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Von Wolfratshausen aus in die Welt und als Himmelsstürmer zurück: Der Tänzer, Choreograph und Luftakrobat Dominik Halamek im Portrait.

Dominik Halamek im Portrait

Von Claudia Koestler
 
Wolfratshausen, 22.10.2013 - „Tanz ist ein Telegramm an die Erde mit der Bitte um Aufhebung der Schwerkraft“, diesen Satz prägte einst der große Fred Astaire. Bei der Sportlergala 2013 in der Wolfratshauser Loisachhalle muss es den Zuschauern erschienen sein, als wäre diese Bitte erhört worden: Denn Dominik Halamek und seinem Team gelangen dabei im Rahmenprogramm atemberaubende und innovative Darbietungungen in Sachen Tanz und Luftakrobatik. Was hier an Seilen und Tüchern gezeigt wurde, war gekennzeichnet durch absolute Präzision, verbunden mit einer grazilen Leichtigkeit und perfekter, poetischer Ästhetik. Was wenige wissen: Halamek, der international mit seinen Bühnen- und Showkonzepten unterwegs ist, ist sogar in der Loisachstadt zu Hause.

Vor genau 30 Jahren in München geboren, lebte er mit seinen Eltern zunächst in Geretsried. „Zur Einschulung aber zog meine Familie und ich nach Waldram, wo ich meine ganze Jugend verbrachte. Deshalb fühle ich mich bis heute absolut als Waldramer“, verrät der junge Künstler im Interview. Und genau hier begann auch seine Karriere als Tänzer und Choreograph: „Wie alle anderen Mädels auch wollte meine Schwester, als sie in die Grundschule kam, nachmittags ins Ballett. Und bei der ersten Stunde kommen ja traditionell Eltern und Geschwister mit“, erinnert sich Halamek. Mit seiner Schwester verband ihn immer schon ein enges Verhältnis, „was sie machte, machte ich auch“. Zu dem Zeitpunkt war aber keinem in der Familie bewusst, dass auch Jungs ins Ballett gehen können. Doch als die Schwester ihre erste Ballettstunde hatte und der Bruder tieftraurig nur zuschauen sollte, machte die Ballettlehrerin den entscheidenden Schritt: "Sie fragte, ob ich auch mitmachen wolle, und für mich war klar, ja!"

Leidenschaft zur Profession gemacht

Grundsätzlich waren die Halamek-Geschwister sehr aktiv, lernten Instrumente, Reiten, turnten und tanzten. Doch bei Dominik wurde das Tanzen im Lauf der Jahre mehr und mehr. Als Beruf war es aber zunächst nicht im Gespräch. „Bis zur 9. Klasse wollte ich eigentlich Graphikdesign studieren. Doch meinen Eltern und mir ist dann aufgefallen, dass sich meine komplette Freizeit nur noch um den Tanz drehte“, sagt Halamek. Er nahm teil am Münchner Tanzprojekt, lernte bei Iwanson, am Broadway Dance Center und bei Alvin Ailey in New York. Die Tanzlehrer bescheinigten ihm sein Ausnahmetalent und bestärkten die Familie, die Leidenschaft zur Profession zu machen. Mit 16 Jahren zog er deshalb nach Dresden, um dort seine Ausbildung an der renommierten Palucca-Schule zu machen. Neben der klassischen Ballettausbildung zog es ihn besonders in die Jazz-Richtung. „In den USA ist das eine sehr präsente Richtung, Deutschland macht man es immer weniger, aber von der tänzerischen Ausbildung her ist es ungeheuer interessant“, sagt Halamek. Denn: „Jazz ist viel Choreographie, viel Musikalität und eher Richtung Show“.

„Es war einfach eine fantastische Erfahrung, dass man sich Sachen ausdenken kann, die dann real werden“

Die ersten Grundsteine für seine Choreographen-Laufbahn legte er früh: „Ich hatte immer schon viele Ideen. Mit 14 Jahren etwa hatte ich eine HipHop-Einlage einstudiert für das Sportgeschäft, in dem meine Mutter arbeitet“, erinnert er sich. Doch die Initialzündung für die erste eigene Produktion kam durch einen vermeintlichen Rückschlag: „Im dritten Jahr meiner Ausbildung wollte mich zwar der Choreograph haben, aber meine Schule fühlte sich nicht länger durch mich repräsentiert, weil ich nicht der 1.80-Meter schlanke Theatertänzer bin“, so Halamek. Doch er verwandelte das Negative in etwas Positives: „Mein Vater hat dann gesagt, mach´ Dein eigenes Ding und zeig´, was Du kannst„. Das tat er: Eine Woche nach der Diplomprüfung in Dresden stemmte er mit anderen Studenten zusammen seine erste eigene Aufführung in München. Das Publikum zeigte sich begeistert: „Es war einfach eine fantastische Erfahrung, dass man sich Sachen ausdenken kann, die dann real werden“, freut er sich im Nachhinein.

International gefragt

Und Halamek schuf sich eine Zukunft. Gerade einmal 20 Jahre war der vor Energie nur so sprühende Waldramer da. Heute, 10 Jahre später, ist er selbständiger Tänzer und Choreograph und international gefragt mit seinen Bühnenshows. Schließlich gibt es weltweit überhaupt nur zwei Gruppen, die auf ähnlich hohem Niveau arbeiten wie der Tanzartist mit seinem Team. „Ich habe auch kein Problem damit, kommerziell zu arbeiten“, sagt er. Dabei kam er wiederum fast zufällig dazu, den Raum mehr einzubeziehen in den Tanz durch die luftakrobatischen Elemente. „Ich war im Fitnessstudio zum trainieren und wurde angesprochen von einer Frau, die eine Luftakrobatikgruppe hatte und Leute suchte“, erinnert sich Halamek. Doch zunächst hätte er sich nicht an das Abenteuer gewagt. Doch nachdem er der Truppe einen Besuch abstattete, war klar: „Wenn ich das lernen darf, sehr gerne!“ Und er lernte: Wie man sich grazil und spektakulär zugleich am Vertikalseil oder an kunstvoll verschlungenen Stoffbahnen bewegt und bei den Zuschauern bleibende Eindrücke hinterlässt.

Tanzshows mit Luftelementen

Inzwischen inszeniert er selbst solche Tanzshows mit Luftelementen: "Wir machen Shows von einer bis 15 Minuten, von alleine bis 20 Mann, von künstlerischer Inszenierung bis abstrakt, mit Videoprojektionen und ohne bis hin zu vertikalen Modenschauen", erklärt der Künstler. Das Publikum erwartet dabei perfekte Körperbeherrschung, individuelle Showkonzepte und ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm auf höchstem Niveau. Genau das ist weltweit gefragt: "Wir werden viel in den Emiraten gebucht, viel in China und den USA", so Halamek. Das Publikum sei dabei jedes Mal anders: "Grundsätzlich gilt, je mehr Öl, desto zurückhaltender sind sie, weil sie dort alles schon gesehen haben und sowieso alles dort inszeniert ist", weiß er. Doch weil Luftakrobatik technisch aufwändig und deshalb relativ teuer ist, werden die großen Shows eben auch in den großen Städten gebucht. Mit einer Ausnahme: Der Wolfratshauser Sportlergala. "Was ich hier in Wolfratshausen zeige, ist eben ein patriotisches Projekt für meine Heimatstadt", sagt Halamek.

In der Loisachstadt Wolfratshausen fühlt er „Heimat und Wurzeln“

Und er würde gerne mehr vor Ort agieren: "Es gibt Ideen und Konzepte auch für kleinere Varianten, Firmenveranstaltungen etwa". Sein Spezialgebiet sei, dichte Atmosphären zu schaffen und Emotionen zu wecken. "Das geht auch im kleinen Rahmen, für einen unvergesslichen Abend", weiß er. Und es laufen bereits Gespräche mit der Stadt, weitere Veranstaltungen zu planen, auch in Verbindung mit lokalen Musikern. Der Zeitpunkt könnte dafür nicht besser sein: Nach fünf Jahren in München ist Halamek gerade wieder nach Wolfratshausen gezogen: "Zum dritten Mal in meinem Leben", lacht er, "da kann man sich schon sicher sein, dass es ein guter Ort ist." Denn hier fühle er "Heimat und Wurzeln". Außerdem sei er ein absoluter Familienmensch, und als er beschloss, mit seinem Partner zusammenzuziehen, fiel die Entscheidung für den künftigen Lebensmittelpunkt auf die Loisachstadt. "Die Lebensqualität ist hier einfach höher", findet Halamek. Auch wenn die Großstadt verlockend war: Wenn er von seinen weltweiten Reisen zurückkehrte, brauchte er jedes Mal zwei, drei Tage, um richtig anzukommen. "Jetzt aber wache ich auf, schaue raus und bin daheim".