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Das Metropoltheater mit dem musikalischen Theaterstück "Die Furien" in der Wolfratshauser Loisachhalle.

Ein Panoptikum der stereotypen Weiblichkeit

Von Claudia Koestler
 
Wolfratshausen, 6.5.2013 - Und ewig hockt das Weib. Und zwar auf der Damentoilette, wo sie sich mit anderen ausgiebig auslässt über sämtliche Themen. Vor allem aber über Männer: Wie man sie erobert, wie man sie behält, auszieht, wiedergewinnt, wie man sie ausnimmt oder eben auch mal Rache an ihnen verübt.

Willkommen bei den "Furien", einem musikalischen Theaterstück, das das Münchner Metropoltheater in die Wolfratshauser Loisachhalle brachte. Das Publikum beobachtete dabei die Damen bei ihren praktischen und theoretischen Diskursen über die scheinbar wichtigsten Fragen unserer Zeit: Wie angelt man sich einen Mann? Wie bleibt frau begehrt, wenn die Konkurrenz immer jünger wird? Spielt Größe wirklich eine Rolle beim Mann, wenn das Bankkonto nur prall genug ist? Und wenn Single-Frauen Sex haben können, mit wem, wann und wo sie wollen, wie können verheiratete Frauen dann sicher sein, dass es nicht immer und überall mit ihrem Mann geschieht? Dort, auf der Toilette in Altrosa, liegt das Epizentrum der Frau und ihrer Fragen. Hier versammeln sie sich, tauschen sich aus, und das Publikum sollte dabei laut Ankündigung "die Spezies Frau entdecken und entschlüsseln" können.

Acht angeblich typische Vertreter ihres Geschlechts ließ das Metropoltheater unter der Regie von Jochen Schölch dazu auflaufen: Das naiv-erotomane Blondchen ("Ich war eine Schulbank-Lolita und hatte in Sex eine Eins"), die kreuzbrave Hausfrau, die Burschikose, die Schüchterne auf der Suche nach der großen Liebe, ein leicht angejahrter Vamp, die Verlassene, die ewig Verzweifelte und natürlich eine Klofrau, die das Ganze aus recht abgeklärter Warte sah. Auch wenn sich die acht Damen zunächst noch bezickenkriegten mit Sätzen wie "schöne Zähne, gibt´s die auch in Weiß?", oder "oh Gott, du siehst so aus, wie ich mich fühle": Natürlich gluckten sie spätestens dann zusammen, wenn es um das Eine ging, den Mann, das unbekannte Wesen. Und dabei nahmen sie wahrhaft kein Blatt vor den Mund: offen und ungeschminkt wurden da Wahrheiten enttarnt ("Ein Mann mit einem dicken Bankkonto kann gar nicht hässlich sein"), Unwahrheiten behauptet ("Der weibliche Mund ist ein genitales Echo zum Mann"), gelästert ("Vier Worte, mit der man das Ego jeden Mannes zerstören kann: Ist er schon drin?") und die Dinge beim Namen genannt ("Die ideale Frau ist eine, die sich nach dem Geschlechtsverkehr sofort in zwei Kumpels und einen Kasten Bier verwandelt"). Sie tauschten gegenseitig Tipps darüber aus, wie man Aufmerksamkeit erregt ("High heels tragen, denn je länger die Beine, desto erwartungsvoller der Weg bis zum Schritt"). Und sie übten Choreographien ein, wie man am laszivsten einen Schlüssel aufhebt.

Es wäre schön gewesen, Alice Schwarzer wäre zwischendurch mal in die altrosa Klokulisse geplatzt

Wie Hagelschläge so schnell kamen vor allem im ersten Teil die Pointen und Zoten. Das wirkte bisweilen wie eine Verschmelzung von "Sex and the City" mit einem Altherrenwitzbuch. Die Frage blieb, ob und wie die grob geschnitzten Charaktere eine unerwartete Brechung, Wendung oder Überfrachtung erfahren würden. Doch die Stereotypen, sie blieben bestehen. Und so schälte sich immer mehr eine plakativ-zweifelhafte Aussage des Stücks heraus, dass offenbar eine Frau nur das ist, was ein Mann aus ihr macht - direkt oder indirekt. Es wäre schön gewesen, Alice Schwarzer wäre zwischendurch mal in die altrosa Klokulisse geplatzt. Denn die Grundidee bietet ja einen perfekten Nährboden dafür, all die katzenbergerhaften Klischees einmal ad absurdum zu führen. Was nützt alle Kultur und alle Bildung, wenn der Mensch seinen kleinen Triebe nicht beherrscht, sondern von diesen beherrscht wird? Doch wer will das schon wissen. Das Publikum jedenfalls amüsierte sich auch so.

Solange Frauen nur mit ihrer Außenwirkung auf Männer beschäftigt sind, ist das Patriarchat sicher

Die inhaltlich flache Boulevard-Comedy gewann immerhin durch die schauspielerischen Leistungen und die künstlerischen Mittel, etwa wenn die Verwandlung eines Mauerblümchens zur Monroe mit einem Klobürsten-Ballett der anderen unterfüttert wurde. Auch die musikalischen Einlagen brachten Schwung, etwa, wenn mit voller Röhre "I´m Outta Love" gesungen oder "Neue Männer braucht das Land" gefordert wurde. Kurz gesagt: Männer, aufatmen! Denn solange Frauen nur mit ihrer Außenwirkung auf Männer beschäftigt sind, ist das Patriarchat sicher. Und solange Frauen in dieser Eindimensionalität aufgehen, kann man sich darüber auch noch prächtig amüsieren. Wie hieß es noch in dem Stück? "Die Frau ist schließlich auch das einzige Geschenk, das sich selbst verpackt".


Besucherstimmen

Oberland.de will von den Besuchern wissen, was sie alles obergut finden an Wolfratshausen und seinen Veranstaltungen. Hier lesen Sie, was die Besucher zu „Die Furien“ am 3.5.2013 in der Loisachhalle geschrieben haben. „Hier find ich‘s obergut, weil …“

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