Mit der wunderschönen Operette „Der Vogelhändler“ startete die Wolfratshauser Theatersaison
Fulminanter Start in die neue Theatersaison
von Andrea Weber
Wolfratshausen, 15.10.2013 – Lustig, lebensfroh und mit lauter guten Bühnendarstellern sowie einem hervorragenden Orchester präsentierte das Freie Landestheater Bayern am Freitagabend in der Loisachhalle die berühmte Operette „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller. Für die kunstvolle und moderne Inszenierung erhielt das Miesbacher Ensemble lauten Beifall vom Publikum. Das war ein fulminanter Start in die neue Theatersaison der Stadt Wolfratshausen in der Loisachhalle.
Professionell und detailgetreu war das Bühnenstück ausgefeilt. Mit aufwendiger Kostümierung und einem handgemalten Bühnenbild, das mit seiner pastellfarbenen und reduzierten Gestaltung keinen Moment vom eigentlichen Geschehen ablenkte, konnten die stimmgewaltigen Schauspieler ihr Publikum überzeugen. Die Landschaft im Hintergrund – die hohen Bäume, das Wildschwein, der Tisch und der Stuhl bis hin zum handlichen Sektglas – war auf Holzplatten gemalt. Es entstand eine ungewöhnliche zweidimensionale Illusion, in der das pure Leben tanzte.
„Schenkt man sich Rosen in Tirol“ und „Ich bin die Christl von der Post“ kennt man heutzutage noch so gut wie einst
Für seine berühmte Operette „Der Vogelhändler“ erhielt der Komponist Carl Zeller seinerzeit 1891 bei der Welturaufführung in Wien höchstes Lob. Die Musik ist bis heute weltbekannt. Melodien der Lieder wie „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ oder „Ich bin die Christl von der Post“ kennt man heutzutage noch so gut wie einst. Durch den Rückgang des Bergbaus im 17. bis 18. Jahrhundert mussten sich die Talbewohner in Tirol auf Nischenprodukte im Wanderhandel spezialisieren. So entstand in Imst im Oberinntal die Zucht von Singvögeln. Über den Winter zog man meist Kanarienvögel auf und lehrte sie mit großer Mühe Pfeif-Melodien. Im Frühjahr gingen die Vogelhändler, die sich in Zünften organisiert hatten, mit bis zu 300 Singvögeln auf Wanderschaft durch ganz Europa.
Liebelei und Verwicklungen
Natürlich ist im Bühnenstück der Vogelhändler die zentrale Figur. Adam (Harald Wurmsdobler) aus Tirol hat einen beschwerlichen Weg hinter sich. Mit dem schweren Holzgestell voller Kanarienvogelkäfigen auf dem Rücken ist er nach Rheinpfalz unterwegs, um seine Christl von der Post (Yvonne Steiner) zu ehelichen. Dazu braucht Adam aber eine feste Anstellung und die resolute Christl hat für ihn bereits eine Stellung am Hof des Kurfürsten in Sicht. Mit ihrer Bitte wendet sie sich an den hinterlistigen Baron Weps (Alfred Hörmayer). Doch nichts ist umsonst und die Verwicklungen nehmen ihren Lauf. Weps nutzt die Chance, sein Privatvermögen zu sanieren und verkuppelt seinen Neffen Graf Stanislaus (Andreas Stauber) mit der steinreichen Baronin Adelaide (Elisabeth Neuhäusler), die gerade auf Frankreich zur Kurfürstin zu Besuch ist. Nun geht die Liebelei los. Die Finger mit im Spiel haben die Wirtin Jette (Monika Reiser), die Kurfürstin (Diana-Marina Fischer), der bauernschlaue Dorfschulze Schneck (Fritz Kauderer) und natürlich das ganze Volk (der Chor) drumherum. Doch nach zwei Akten und viel Musik gibt es auch bei einer Operette ein Happy End, und Adam nimmt seine Christl mit nach Tirol.
Ein echter Kunstgenuss
Es war ein gelungenes Bühnenstück mit hervorragend gespielter Musik. Die Musiker sowie die Solisten sind Profis. Im Zentrum des Ensembles steht der Chor aus Laiensängern, die an Professionalität ihren Bühnenkollegen in nichts nachstanden. Es war ein Hörgenuss aus berühmten Liedern wie „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ oder „Ich bin die Christl von der Post“. Auffallend, weil originell schrill, spielte Elisabeth Neuhäusler die Rolle der in die Jahre gekommenen Baronin Adelaide. Mit gespitzten Lippen und überzogener Noblesse war die stinkreiche Dame mit ihrem gezierten Etepetete ein echter Kunstgenuss. Für Elisabeth Neuhäusler, allen anderen Hauptdarstellern, den Sängern des Chors und den Musikern des Orchesters unter Leitung von Intendant Rudolf Maier-Kleeblatt gab es am Ende eines bunten Abends mit viel Humor ein extra Bravo vom Publikum.
Fotos: Andrea Weber, Fenny Rosemann
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