„Der Vorname“ in der Loisachhalle Wolfratshausen
Wortgewaltige Wohnzimmer-Atmosphäre
Von Andrea Weber
Wolfratshausen, 3.3.2014 – Der Ort: Eine Wohnung in Paris. Die Handlung: Ein gemütlicher Abend im Kreise von Familie und Freunden. Der Ausgang der Geschichte: Eine bebende Atmosphäre, eine eskalierende Stimmung, ein Streit zwischen allen Beteiligten. Der Auslöser: Ein ganz spezieller Vorname. Die Gesellschaftskomödie „Der Vorname“ (Originaltitel Le Prénom) in zwei Akten von Matthieu Delaporte und Alexander De La Patellière, in deutscher Bearbeitung von Georg Holzer, war ein herrlicher und äußerst kurzweiliger Theatergenuss mit vielen komödiantischen Facetten, verpackt in die Welt intellektueller Anschauungen und ausgefuchster Konversation. Das war große Schauspielleistung der hochkarätigen Besetzung um Hauptdarsteller Vincent, gespielt von TV-Schauspieler Martin Lindow, bekannt durch seine Titelrollen in „Der Fahnder“ und „Polizeiruf 110“.
Eigentlich sollte es ein ganz entspannter Familienabend in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre sein. Zu Gast bei der Französischlehrerin Elisabeth (Anne Weinknecht) und ihrem Mann Pierre (Christian Kaiser), dem Philologen und Literaturprofessor, sind Elisabeths Bruder Vincent (Martin Lindow), dessen schwangere Lebensgefährtin Anna (Julia Hansen) und Jugendfreund und Orchestermusiker Claude (Benjamin Kernen). Während Elisabeth hastig zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her wetzt und das Abendessen serviert, begrüßt und unterhält derweil Hausherr Pierre die Gäste.
Hinter der intellektuellen Fassade zeigt sich bald kleinbürgerliche Intoleranz. Gefühle, Gefühlsverletzungen, banale Anspielungen und verbale Angriffslust blitzen durch gebildetes Wortgeplänkel über politische Animositäten und literarische Kapriolen. Als Vincent über das freudige Ereignis von der bevorstehenden Geburt seines Sohnes spricht und das Geschlecht verrät ist die Überraschung groß, man will sogleich den Vornamen wissen und beginnt darüber ein unterhaltsames Ratespiel. Als Vincent dann erklärt, dass das Kind Adolphe heißen soll, fällt die Stimmung abrupt auf den Nullpunkt. „Ihr werdet es doch nicht nach dem Führer nennen“, erbost sich Pierre. Und damit beginnt ein Abend, der sich zuspitzt in eine verbale Offensive aus Vorwürfen, Intrigen, Heimlichkeiten, immer schön gedeckelt in intellektueller Konversation, gebildeter Scheinheiligkeit und philosophischem Wissen und Weisheiten. Die Stimmung steigert sich bis zur Eskalation, dabei zieht sich der Spannungsbogen bis zum Zerreißpunkt auseinander.
Diese Gesellschaftskomödie „Der Vorname“ ist eine kleine Kostbarkeit
Alle Mitwirkenden spielten auf einem hohen Niveau, reich an Ausdruck und Aktion. Die große Kunst: ohne Mithilfe von Effekten, Licht, Ton oder Kulissenwechsel hielten sie die Spannung permanent aufrecht. Im Nu war der erste Akt vorbei, in dem sich alles um Beziehungen und damit einhergehende Probleme drehte: Liebe, Rollenverteilung, Arroganz, Hohn und Sticheleien. Diese Gesellschaftskomödie „Der Vorname“ ist eine kleine Kostbarkeit, weil handlungstechnisch aufs Minimalste reduziert, dafür sprachlich wie inhaltlich in allen emotionalen Facetten gespielt.
Die Schauspieler
Christian Kaiser (Pierre) ist in Zürich geboren und spielt seit Jahren auf deutschen Theaterbühnen. Seine einfühlsame Darstellung bringt Kaiser besonders in erzählenden Textcollagen und Dichterporträts zum Ausdruck. Martin Lindow (Vincent) kann neben seiner Fernsehkarriere auf eine lange Theaterlaufbahn zurückblicken.1996 erhielt er den Adolf-Grimme-Preis als bester Schauspieler. Julia Hansen (Anna) wuchs in Afrika auf, studierte an der Folkwang Universität Schauspiel, Gesang und Tanz und spielte an der Seite von Martin Lindow im preisgekrönten Stück „Fettes Schwein“ von LaBute. Anne Weinknecht (Elisabeth) spielte die Schwester Sophie in der ARD-Serie „Um Himmels Willen“ und ist neben der Bühnenarbeit auch als Sprecherin und Moderatorin tätig. Benjamin Kernen (Claude) lebt seit 1999 in Berlin und war in vielen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Nebenbei ist er ein gefragter Synchron- und Hörspielsprecher.
Die Komödie
Die Uraufführung von „Der Vorname“ fand im September 2010 in Paris statt. Aufgrund des grandiosen Erfolgs musste die Aufführung verlängert werden. Seitdem lockt die humoristisch konstruierte Katastrophen-Komödie international das Publikum in die Vorstellungen. Auch die Verfilmung unter der Regie der Autoren Matthieu Delaporte und Alexandre De La Patellière war der volle Erfolg. Nach dem Start (April 2010) besuchten 2,5 Millionen Zuschauer die französischen Kinos. Im August 2012 lief der Film auch in den deutschen Kinos.











