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Den Mikrokosmos Bayern unter die Lupe genommen: Bruno Jonas erklärt in seinem Soloprogramm "So samma mia" den vernunftbegabten Menschen an sich und den Homo Bavaricus im Besonderen.

Der weiß-blaue Faden ist stets präsent

Von Claudia Koestler
 
Wolfratshausen, 27.10.2013 - Es hat ein bisschen was von Rumpelstilzchen, wenn Bruno Jonas auf der Bühne agiert. Er zischt, er schimpft, er zetert, vergräbt den Kopf in den Händen, um dann wieder verschmitzt dahinter hervorzuschauen. Es ist aber auch eine Krux: Denn der Alltag und die Nachrichten liefern schließlich genug Steilvorlagen, um aus der Haut zu fahren. Oder sich einfach nur noch zu wundern. Und genau das tut Jonas zunächst in seinem jüngsten Programm "So samma mia", das er einer komplett ausverkauften Wolfratshauser Loisachhalle präsentierte.

Da wird beispielsweise diskutiert, ob wiederverheiratete Katholiken künftig zur Beichte dürften oder nicht. "Was sich da bei denen angesammelt hat an Sünde, da wäre aber der Stau vor den Beichtstühlen groß", glaubt Jonas. Außer vielleicht in Limburg, wo er eher Geisterfahrer-Warnungen vermutet: "Achtung, im Dom kommt ihnen ein Bischof entgegen. Treten sie zur Seite und warten sie demütig, bis die Gefahr vorüber ist". Man muss dazu wissen: Jonas verpackt seine Stiche gegen den Alltag und dessen Ausläufer nicht nur in kräftiger Sprache, sondern auch in zünftiger Ironie. Etwa, wenn er den gerade suspendierten Limburger Bischof Tebartz-van Elst verteidigt, der seinen Bischofsitz für über 31 Millionen umbauen ließ: "Er baut halt nachhaltig", findet Jonas. Etwa mit einer Badewanne für 15000 Euro. "Es geht ja nicht um mich, wird er sich gedacht haben, sondern um meinen Nachfolger. Der mag auch mal wissen, wie es ist, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht". Und was seien schon 31 Millionen gegen die Kosten des neuen Berliner Flughafens. Zumal dort Steuergelder vergraben würden, Tebartz-van Elst aber einfach nur das Kirchenvermögen in sicheres Beton retten wollte vor Inflation und miesen Bankenzinsen.

Und schon war Jonas angelangt beim großen Stichwort Vernunft. Genau die unterscheide ja - angeblich - den Mensch vom Tier. "Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen auf zwei Beinen", heiße es. Doch eine Begabung bedeute ja noch lange nicht, dass sie auch genutzt werde. Überhaupt: Manchmal mache das Unvernünftigsein einfach mehr Spaß, kicherte Jonas. Ein Beispiel? "Die Wiedervereinigung", so der Kabarettist. Oder die jüngsten Wahlergebnisse. Grund genug aber allemal, nachzudenken, über die Evolutionsgeschichte von der Urzeit bis heute, vom Affen bis zum Homo Bavaricus, von den Höhlen und Bäumen hin zu Wahlkabinen und Bierbänken unter Kastanien.

Vernunft ist "eine Sache der Betrachtungsweise"

Der niederbayerische Hobby-Anthropologe mit akademisch-humanistischem Werdegang zeichnete Ähnlichkeiten in der Physiognomie des Neandertalers bis zum heutigen Niederbayern nach. Vorwiegend aber ging es um Fragen, und zwar gleich die ganz großen: Wie wir wurden, was wir sind. Offenbar ist Vernunft "eine Sache der Betrachtungsweise", genau wie die Evolution. Aus Jonas´ Sicht sei etwa der Vorschlag der Grünen für einen "Veggie-Day" durchaus vernünftig gewesen. Nur sei zu viel damit gewollt gewesen: "Vernünftiger wäre für den Anfang eine "Veggie-Hour" gewesen, vor den Weißwürscht´ um 11". Und wie vernünftig sind 16 Länder im Bund? Noch dazu mit einem wie Berlin? "Das Land Berlin hat 70 Milliarden Schulden. Da wäre mir Zypern im Austausch lieber, das hat nur 18 Milliarden Miese", sinnierte er. Aber: "Man verhält sich oft blöd, um nicht einsehen zu müssen, dass man unvernünftig gehandelt hat. Lieber findet man eine vernünftige Begründung für die eigene Blödheit", so Jonas. Hier lag der Kern des Programms und offenbar auch die Antwort auf die Frage, wer wir sind (und nicht wenn ja, wieviel).

Der Unterschied von Homo Bavaricus zum Homo Sapiens

Viele thematische Felder also beleuchtete Jonas, und auch wenn der rote Faden etwas schwer zu finden war, der weiß-blaue war stets präsent. So ergab sich aus dem thematischen Kaleidoskop ein klares "mia san mia". Und wenn mit solchen Pauschal-Bekenntnissen schon der Unterschied von Homo Bavaricus zum Homo Sapiens klar wird, dann ist Jonas immer noch ein primus inter pares, der Erste unter Gleichen bei den Kabarettisten an der Schnittstelle zur Comedy. Das Publikum jedenfalls goutierte seinen Auftritt mit viel Vergnügen und Applaus.