Puppentheater-Festival „Larizell“ in Dietramszell
Larizell begeistert Jung und Alt
Von Barbara Semelka
Dietramszell, 14.10.2013 - Alles nur Larifari? Von wegen: Das zweite Dietramszeller Puppenspiel-Festival Larizell hat am Wochenende 12./13. Oktober Familienverbände aus der ganzen Region begeistert und für sieben fast schon überfüllte Vorstellungen gesorgt für Kinder ab drei Jahren bis hin zu jugendlichen Fans von kunstvollem Puppenspiel.
Für alle Mitwirkenden haben sich die Hoffnungen erfüllt. Die ehrenamtlichen Veranstalter, der Arbeitskreis Tourismus & Gastronomie und der Kulturverein Dietramszell, wirkten wieder kostendeckend, die Wirtshäuser der Großgemeinde konnten sich Gästen bis aus München vorstellen, und Bürgermeisterin Leni Gröbmaiers Wunsch nach „Lebensqualität durch Zusammenkommen“ wurde für zwei Tage Wirklichkeit.
Lothar Engel erhält für sein Engagement die Auszeichnung „Larizwengel“
Die erste Preisverleihung hat viel Anklang gefunden. Denn der Geehrte, Lothar Engel vom AK Tourismus & Gastronomie, erhielt eine von Puppenkünstlerin Maxi Kiermeier handgefertigte und durch ihre Detailtreue lebensecht wirkende Marionette. Die Preisfigur heißt Larizwengel und stellt das Maskottchen des erfolgreichen Festivals dar: den Kasperl Larizell. Der Tunichtgut selbst trat in den Puppenspielen zwar nicht in Erscheinung, aber viele seiner munteren, listigen, lustigen, schwadronierenden, vorlauten oder schüchternen Kollegen am seidenen Faden oder von Hand gespielt. So wie die Geschichte „Edi Ameise – Oh wei ein Ei“, die Lisa Schamberger und ihre achtjährige Tochter Mona aus Dorfen bei Erding im überfüllten Salettl des Gasthauses Geiger im Ortsteil Humbach aufführten.
Kindgerecht, spannend, gewaltfrei, entspannt, lustig
Einfach zu lustig, das schönste Huhn des Dorfes, das sich trotz zauseligem, braunen Federkleid Schneewittchen nennen lässt, bei seinen Eitelkeiten, Irrungen und Wirrungen zu beobachten. Denn das Huhn will jeden Tag seinen Geburtstag feiern. Selbstredend mit Geschenken, Musik und Party: „Eier für alle, Alle für Eier“. Bald war das Eis bei den kleinen Zuschauern gebrochen und sie spielten mit ganz vorne im Parkett und kicherten, gaben Ratschläge, sangen, klatschten begeistert in die Hände und amüsierten sich genauso wie ihre Eltern und Großeltern auf den hinteren Rängen. Deren Kommentare nach der gelungenen Aufführung: kindgerecht, spannend, gewaltfrei, entspannt, lustig – und nicht ohne Anspruch. Denn es gab auch preisgekrönte Vorstellungen wie vom Klick-Klack-Theater „Die kleine Hexe“ nach einem Buch des berühmten Kinderbuchautors Otmar Preußler, der im Februar gestorben ist. Die Marionetten bewegten sich mit dem Puppenspieler Stefan Beyerer und seiner Frau Silvia aus Niederbayern. Beyerer hat viel Erfahrung sammeln können. Er spielte schon als Zwölfjähriger mit beim Münchner Marionettentheater und später bei der Augsburger Puppenkiste, lernte Holzbildhauer und Schreiner. „Wir machen alles selber: die Figuren, das Bühnenbild, die Texte.“ Es traten noch andere Berühmtheiten auf beim Puppenfestival wie „Don Camillo und Peppone“ von den Puppenspielern Dornerei im Gasthaus Peiß sowie unbekanntere menschliche oder tierische Figuren und Stücke wie „Boulevard of Broken Stars“ vom Klapp-Theater im Gasthaus Baiernrain oder „Mama Muh“ im selben Wirtshaus. Auch einheimische Künstler hatten ihren Auftritt. Darunter Vereinsmitglied und Puppenspieler Ronald Künemund mit „Der Wunderdoktor Seppelinius“ Beim Huber in Linden.
„Wir haben in der Gemeinde viele Künstler. Es sprüht nur so von Kreativität.“
Und genau das bewunderte Bürgermeisterin Leni Gröbmaier bei der Auftaktveranstaltung: „Wir haben in der Gemeinde viele Künstler. Es sprüht nur so von Kreativität.“ Etwas Neues sei entstanden mit dem Wirken der Arbeitskreise und dem Kulturverein. „Der Larizell vermittelt ein leichtes Lebensgefühl und lädt ein zum Zusammenkommen.“ Gerne habe sie auch heuer die Schirmherrschaft übernommen. Dieses Sprühen vermittelte auch Larizell-Teamleiterin Renate Dietz. Zur ersten Preisverleihung sagte sie, dass ein so erfolgreiches Festival auch einen richtigen Preis brauche – eben den Larizwengel, der sich aus Larizell, Zwerg und Engel zusammensetzt und rein zufällig auch einem solchen verliehen wurde: Lothar Engel, der sich laut Laudator Erno Vroonen mit Herz, Engagement und offenen Ohren für alle Sorgen bei der Vorbereitung der Puppenspiel-Reihe hervorgetan habe. Der Preis soll laut Renate Dietz übrigens künftig regelmäßig verliehen werden. Vroonen stellte bei der Auftaktveranstaltung, die die Brotzeitmusi mit jungen Musikanten begleitete, ein neues Vereinsmitglied vor: den Theater- und Filmregisseur Michael Klemm, der mit seiner Frau Nadja erst jüngst aus München nach Dietramszell zog, „weil wir Sehnsucht nach Ruhe und Nähe hatten“, sagte Klemm. Dieser kam mit seinem Nachbarn Künemund ins Gespräch „und es war keine Frage, dass ich mitmache bei diesem Festival“. Der Regisseur leitete früher das angesagte aber inzwischen geschlossene „Scaramouche-Theater“ in Schwabing sowie Künstlerkneipen in Berlin. Derzeit arbeitet Klemm an dem Spielfilm „Pan’s letztes Lied“ das die Michael-Jackson-Verschwörung behandelt und Ende November Premiere in den Kinos hat.
Die Wirtshäuser und Ausflugslokale von Dietramszell haben ihre größten und schönsten Räume zur Verfügung gestellt
Bereitwillig haben die Wirtshäuser und Ausflugslokale von Dietramszell ihre größten und schönsten Räume zur Verfügung gestellt wie heuer zum ersten Mal die Wirtschaft Geiger in Humbach, die ihr uriges Salettl im ersten Stock als Theaterraum herrichtete. Den Weg dorthin wies – wie kann es anders sein – der Kasperl Larizell als kunstvolle zweidimensionale, lebensgroße Holzfigur auf einem Anhänger, der von Ort zu Ort gezogen wurde. Der Kasperl ziert sonst den Larizell-Brunnen, den die Festival-Veranstalter in der Wahlnacht im September aufstellten, den Vandalen allerdings beschädigten aber immerhin zurückbrachten. Der Larizell ist eben ein echter Herzensbrecher.






