Zwischenwelt aus Farbe, Form und Fantasie
Text und Fotos von Andrea Weber
München, 28. Juli 2011 – Die Tänzerin und Choreografin Aurelia Baumgartner verbindet in ihrer crossmedialen Performance aus Tanz, Malerei und Videoinstallation die Philosophie mit der Kunst. In der whiteBOX der Kunsthalle in München ging sie mit dem Tänzer Vincenzo Lapertosa und dem Maler Silvio Cattani auf eine Gradwanderung künstlerischer Ausdrucksform.
Ungewöhnlich war auch die Position des Publikums, das sich zu Beginn der Abendveranstaltung entlang der Galerie einfand, im obersten Stockwerk der whiteBox der Kunsthalle München. In kalkweiß getüncht kam die Industrieatmosphäre dieser ehemaligen Lagerhalle noch kühler und sachlich entgegen. Von Zeiten harter Arbeit zeugen Kran- und Hebekonstruktionen, die an diesem Abend in gleißend-grünes Licht gehüllt von der Decke hingen. Aus der Vogelperspektive sollten die Zuschauer in den nun kommenden 60 Minuten die Eindrücke eines crossmedialen Schauspiels aufnehmen, das schaurig und schön zugleich in eine Zwischenwelt aus Gefühl und Fantasie führte.
Aurelia Baumgartner macht in ihrem aktuellen Projekt Gefühlszustände und kreative Schaffensprozesse in Gestik und Ausdruck ihrer Körpersprache sichtbar. Sie wird dabei in einer eindrucksvollen Choreografie von dem italienischen Tänzer Vincenzo Lapertosa begleitet.
Die darstellende Ausdruckskraft der beiden Tänzer wurde per Videoeinspielungen auf der gesamten Tanzfläche untermalt und betont. Szenen abstrakter Kunstwerke wechselten abrupt hinein ins pulsierende Leben realer Straßenschluchten. Von Weltmetropolen ging es weiter in meditativen Stimmung tauschillernder Gräser in der Natur. Diese in Farbe und Bewegung fließende Performance wurde vom Hallenboden nach oben auf die Galerie zur Leinwand des Künstlers Silvio Cattani projiziert. Er schuf live über den Zeitraum der Inszenierung ein großflächiges Kunstwerk und wurde somit zum Bindeglied zwischen Darstellender und Bildender Kunst.
In der Performance, die am Ende noch von drei jungen Künstlerinnen (Lena Allekotte, Raphaela Baumgartner und Janis Fuchs) im Tanz Unterstützung bekam, geht es explizit um die Grundsatzfrage: Gehört die Kunst seinem Schöpfer alleine oder entsteht das Verhältnis von Kunst zur Philosophie in der Wechselwirkung unaufhörlicher Einflüsse?
Aurelia Baumgartner ist ausgebildete Philosophin, Tanzpädagogin und Choreografin und führt in Berg am Starnberger See ihre Schule für Zeitgenössischen Tanz. Ihre Performance unter dem Titel „Configurazione di „Sign-art-our“ trug die Zuschauer weg vom Ort des Geschehens in ein Konstrukt voller Schwingungen aus Farbe, Form und Klang. Am Ende war es für alle schwer wieder aufzutauchen ins reale Leben, wo Emotionen und Fantasie wenig Spielraum haben.
Silvio Cattani www.silviocattani.it
Aurela Baumgartner www.tanzphilosophie.de




