Loisachhalle Wolfratshausen
Die Sehnsucht nach Freiheit
von Thekla Krausseneck
Wolfratshausen, 26.11.2013 – Das Junge Schauspielensemble München zeigte am Freitag eine Vorstellung, die so erschütternd wie ergreifend war: „Die Weiße Rose – Aus den Archiven des Terrors“. Mit ihrer beeindruckenden Darbietung ließen die Schauspieler, so schien es, die jungen Rebellen rund um die Geschwister Hans und Sophie Scholl wiederauferstehen.
Das Drehbuch erzählt die bewegende Geschichte einiger Studenten und einem Universitätsprofessor, die sich Anfang der 1940er Jahre zur Gruppierung „Die Weiße Rose“ zusammenschließen, um sich mutig gegen Hitler zu erheben. Ihre Waffen sind Courage und Intelligenz: Mit Flugblättern appellieren sie an den gesunden Menschenverstand. Als sie 1943 ihr letztes Flugblatt in der Universität auslegen und zwei Koffer voll davon in den Lichthof schütten, werden sie vom Hausmeister überrascht. Dieser verrät die Geschwister, die noch im selben Monat von den Nazis hingerichtet werden.
Das Theaterstück, das in drei Akten vor gut 200 Zuschauern aufgeführt wurde, lenkte das Hauptaugenmerk auf die innere Entwicklung und die Gefühle der Hauptakteure, auf die Schilderung ihrer Wünsche, Träume und Hoffnungen, aber auch die ihrer Ängste, Sorgen und Befürchtungen. Jutta Schubert, die Autorin des Drehbuchs, sagte über ihre Arbeit, sie wollte nicht nur die Geschwister und ihre Freunde, die sich passiv und aktiv am Widerstand beteiligten, würdigen, sondern auch den Fragen nachspüren, wer diese Menschen waren und was sie zu ihrer Handlung veranlasste. Ohne Zweifel: Es ist Schubert auf jeden Fall gelungen, diese Fragen zu beantworten. Die Charaktere der Geschwister Scholl und ihrer Freunde waren überzeugend skizziert, sie wirkten vielschichtig und menschlich. Nah und eindringlich war die Entwicklung mitzuerleben.
In der Münchner Studentenkompanie begegneten sich die beiden Medizinstudenten Hans Scholl (Joachim Aßfalg) und Alexander Schmorell (Thomas Trüschler). Aus der intensiven und ungewöhnlichen Freundschaft der beiden und ihrer kritischen Einstellung zum herrschenden Regime erwuchs der aktive Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Der vor Energie überlaufende, begeisterungsfähige Hans und die emanzipierte, lebensfrohe Sophie (Theresa Hanich) gingen mit der Zeit immer härter mit sich und ihren Freunden ins Gericht. Zweimal hörte man, wie ihnen gesagt wurde: „Du hast dich verändert.“ Sophie griff im Verlauf der Handlung immer häufiger zu Zigarette und Feuerzeug, und Hans drängte den jungen, dreifachen Vater Christoph Probst (Ruben Hagspiel) dazu, ein Flugblatt aufzusetzen, obwohl der sich längst zurückziehen wollte, aus Angst um seine Familie. Die Schlinge aus Angst und Paranoia zog sich ständig merkbar enger. Besonders spürbar war die Entwicklung des introvertierten Willi Graf (Michael Stacheder), der mit der Zeit immer entschlossener wurde. Michael Stacheder brillierte als Regisseur der „Weißen Rose“. Gegen 23 Uhr in der Nacht blieb den Zuschauern der Eindruck, eine Reise in die Vergangenheit unternommen zu haben, in die Nähe einzigartiger Menschen, die man gerne persönlich kennengelernt hätte.
Die Dialoge waren geschliffen, die Handlung klar strukturiert und das Bühnenbild treffend gewählt, denn auch die Ausstattung verlieh dem Stück Tiefe. Da war zum Beispiel das Leitbild des Koffers: Immerzu befand sich wenigstens ein Koffer auf der fast ganz in weiß gestalteten Bühne. Manchmal standen sie einfach nur unauffällig am Rand, als wollten sie dezent an etwas erinnern. Dann wurden in ihnen verbotene Bücher versteckt, später die Flugblätter, die Hans und Sophie Scholl in die Universität brachten. Die Koffer waren Symbol für die Sehnsucht nach einem besseren Leben, nach der Freiheit und einer schöneren Zukunft. Über die sagte Hans: „Wir müssen uns eine Zukunft denken, die besser ist als unsere Gegenwart.“
Das Publikum spendete bereits zwischen den Akten Applaus und gab am Ende der Vorstellung kräftigen Beifall.


















