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D'Amato im Schützenhaus Wolfratshausen

Nix los? Von wegen!

von Barbara Semelka

Wolfratshausen, 23.9.2013 – Michel Amato lädt ein am Samstag, 21. September, ab 15 Uhr zur Eröffnung seiner neuen Musikbar „D’Amato im Schützenhaus“ an der Geltinger Straße, und alle kommen: elf Bands mit gefühligen Liedermachersongs über Bossa Nova, Popsongs aus Österreich, fast konzertanter Gitarren- und Saxophon-Musik und entfesselt gespieltem Blues auf Steelstring-Gitarren oder in die Beine fahrender, rockender Latin Folk Musik aus Peru bis hin zu gecoverten und unplugged gespielter Rock- und Pop-Songs einer Bad Tölzer Band. Und natürlich stellen sich schon mittags und erst recht abends die Stammgäste ein, die schon dem Bistro in der Loisachpassage von Amato die Treue hielten, aber auch viele Neugierige. Das Erstaunliche: Ganz junge Leute und Gäste, die gut ihre Eltern sein können, feiern Schulter an Schulter im Lokal und draußen auf der großen Südterrasse so ausgelassen, als wären sie auf dem Oktoberfest in München.

Doch die Hauptrolle spielen bei D‘Amato nicht überschwappende Bierkrüge und Tanz auf den Tischen, sondern die Bands und ihre Musik – ganz so, wie er es sich wünschte. Unmöglich zu sagen, wie viele Leute es sind. Denn es ist ein Kommen und Gehen oder Wiederkommen. Yvonne Effinghausen, die aus Celle nach Wolfratshausen gezogen ist, hat den Ausgeh-Tipp ins Bistro D’Amato von ihrer Mutter bekommen und wurde nicht enttäuscht: „Gutes Essen, nette Leute und immer gute Musik. Einfach klasse, dass es dies in meiner neuer Heimatstadt gibt“, sagt sie und versucht spät abends einen Platz vor der Bühne zu ergattern, auf der die peruanische Straßenband „Wayna Picchu“ mit „Hossa“ und „Arriba, la fiesta“ und allbekannten Hits wie „La Bamba“ oder „Bambolero“ für eine entfesselte Stimmung sorgt, die so niemand den Wolfratshausern zugetraut hätte. „Von wegen nix los in unserer Stadt. Gut, dass es so etwas gibt“, sagt Dritte Bürgermeisterin Christine Noisser, die zum Luft schnappen auf die Terrasse geht. Der Jazz-Trompeter Helmuth Hauck, der ganz in der Nähe wohnt, hält durch im knackvollen Lokal. Er hört den ordentlich Stimmung machenden „Blues-Mans-Corner“ zu, schaut sich um und stellt irgendwie erleichtert fest: „Als älterer Single falle ich hier nicht auf.“ Und tatsächlich amüsieren, singen, klatschen und tanzen bei D’Amato ziemlich erwachsene Gäste und allerlei Jungvolk Seite an Seite, feuern sich an und feiern.

„Gutes Essen, nette Leute und immer gute Musik. Einfach klasse, dass es dies in meiner neuer Heimatstadt gibt“

Michel Amato tut das auch und lässt seine fixe und stets freundliche Bedienungs-Crew mehr oder weniger alleine walten. Denn er hat heute andere Jobs: Stammgäste zu begrüßen und neue Leute willkommen zu heißen, die Bands ansagen und einen Korb voll Dankeschön auszuteilen. An Raphael Aumann zum Beispiel, der die prima funktionierende Technik installierte, aber am Eröffnungstag fast nicht einsatzfähig gewesen wäre. Aumann wurde nämlich von einer Wespe in die Zunge gestochen, und er musste sich in der Kreisklinik eine Infusion setzen lassen. Am späten Abend jedoch ist die Zunge nicht mehr geschwollen, und er kann seinen Job am Mischpult tun. Und wie immer bei Michel Amato, findet sich in seinem großen Freundes- und Stammkundenkreis immer jemand, der einspringen kann wie der junge Hendrik Noeller, der Erfahrung bei der Tonsteuerung in seiner Schülerband gesammelt hat. Michel Amato aber nimmt sich auch Zeit, ganz vorne an der Bühne so richtig abzutanzen. Er kann wohl gar nicht anders. Denn „Wayna Picchu“, die mit hartem lateinamerikanischen Rock, Gitarren, Drums, mehrstimmigem Gesang und unverwüstlichen Partyhits wie „La Bamba“, dermaßen rasant und mitreißend aufspielen, dass es nur ganz Wenige ruhig stehen bleiben. Die anderen singen die Refrains mit wie „Yo no soy marinero, por ti seré“ und lassen die Hüften kreisen, so gut es eben geht bei den vielen fröhlich Feiernden.

„Da bin ich auf den Geschmack gekommen, dass Speisen und Trinken und Musik gut zusammen passen“

Amato begrüßt am Abend auch jene zwei Musiker von Blues-Mans-Corner, die im ehemaligen Bistro zum ersten Mal Musik machten. Der Gastronom und ambitionierte Eventmanager kann sich noch genau erinnern: es war der 29. Januar 2010. „Da bin ich auf den Geschmack gekommen, dass Speisen und Trinken und Musik gut zusammen passen“, sagt er und erhält dafür kräftigen Applaus. Denn dort herrschte kein Redeverbot, was aber diejenigen enttäuschte, die wegen der Musik gekommen waren: vorne Quatschen, hinten nichts hören. Im Schützenhaus aber wird sich dieses Manko nicht einstellen. Denn es gibt zwei Bühnen, eine für Konzerte im Sitzen und aufmerksam zuhören und eine weitere, kleinere im Bar- und Gastraum mit musikalischer Umhüllung der Gäste.

Musikprogramm jeden Donnerstag bis Samstag

Ein Konzertgefühl lässt sich am Nachmittag und frühen Abend genießen. Da nämlich hält sich der Besucherandrang noch in Grenzen und es geht recht familiär zu. Und so kann der 19-jährige Gitarrist, Sänger und Liedermacher Maxi Wagner aus Geretsried seine anrührenden eigenen und einfühlsam gecoverten Hits wie „Knockin on heavens door“ ganz entspannt spielen und wird dabei von den Brüdern Lukas und Fabian aus Garmisch Partenkirchen gesanglich unterstützt. Maxi Wagners Vater Günter, Organisator des bevorstehenden Geretsrieder Kulturherbstes und Erfinder von „Aufstand“, dem Theaterstück über die Sendlinger Mordnacht, das beim Fluss-Festival im Juli für Furore sorgte, schaut sich nachmittags um und stellt fest: „Ich bin begeistert, was aus dem etwas miefigen Schützenheim geworden ist.“ Er sei sich schon jetzt sicher: „Das hier wird gut. Das wird ein Erfolg“ und „Das D’Amato und der Hinterhalt stehen … für Kultur im nördlichen Landkreis.“ Der Liedermacher Willi Sommerwerk, der auf seinen Auftritt wartet und der wirklich guten Band „Bossamore“ und danach der ruhige und gefühlvoll plätschernde Lieder bietenden Labus-Band zuhört, setzt noch einen drauf: „Kultur hat bei D’Amto ein neues Wohnzimmer.“ Michel Amato nimmt diesen Satz strahlend zur Kenntnis, begrüßt einmal mehr Stammgäste und sagt im Vorübergehen, dass er sich auf das Musikprogramm freut, jeden Donnerstag bis Samstag mit musikalischen Pralinen aus der Region oder eben aus aller Welt wie „Wayna Picchu“, die noch einmal am 12. Oktober für Partystimmung sorgen wollen oder eben auch Gastspiele von international auftretenden Sängern und Instrumentalisten. „Ich biete Qualität“, verspricht Michel Amato.


BAR D'AMATO

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