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Loisachhalle Wolfratshausen

„Er-Fahrungen“ durch die große, kleine Welt Amerikas

Von Claudia Koestler

Wolfratshausen, 11.1.2015 - Der Moderator, Arzt, Journalist und Abenteurer Dirk Rohrbach durchquerte die USA in 100 Tagen von Ost nach West mit dem Rad und zeigte in der Wolfratshauser Loisachhalle Einblicke in das „Smalltown America“ auf dieser rund 7600 Kilometer langen Tour.

Über 40 Reisen hat Dirk Rohrbach bereits in seinem Leben durch Nordamerika unternommen: Zu Fuß, im Kanu, mit einem Ford-Truck und immer wieder auch auf seinem Fahrrad. Doch die Neugierde auf dieses weite Land mit seinen Eigenheiten und Unterschieden ist immer noch ungebrochen: Rohrbach, den viele vor allem noch aus seiner Zeit als Moderator im Bayerischen Rundfunk kennen, ehe er sein Leben ganz dem Reisejournalismus widmete, stieg deshalb im vergangenen Jahr erneut auf´s Rad: Diesmal auf der Suche nach dem „Smalltown America“, dem Amerika der kleinen Städte und der großartigen Landschaften.

Die Reise führte ihn quer durch die USA „from coast to coast“, von New York bis Los Angeles. Und in seiner Multimedia-Show mit dem Titel „Highway Junkie“ nimmt er derzeit die Besucher mit auf diese Reise. Doch auch wenn der Fokus natürlich auf der Durchquerung der USA lag: Der Trip begann sogar vorher, genauer gesagt vor der Haustür Rohrbachs in Hanau.

New York mit seinen vielen kleinen Stadtvierteln

Mit dem Fahrrad ging es für ihn nämlich erst nach Bremerhaven, und von dort mit dem Containerschiff MSC Uganda nach New York, einer Stadt, die Rohrbach bislang noch nie besucht hatte: „Ich war mir bislang immer unsicher, ob mir die Größe der Stadt zusagen würde, denn ich fühle mich eher auf dem Land und in der Natur wohl“, erklärte er. Umso überraschender für ihn, dass New York mit seinen vielen kleinen Stadtvierteln auch Mikrokosmen bietet. Und noch eine Großstadt lag in den ersten Tagen der Tour vor ihm, Philadelphia, bevor die Städte kleiner und das Land weiter wurden. Teils unerwartet steile Anstiege erwarteten ihn dann in den Appalachen. Und in faszinierenden Bildern hielt Rohrbach die großartige Natur fest, unterlegt nicht nur durch seine Moderationen, sondern auch durch passende Musik.

Ansichten und Einsichten, die verwundern, aber auch inspirieren

Vor allem aber geht es Rohrbach in seinen Reiseerzählungen und Medienshows um die Menschen, die er unterwegs trifft: Zufallsbekanntschaften on the road, Farmer, Künstler, Musiker, Asphaltcowboys, Pioniere und Schrate, die sich entgegen allen Widrigkeiten verwirklichen oder für ihre Überzeugung einstehen, kantig, aber herzlich, inmitten von beschaulichen Orten, die manchmal ihre besten Tage vielleicht schon hinter sich haben mögen. Und das alles inmitten einer rauen, unfassbar grandiosen Landschaft. Ansichten und Einsichten, die verwundern, aber auch inspirieren. Einer der ersten, die Rohrbach dabei vorstellte: „Wild Bill“, ein älterer Herr, der durch Arbeitslosigkeit durch die sozialen Netze fiel und nun in einem Zelt im Wald lebt. Doch trotz der Situation verzagt „Wild Bill“ nicht, sieht sich eher als „Mensch, der Glück hat“, das Leben dennoch bewältigen zu können. Und weil er die Dinge positiv betrachtet, hegt er auch ein Heiligtum: Seine Bikerboots, falls die vielleicht kommende Rentenzahlung doch für eine Harley Davidson reicht.

Herrliche Landschaftsbilder und neue Ansichten bekannter und nicht ganz so bekannter Städte

Etwas weiter traf Rohrbach auf den Erbauer einer riesigen Baumhaus-Kathedrale, der nach langer Arbeitslosigkeit einer Eingebung von Gott folgte. Oder einer jungen Frau, die nach einem verheerenden Tornado in ihr Heimatdörfchen zurückkehrte und half, es wieder aufzubauen – und zwar nach neuesten, ökologischen Richtlinien und Techniken. Alles Typen, die auf ihre ganz eigene Weise ihren Traum von Amerika leben. Dazwischen herrliche Landschaftsbilder und neue Ansichten bekannter und nicht ganz so bekannter Städte: Nashville in Tennessee etwa, wo er am größten Musikfestival im Westen der USA teilnahm und die Schwester von Johnny Cash traf. Oder Branson in Missouri, das eine Mischung von Disneyworld und Las Vegas en miniature ist. Immer auch mit dabei: Geschichte von Boom und Vergänglichkeit, Bilder von verlassenen Ansiedlungen, denen ein melancholischer Charme innewohnt, und immer wieder die endlose Weite der Landschaft: Prärie, Wüste, Gebirge und die schnurgeraden Highways, wie zum Beispiel der Highway Nr. 50, auch einsamste Straße Amerikas genannt. Dieser Highway im Wüstenstaat Nevada war für Rohrbach so etwas wie „die Essenz der Reise durch das Smalltown America“, erklärte er.

Entschleunigt und deshalb so intensiv mit dem Blick ins Detail

In Los Angeles, genauer gesagt am Santa Monica Pier am Pazifik, hatte Rohrbach schließlich sein Ziel erreicht. Das begeisterte Publikum in der ausverkauften Loisachhalle war sich auf jeden Fall einig: Eine herz- und augenöffnende Reise, die unter den Zuschauern selbst die Entdeckerlust weckte. Und ein professioneller Vortrag, der auch ein Statement war für das Individualreisen: Entschleunigt und deshalb so intensiv mit dem Blick ins Detail eines großen Landes, und von dem man mit den schönsten Souveniren überhaupt zurückkehrt: Bilder und Geschichten nämlich.