Starke Inszenierung der „Bernauerin“ in Andechs
Aufführung auf den diesjährigen Carl Orff-Festspielen überzeugt durch anspruchsvolle Schlichtheit
„Die Bernauerin“ gehört nach Andechs wie der „Jedermann“ nach Salzburg“, so beschreibt es die Carl Orff-Festspielorganisation. Seit 2000 kehrte heuer erstmals die Neuinszenierung von Marcus Everding und unter der musikalischen Leitung von Christian von Gehren zurück auf die Bühne des Florian-Stadls im Kloster Andechs. Am 19. Juli war die Premiere. In dieser Neuproduktion wurde eines klar – weniger ist oftmals mehr.
Ein schlichter Quader, der einmal als Tisch, mal als Podest und schließlich als Schicksalsrad fungierte, bildete das Zentrum der Bühnenkulisse – mehr war da nicht. Er war der Faden, der durch die Handlung der Oper in zwei Akten und zwölf Szenen führte: Die Geschichte beginnt in einer Badstube in Augsburg. Herzog Albrecht (Florian Fisch) trifft auf die Badmagd Agnes Bernauer (Katharina Kram) und verliebt sich in sie. Er wird vor der unstandesgemäßen Verbindung gewarnt, doch er steht zu Agnes. Albrechts Vater Herzog Ernst ist gegen eine Eheschließung und verurteilt Agnes zum Tode. Als dann die Kirche Agnes als eine Hexe und Buhlerin beschimpft, beginnt auch das Volk gegen sie zu hetzen. Agnes wird verhaftet und in einem Käfig in die Donau gestoßen. Herzog Albrecht will sich rächen, doch dann erfährt er vom Tod seines Vaters und muss das Regiment Bayerns übernehmen.
Nichts an Kulissen-Brimborium lenkte vom Wichtigen ab – dem feinsinnigen Spiel der Darsteller, die mit starken und deutlichen Sprechstimmen präsentierten – dem präzisen und stimmgewaltigen Chor und dem filigran ausgearbeiteten Klang des Orchesters, dass perfekt mit rhythmischer Klarheit spielte.
Wer verschiedene Inszenierungen der Bernauerin kennt, wird bestätigen können, dass diese sehr auf ihr Wesen reduzierte Aufführung mächtig am Gefühl rüttelte. Packend präsentierten die ausdrucksvollen Darsteller starke Charaktere. In der Szene in der Münchner Schenke debattieren die Bürger in altbayerischer Mundart (die „Bernauerin“ ist nach Orff ein „bairisches Stück“) über die Beziehung zwischen Agnes und Albrecht. Einige verurteilen sie als „Badhure“, der Erste Bürger (Winfried Hübner) ergreift Partei für die Baderstochter. Dramatisch war auch die Szenerie mit dem Hexenchor (Markus Fisher, Norbert Heckner, Wolfgang Haas, Till Klewitz, Philipp Wimmer), der mit beschwörendem Gesang, eindrucksvollem Ausdruck und vom Orchester mit allem Schlagwerk unterstützt, den gewaltsamen Tod der Agnes beschreibt: „Itzt stehns auf der Bruckn, itzt stehns auf der Bruckn… Im Wasser die Fisch, die schaugn alle zu… Itzt stessn se`s nein! Itzt kummts nimmer hoch“.
Alle Darsteller, sowie der Andechser Festspielchor unter der Leitung von Christian Meister und das Orchester der Andechser Orff-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters ließen das Publikum in die Handlung eintauchen und führten sie mit purer Ausdrucksstärke und einer wunderbaren Musik in die Zeit Bayerns zurück, als Herzog Albrecht III herrschte – eine Oper so packend und berührend wie es die Geschichte von der Badertochter Agnes Bernauer nicht besser erzählen kann. Das Publikum war begeistert und dankte mit lang anhaltendem Applaus. /red
Weitere Termine
26./27./28./29. Juli 2012
Tickets
http://www.carl-orff-festspiele.de/index.php?id=6
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Fotos: Kloster Andechs - Kulturelle Veranstaltungen




