Gesang zwischen den Welten
von Claudia Mohrherr
Aufkirchen, 25.3.2011 - Können Sterbelieder Lust auf's Leben machen? Ja, sie können. Das zeigen die Schauspielerin Marianne Sägebrecht und der Musiker Josef Brustmann ganz eindrucksvoll in ihrem Programm „Sterbelieder fürs Leben“. Am Freitag waren sie damit zu Gast in der Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt in Aufkirchen am Starnberger See.
Genieße den Tag
Andächtig streicht Brustmann über die Saiten seiner Zither und singt von „Brüdern des Sensenmannsraub“ und von „Gräsern, die aus Toten wachsen“. Wer auf „Erlösung“ in den Gedichten hofft, die Sägebrecht mit einer ganz wunderbaren und berührenden Gelassenheit, im Wechsel mit Brustmanns Gesang vorträgt, wird diese dort nicht finden. „Das Leben wenig ist/Schlürft es in vollen Zügen/Es wird euch nicht genügen/Wenn ihr es lassen müßt!“ heisst es in Brechts Gedicht „Gegen Verführung“. In den Versen von Rainer Maria Rilke, Heinrich Heine, Georg Trakl, Josef Freiherr von Eichendorf bis hin zu Robert Gernhardt und Peter Maiwald klingt es nicht viel fröhlicher. Vom „Sterben lernen“ und „verlassen werden“ ist dort die Rede und von der Sehnsucht, dass wir das „gehen“ noch etwas hinauszögern können, und, wenn es denn sein muss, wenigstens etwas zurückbleibt. „Die Blume geht zugrunde, aber der Samen bleibt zurück“ trösten da die Worte von Khalil Gibran.
Zu früh für den Boanlkramer
Es ist der schmale Weg zwischen dem „Hier und Jetzt“ und dem „Drüben“, den Brustmann und Sägebrecht trittsicher gehen. Die beiden Künstler verstehen es ganz hervorragend, auch Dank der ausgezeichneten Auswahl der Texte und ihrem gefühlvollem Vortragen, eine Balance zwischen nachdenklichen und hoffnungsvollen Worten zu finden. Still ist es in der Wallfahrtskirche in Aufkirchen bis zum Schluß, erst dann trauen sich die Zuhörer euphorisch Applaus zu spenden, der wohl auch ein bisschen Dankbarkeit ausdrückt, dass am Ende des einstündigen Programms die Botschaft lautet: Wer lebt, braucht keine Angst vor dem Sterben haben.
Lebensnah und kämpferisch, so kennen viele die Schauspielerin Marianne Sägebrecht aus Filmen wie „Zuckerbaby“, „Out of Rosenheim“ und „Der Rosenkrieg“, wo sie an der Seite von Michael Douglas spielt. Josef Brustmann war über zehn Jahre Mitglied beim „Bairisch Diatonischer Jodel-Wahnsinn“ und ist danach mit der „Monaco Bagage“ aufgetreten. 2004 startete er mit seinem ersten Soloprogramm „Leben hintern Mond“. Musikalisch begleitet wurden die beiden Künstler von Andy Arnold mit Saxophon und Klarinette.




