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Von den kleinen Helfern der großen Stars

von Andrea Weber

Wolfratshausen, 26.11.2012 – Das Pantomimen-Ensemble „Familie Flöz“ stellt in ihrem Programm „Teatro Delusio“ auf höchst humoristische Weise den Bühnenalltag hinter den Kulissen dar. Viel Applaus bekamen die Schauspieler am Montagabend in der Loisachhalle für ihr Theaterstück, in dem soviel zum Ausdruck kam – ohne ein gesprochenes Wort. Das Publikum war von der künstlerischen gestischen Darstellung derart verzaubert, dass es lange applaudierte und fast nicht nach Hause gehen wollte.

Das Bühnenbild in der Loisachhalle versetzte das Publikum in eine ungewöhnliche Perspektive. Es schaute quasi auf die Rückseite einer Opernbühnen-Kulisse. In dem Stück „Teatro Delusio“ geht es um die kleinen Helfer der großen Stars, die im Backstage ihr Dasein fristen und vom Ruhm der anderen, jenseits der dünnen Kulissenwand, nur träumen können. Da gibt es den kleinwüchsigen Kraftprotz, der mit seinen Muskeln spielt, den hageren Tagträumer, der ungeschickt mehr ruiniert denn repariert und den wohlgenährten Chef der Handwerkertruppe, der in seinem eingefahrenen Alltagstrott vergisst, wie ihm die Zeit entrinnt. Alle drei warten vergeblich auf ihren großen Auftritt und träumen im Verborgenen von Ruhm und Ehre. Der eine als wilder Revolverheld, der andere als feingliedriger Tänzer und der dritte als singender Tenor in einem der großen Inszenierungen. Und ganz nebenbei ist es ein Kommen und Gehen: Es schreitet eine gestelzte Diva herein, es tippelt eine affektierte Ballerina vorbei, ein schrulliger Tänzer wirft seinen Kopf affektiert in den Nacken und ein intellektueller Intendant fasst sich denkend an die Stirn.

Karikative Figuren aus einer Satirewelt

All diese Rollen spielen im fliegenden Wechsel die Darsteller Paco Gonzalez, Björn Leese und Hajo Schüler. Nur mit ihrer Körpersprache drücken sie aus, welche Gefühle im Spiel sind und überspitzen die Charaktere ins Komische. Weniger die Handlung ist der Kern dieser Inszenierung, es sind die Figuren mit ihren ganz individuellen Marotten. Es sind keine Puppen, sondern die Darsteller verbergen ihre Gesichter hinter starren Masken. Die übergroßen Gesichtszüge mit langen Nasen, tiefen Wangen, hohen Denkerstirnen verzerren die Proportionen der Darsteller auf komisch-groteske Art und machen sie zu karikativen Figuren wie aus einer Welt der Satire. Mit ihrer Perfektion schaffen sie eine Illusion, als würden sich die leblosen Gesichtsmasken mimisch bewegen.

Das inzwischen internationale agierende Ensemble hat seine Wurzeln im Ruhrgebiet. Seit 1996 gibt es das Pantomimen-Theater, das sich als ständig wandelnde Truppe von Theatermachern unter dem Namen „Familie Flöz“ inzwischen weltweit einen Namen gemacht hat. In rund 25 Ländern treten sie auf. Für jedes Bühnenstück bauen sie die Masken neu. Vom Drehbuch bis zur Kulisse macht die Gruppe aus Schauspielern, Maskenbauern, Regisseuren, Produzenten, Musikern Bühnenbildnern, Lichttechnikern und Artisten alles selbst.


Bilderreihe – „Teatro Delusio“ mit der Familie Flöz