis die drei stockbesoffen über die Bühne stolpern. Tags darauf sind alle wieder nüchtern und schmieden Pläne, wie sie der langen Kerkerstrafe des Defraudators (Stefan Goller), der zurzeit durch die Wirtshäuser patrouilliert, entkommen. Während sich die Mannsbilder, dazu gehört auch der Graber Schorsch (Florian Roth), einschüchtern lassen, nehmen die Graberin (Katharina Unterholzner), die Pfarrersköchin Afra (Christine Brauner) und die resolute Wirtin den Fall in die Hand und beschließen „Mir brennan weida!“. Ihr Plan ist es, den Defraudator mit dem Brenn-Vorlauf zu täuschen und den guten Schnaps, abgefüllt in Weihwasserflaschen, in der Sakristei zu verstecken. Doch immer mehr gerät die verschworene Dorfgemeinde ins Netz der Gesetzeshüter und schließlich wird ihnen eine Unachtsamkeit zum Verhängnis. Zum Glück entpuppt sich am Ende das Geschehene bloß als böser Traum – hat es doch eine Prohibition in Bayern nie gegeben. In weiteren Rollen spielten der Gendarm (Thomas Schmidt) und der Lehrer (Stefan Goller) – den Epilog führte Regisseur Herbert Penzel.

Laienschauspieler, mindestens so gut wie Profis  

Das Ensemble der Loisachtaler Bauernbühne verstand es, ihre Spielfreude auf das Publikum zu übertragen, das mitmachte, klatschte und Kontra gab, wenn es gefragt wurde. „Gebt’s ma a Ausred‘, warum i b‘suffa im Wirtshaus sitz“, rief Gollwitzer als  Mesmer, respektive „Klingelbeitlschwinga“, ins Publikum. So entstand oft eine, für eine Bauernbühne ungewöhnlich, interaktive Spannung. Zudem heiterten die Volksschauspieler mit originellen Requisitengags auf, wie etwa dem fast lebensecht und zitternden Gummibären-Wurm als Blutegel. Auch das Waschritual des Wirts, der seinen blutigen Zehennagel im Knödelwasser wusch, amüsierte das Publikum. Jeder Schauspieler war ein eigener Charakterkopf und spielte seine Rolle mit viel Enthusiasmus. Besonders sympathisch machte die Truppe, dass sie über kleine Bühnen-Faupax selbst lachen mussten, sind sie doch schließlich alle Laienschauspieler – aber mindestens so gut wie Profis, wenn nicht besser. 

Fotos: Andrea Weber, Fenny Rosemann


Bilderreihe – „Bayerische Prohibition“ mit der Loisachtaler Bauernbühne


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